Der Fischotter (Lutra lutra) wird bis zu 1,20 Meter lang und ist mit seinem dichten, wasserabweisenden Fell, dem gedrungenen Körperbau sowie Schwimmhäuten an allen vier Pfoten perfekt an das Leben im und am Wasser angepasst. Als größter heimischer Marder steht er wie kaum eine andere Art für naturnahe, intakte Gewässerlandschaften.
Fischotter galt in NRW als ausgestorben
Seit den 1950er-Jahren galt der Fischotter in Nordrhein-Westfalen als ausgestorben. Erst ab 2009 wurde er zunächst wieder im westlichen Münsterland nachgewiesen. Die aktuelle Entwicklung zeigt nun, dass sich der Fischotter weiter ausbreitet und zunehmend auch neue Lebensräume erschließt.
Christian Härting und Patrick Hundorf von der Biologischen Station Soest (Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz e.V., ABU) betreuen im Auftrag des Umweltamtes der Stadt Hamm die Naturschutzgebiete in der östlichen Lippeaue. Nach verschiedenen Hinweisen auf ein mögliches Vorkommen des Fischotters führten sie ein standardisiertes Monitoring zur Bestandsaufnahme durch. Dies ist keine einfache Aufgabe: Fischotter leben äußerst heimlich und verborgen. Eine direkte Beobachtung mit dem Fernglas ist in der Regel nicht möglich, da sie als Einzelgänger überwiegend nachts aktiv sind und dabei große Strecken entlang von Gewässern zurücklegen.
Zuverlässige Hinweise auf den Otter
Eine besondere Eigenschaft verrät jedoch zuverlässig ihre Anwesenheit: Zur Reviermarkierung und zur Kommunikation mit Artgenossen platzieren Fischotter ihren Kot, die sogenannte Losung, gut sichtbar an markanten Stellen wie Uferbereichen, Steinen oder Baumstümpfen. Bei dem Monitoring wurden solche prominenten Stellen gesucht und regelmäßig auf das Vorhandensein von Losung und Trittsiegeln untersucht. Mit Erfolg, meint Christian Härting: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Fischotter ganzjährig die Lippe im Stadtgebiet Hamm besiedelt und es sich nicht nur um ein durchziehendes Tier handelt.“
Patrick Hundorf ergänzt: „Auch die extra aufgestellte Fotofalle belegt die dauerhafte Anwesenheit mindestens eines Tieres.“ Um wie viele Tiere es sich handelt, kann noch nicht gesagt werden. Dafür muss das Monitoring weitergeführt werden. Hier kann die Genetik helfen, wenn aus der Losung DNA-Proben gewonnen werden können. „Damit könnten wir im besten Fall einzelne Tiere identifizieren und mehr über die Herkunft der Tiere erfahren“, so Härting.
Fischotter verspeist auch invasive Grundel
Der Fischotter gilt als Schlüsselart für eine intakte und strukturreiche Flusslandschaft. Die Lippe ist die Grundlage zur erfolgreichen Jagd seiner Hauptbeute Fisch. Beide finden in natürlichen Flussabschnitten mit Altarmen, Flutmulden, Totholz, bewachsenen Ufern und verschiedenen Fließgeschwindigkeiten optimale Lebensbedingungen vor. Dirk Bergmeier, Fischereiberater der Stadt Hamm, merkt an: „Leider wissen wir noch nicht genug über den Fischotter. Bekannt ist, dass er überwiegend Fische mit bis zu 20 Zentimetern Länge bevorzugt. In seinen Losungen hat man einen großen Anteil der Grundel als Nahrungsfisch nachgewiesen. Diese nicht heimische Fischart bereitet dem Ökosystem unserer Gewässer erhebliche Schwierigkeiten. Umso schöner, dass diese nun wieder einen natürlichen Fressfeind mehr hat.“
Ganz besonders freut sich auch Jessica Dieckmann, Biberbeauftragte und Mitarbeiterin des Umweltamtes: „Die Anwesenheit des Fischotters zeigt den Erfolg der intensiven Naturschutzarbeit der vergangenen 20 Jahre in Hamm. An der Lippe konnten im Rahmen von zwei LIFE-Projekten und dem Erlebensraum Lippeaue zahlreiche naturnahe Lebensräume wieder hergestellt werden. Seit etwa 15 Jahren ist auch der Biber wieder in Hamm heimisch. Biber gestalten die Landschaft durch ihre Bautätigkeiten enorm und schaffen so strukturreiche Gewässer, die dem Otter, aber auch vielen anderen Arten, Nahrung und Schutz bieten.“