"Seeing"

Tord Gustavsen Trio

Mit seinem aktuellen Album „Seeing“ schlägt der norwegische Pianist Tord Gustavsen ein neues, komplexes Kapitel auf – wovon man sich am Freitag, 13. März, um 19:30 Uhr im Kurhaus live überzeugen kann.

Der Norweger Tord Gustavsen lernte bereits als Vierjähriger, Klavier zu spielen und begann mit dem Komponieren und Improvisieren, noch bevor er Notenlesen lernte. Als Teenager widmete er sich der klassischen und Kirchenmusik ebenso wie Gospel, Jazz und eigenen Werken. Nach einem Umweg über ein Soziologie, Psychologie und Religionsgeschichte-Studium, wandte er sich 1993 ganz der Musik zu und schrieb sich am Trondheimer Konservatorium ein. Jazzpiano, Jazzgeschichte, Improvisationstechniken, Komposition und Musikanalyse standen auf dem Studienplan, später macht er noch einen Abschluss in Musikwissenschaften. Neben der Theorie setzte er das Erlernte in zahlreichen Sessions mit anderen Musikern um. Ins internationale Rampenlicht schaffte er es erstmals im Jahr 2000 als Pianist der gefeierten Landsfrau Silje Nergaard, bevor 2003 das erste Album seines eigenen Trios erschien, „Changing Places“, heute ein Klassiker. Sein Bedürfnis nach Individualität steht nicht im Vordergrund, kreatives Zusammenspiel verbunden mit aufmerksamem Zuhören macht ihn sowohl als Solisten als auch im Ensemble zu einem ganz besonderen Erlebnis. Durch seine Art, Jazzgeschichte mit „nordischen“, nachdenklichen Stimmungen und lyrischer Schönheit zu verbinden, ist er längst eine der faszinierendsten Stimmen der heutigen Musikszene geworden.

Mit seinem aktuellen Album „Seeing“ (2024) schlägt er jetzt ein neues, komplexes Kapitel auf. Die kompakten, konzentrierten Liedformen „spiegel[n] meine persönliche Entwicklung wider, ich werde älter und konzentriere mich mehr und mehr auf das Wesentliche im Leben und in der Musik“, sagt Gustavsen selbst. Mit fünf Eigenkompositionen, zwei Bach-Chorälen, einem traditionellen norwegischen Hymnus sowie einem englischen Kirchenlied aus dem 19. Jh. taucht er tief in seine unverwechselbare Mischung aus Jazz, Blues, Gospel, skandinavischer Volks- und Kirchenmusik ein. 

Kongenial unterstützt von seinem langjährigen Wegbegleiter Jarle Vespestad am Schlagzeug, dem Meister des erhabenen Minimalismus und lyrischen Betonung, und Kontrabass-Virtuose Steinar Raknes, bekannt für seinen großen Ton und seine alternative Pizzicato-Stilistik.

„Die Melodien wertschätzend“, schöpft das Zusammenspiel der drei Kraft aus der Zurückhaltung und baut die Musik geduldig auf ihre Höhepunkte hin auf, während Gustavsen, ein wahrer Meister des Trio-Formats, das Ganze mit seinem feinen Anschlag und seiner ganz speziellen subtilen Gospel-Glut prägt.

Tord Gustavsen Trio

© Caterina Di Perri_ECM Records