Ein echtes „Drama“ ist für die rebellisch-erfrischende und detailgenaue Künstlerin Senay Duzcu, ihres Zeichens türkische Stand-Up Comedian, dass sie keine typische Türkin ist. Weniger für sie selbst, als für die Gesellschaft - denn jeder Versuch, ihr den herkömmlichen Stempel aufzudrücken, scheitert: Als Deutsch-Türkin ist sie den Ewiggestrigen „zu modern“, den Jüngeren „zu traditionsgebunden“ und den Männern als selbstständige Frau „zu emanzipiert“.
Und auch ihre Familie tut sich schwer damit, dass sie keine „typische Türkin“ geworden ist. Die Eltern hätten es mehr als begrüßt, wenn sie eine ordentliche Hausfrau geworden und einen anständigen türkischen Mann geheiratet hätte. Weil sie diese Erwartungen aber nicht erfüllen wollte, ist und bleibt sie das schwarze Schaf in der Verwandtschaft.
Senay Duzcu nimmt aber nicht nur „typische Migrantenthemen“ ins Visier, sondern greift so ziemlich alles an Inhalten auf, die sicher nicht nur die Damen, sondern ganz sicher auch den einen oder anderen Herrn der Schöpfung bewegen.
„Ich bleib dann mal hier“: Senay Duzcu ist Deutschlands erste weibliche türkische Stand-Up-Comedian. Die Tochter einer klassischen Gastarbeiterfamilie sprengt jeden Rahmen, machte ihren Weg als Sonderschülerin mit Legasthenie bis zum Stipendium für Hochbegabte. Mit 19 Jahren zieht sie zuhause aus und kehrt nach Zwischenstopps in London und Berkeley/USA als einzige Akademikerin in der Familie mit einem Diplom in Architektur zurück. 2007 erhält Duzcu den Deutsch-Türkischen Freundschaftspreis im Bereich Kultur.
Für sie ist es wichtig, die Kulturunterschiede aus Sicht einer türkischen Frau zu zeigen und deren Zweideutigkeit auf witzige Art und Weise zu präsentieren. Ihre herzerfrischende Ironie eröffnet so manche neue, ungewohnte Sichtweise und bringt Bewegung in scheinbar eingefahrene und unverrückbare Positionen in dieser Auseinandersetzung.