Faszination Theater

Der Theatermacher

Ein weiterer Mosaikstein in der Reihe der Literaturbearbeitungen des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel, zu sehen am Mittwoch, 19. April, um 19:30 Uhr im Kurhaus. Wie gewohnt gibt es im Vorfeld für alle Interessierten um 18:45 Uhr ein Einführungsgespräch, in dem Fakten und Hintergründe zum Stück näher beleuchtet werden.

Da ist er. Der selbsternannte Staatsschauspieler (!) Bruscon. Auf seiner Tour durch die Provinz, um auch den letzten Winkel der Welt davon zu überzeugen: Theater ist alles, alles ist Theater. Im Gepäck hat er seine grandiose Komödie „Das Rad der Geschichte“, die die gesamte Weltliteratur in sich vereint. Jetzt ist er in Utzbach gelandet. Der hiesige Spielort ist der Tanzsaal des Gasthauses „Schwarzer Hirsch“, eine glatte Katastrophe. „Nicht mal zum Wasserlassen habe ich diese Art von Gasthäusern betreten, eine Kunstfalle!“ lautet Bruscons vernichtendes Urteil. Insgesamt ist die 280-Seelen-Gemeinde auf den bevorstehenden Welterfolg nur äußerst ungenügend vorbereitet. Der Bühnenboden droht durchzubrechen, die Luft ist zu schwül, die Feuerwehr wahrscheinlich nicht in der Lage, das Notlicht auszuschalten, selbst „in der Frittatensuppe feiert die Provinz ihre Triumphe“. Außerdem ist Blutwursttag. Da kommt sowieso niemand. Sagt der Wirt. Noch so eine geistige Nebenerscheinung. Das Ensemble besteht aus Bruscons Familie – seiner angeblich erkälteten Ehefrau und den beiden talentlosen Kindern. Allesamt Enttäuschungen. Gigantischer Antitalentismus! In endlosen Tiraden, die letztlich nur seine eigene Unsicherheit, Einsamkeit und Liebesbedürftigkeit zum Ausdruck bringen, nähert sich Bruscon unaufhaltsam dem Vorstellungsbeginn. Wider Erwarten füllt sich der Saal und die Hoffnung, doch gehört und angebetet zu werden, bahnt sich ihren Weg.

Thomas Bernhard (1931 – 1989) ist bis heute einer der populärsten und literarisch einflussreichsten österreichischen Schriftsteller, „Der Theatermacher“ ist sein bekanntestes Stück. In unnachahmlicher sprachlicher Meisterschaft gelingt es ihm hier, die ganze Faszination, die das Theater mit all seinen Widersprüchen und Verzauberungen mit sich bringt, deutlich werden zu lassen. Uraufgeführt 1985 unter der Regie von Claus Peymann bei den Salzburger Festspielen, hat das Werk auch vierzig Jahre später nichts von seiner komischen und tragischen Kraft verloren.

In der Regie von Dalila Niksic vom Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel glänzt Mike Kühne in der Titelrolle.

Spielszene aus "Der Theatermacher"

© Volker Beushausen