Insgesamt wurden seit Beschluss der strategischen Planung 46 Ausbaumaßnahmen auf den Weg gebracht. Trotz globaler Krisen, massiver Baukostensteigerungen und schwieriger Refinanzierungsbedingungen wurden 14 Maßnahmen bereits abgeschlossen. So entstanden acht neue Gruppen mit 175 zusätzlichen Betreuungsplätzen in der Regelstruktur. Gleichzeitig konnten 47 Überbelegungsplätze sowie sechs Übergangsgruppen mit 78 Plätzen abgebaut werden. Bis zum Planungsziel 2029/2030 sollen die derzeit noch bestehenden 207 Überbelegungsplätze und 430 Plätze in Übergangsgruppen vollständig in die Regelstruktur überführt werden.
Bildungsdezernentin Dr. Britta Obszerninks betont, dass es dabei längst nicht mehr nur um Quantität gehe: „Unser Fokus liegt zunehmend auf der Qualität der pädagogischen Arbeit. Mit der Überführung von Übergangslösungen in dauerhafte Strukturen, modernen Raumkonzepten und bedarfsgerechten Gruppengrößen schaffen wir stabile Rahmenbedingungen für Kinder, Eltern und Fachkräfte.“
Kurze Wege bis zur Kita
Die Fortschreibung der Bedarfsplanung erfolgt vor dem Hintergrund deutlich rückläufiger Geburtenzahlen. Die Zahl der U3-Kinder ist von 4.732 im Kitajahr 2021/2022 auf 4.124 im laufenden Kitajahr gesunken. Diese Entwicklung macht eine vorausschauende und flexible Steuerung der Kapazitäten erforderlich. Ziel ist es, Über- und Unterversorgungen frühzeitig zu vermeiden und Investitionen wirtschaftlich sowie nachhaltig einzusetzen. Bis 2027/2028 sollen rund 80 Prozent der qualitativen Umstrukturierung abgeschlossen sein, zwei Jahre später der vollständige Abschluss.
Wichtig bleibt dabei, in den Sozialräumen die konkreten Bedarfe abzubilden. „Da gehen wir nach dem Motto ,Kurze Beine, kurze Wege‘ vor. Eltern sollen für einen Kita-Platz nicht von Pelkum nach Heessen fahren müssen. Deshalb geht es uns nicht nur darum, dass wir statistisch ausgeglichen sind, sondern es auch im Sozialraum passt“, so Herter.
Stadt greift den Trägern unter die Arme
Eine große Herausforderung bleibt die Finanzierung. Die Trägerlandschaft steht aufgrund der nicht auskömmlichen Anpassung der Kindpauschalen durch das Land Nordrhein-Westfalen weiterhin unter erheblichem Druck. Um die Einrichtungen zu stabilisieren, übernimmt die Stadt Hamm freiwillig zusätzliche Trägeranteile in Höhe von aktuell 5,85 Millionen Euro jährlich. Dadurch reduziert sich der tatsächliche Trägeranteil um rund 74 Prozent. Auch bei Neubauten beteiligt sich die Stadt mit zusätzlichen Eigenmitteln, da die nach dem Kinderbildungsgesetz vorgesehenen Mietzuschüsse die realen Bau- und Finanzierungskosten nicht decken.
„Wir lassen die Träger nicht allein und finanzieren mit – und zwar nicht so, dass sie sich die Taschen voll machen können, sondern so, dass es wirtschaftlich so gerade reicht“, erklärt Herter. „Die Stadt übernimmt Verantwortung und sorgt für Planungssicherheit. Gleichzeitig erwarten wir vom Land eine verlässliche und realitätsgerechte Finanzierung.“
Tagespflegeeinrichtungen werden sichtbarer
Neben den Kindertageseinrichtungen bleibt die Kindertagespflege ein gleichrangiger Teil des Betreuungssystems. Aktuell betreuen rund 110 Tagespflegepersonen Kinder in Hamm. Um das Angebot sichtbarer zu machen und neue Interessierte zu gewinnen, plant die Stadt unter anderem die Veröffentlichung eigener Profile für Tagespflegestellen im städtischen Kitaportal ab Sommer 2026 sowie Informations- und Werbeaktionen, etwa im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche „Gut betreut in Kindertagespflege“.
Ganz egal, ob in der Kita oder in der Tagespflege: Wichtig ist dabei auch, dass genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung stehen. „Kitas funktionieren nur, wenn auch ausreichend Personal da ist, um die Kinder gut zu betreuen. Deshalb haben wir dieses Thema in den Blick genommen und einen runden Tisch für die Gewinnung von Fachkräften ins Leben gerufen. Außerdem haben wir die Kampagne „Zukunftsjob Kita“ gestartet, um bei jungen Menschen dafür zu werben, dieses Berufsfeld zu ergreifen“, erklärt Bildungsdezernentin Dr. Britta Obszerninks.
Schulische Betreuungsangebote: Quote bei über 75 Prozent
Auch im Bereich der schulischen Betreuung ist die Nachfrage stark gestiegen. Zwischen dem Schuljahr 2021/22 und 2025/26 wuchs die Zahl der Kinder in Offener Ganztagsschule oder Übermittagsbetreuung um 1.583 auf insgesamt 5.641. Die OGS-Quote an Grundschulen stieg im gleichen Zeitraum von 44,8 Prozent auf 57,7 Prozent, an Förderschulen von 35,9 auf 47,8 Prozent. Insgesamt liegt die Betreuungsquote inzwischen bei 75,7 Prozent.
An acht Grundschulen sind derzeit Erweiterungen oder Umbauten geplant oder bereits in Umsetzung. Im Mittelpunkt stehen insbesondere zusätzliche Speiseraumkapazitäten und die Sicherstellung einer leistungsfähigen Mittagsverpflegung.
Für das Ausbauprogramm stehen Fördermittel in Höhe von rund 8,1 Millionen Euro zur Verfügung, ergänzt um einen städtischen Eigenanteil von rund 1,4 Millionen Euro. Dennoch bleibt die Finanzierung angespannt, da die Landesmittel auch hier nicht auskömmlich sind. Hamm hat daher beim Verwaltungsgericht Arnsberg eine Feststellungsklage eingereicht, um die Finanzierungsverantwortung für den Ganztagsanspruch rechtlich klären zu lassen.
Heitkemper: „Das hilft Familien enorm“
Stefan Heitkemper (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Kinder, Jugend und Familie, lobt die Verwaltung für das strategische und weitsichtige Handeln beim Ausbau von Kita und OGS. „In Hamm kann sich jeder, der eine Familie gründet, darauf verlassen, dass er eine zuverlässige Betreuung hat – egal wo man wohnt und für welches Betreuungsmodell man sich entscheidet“, sagt Heitkemper. „Das Familienfreundliche ist es, was wir ausbauen wollen und auch schon seit Jahren tun. Wir sind auf einem sehr guten Stand. Der Eigenanteil für die Kinderbetreuung ist in Hamm außerdem weiter historisch niedrig. Auch das hilft Familien enorm.“