Ausnahmen bestätigen die Regel: Beim Mozart-Zyklus auf Gut Kump, den die Nordwestdeutsche Philharmonie und Frank Beermann auch in diesem Sommer fortsetzen, weiten sie den Blick bewusst über Mozart hinaus. Nach dem Klavierkonzert d-Moll (KV 466), einem der dramatischsten und kühnsten Beiträge Mozarts zur Gattung, steht Ludwig van Beethovens 4. Sinfonie auf dem Programm, die mit ihrem hellen, federnden Gestus näher an der Tonsprache Mozarts liegt als seine Sinfonien Nr. 5 und 6.
Damit kehrt dieser Konzertabend die Vorzeichen um: Für die tragische Energie ist diesmal Mozart zuständig, während Beethovens Vierte geprägt ist von einem optimistischen, ja enthusiastischen Schwung. Zugleich bewegt sich die Werkauswahl auf der oft fließenden Grenze zwischen der Wiener Klassik und der beginnenden Romantik. Sie macht hörbar, wie Beethoven an Mozart anknüpft und doch ganz eigene Wege geht. Hinzu kommt, dass die Programmwahl über sich selbst hinausweist: Der erweiterte Rahmen versteht sich als leiser Fingerzeig auf das festliche Abschlusskonzert des Festivals, in dem Beethovens 9. Sinfonie erklingen wird.
Als Solist des Abends erhält der Pianist Matthias Kirschnereit erneut Gelegenheit, seine hohe Mozart-Kompetenz zu beweisen. Seine enge künstlerische Partnerschaft mit Frank Beermann hat sich vielfach bewährt: Sie wurde bereits 2009 mit einem ECHO Klassik ausgezeichnet, damals für die Ersteinspielung des rekonstruierten Klavierkonzerts e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy.