Feuertrunken: Dieses Wort aus Schillers „Ode an die Freude“ reicht beinahe aus, um Ludwig van Beethovens monumentale 9. Sinfonie zu charakterisieren. Aber natürlich besteht sie nicht nur aus dem berühmten Chorfinale, das später zur Europahymne wurde. Gemeinsam mit der 5. Sinfonie hat sie das Bild des komponierenden „Titanen“ geprägt, der bis dahin unerhörte, revolutionäre Ausbrüche von Kraft in Töne goss. Der Kopfsatz ist ein von Blitzen durchzuckter Kosmos: Die Klänge verdichten sich wie Sternenstaub, der sich zu Planeten formt.
Kaum ein anderes Werk ist so eng mit großen historischen Momenten und Übergängen verbunden – von Silvesterkonzerten bis zur Wiedervereinigung – und eignet sich daher in besonderer Weise, das Festival im Jubiläumsjahr der Stadt Hamm zu beschließen. Schillers „Ode an die Freude“ ist längst zur musikalischen Chiffre für Freiheit und Zusammenhalt geworden: ein Signal, das in einer Jubiläumsfeier ebenso stark wirkt wie in politischen Zeitenwenden.
Mit den beiden Chören, die sich für diese Aufführung zusammenschließen, reichen sich die Stadt Hamm und die Landeshauptstadt Düsseldorf die Hand. Gemeinsam mit der Nordwestdeutschen Philharmonie unter der Leitung von Frank Beermann stimmen sie Beethovens Vertonung von Schillers Versen an. „Alle Menschen werden Brüder“ – diese Utopie wird im Jahr 2026 dringend benötigt.