Im Rahmen des KlassikSommer Musikpreises
Ein Tropfen Zaubersaft genügt, und alle Gefühle verschieben sich. In Shakespeares „Sommernachtstraum“ erscheint die Liebe als instabil und manipulierbar: ein sehr heutiger Gedanke in einer Welt, in der Attraktion als chemisch, psychologisch oder sozial konstruiert gilt. Rufus Beck hat aus Shakespeares Schauspiel einen lustvoll-ironischen Soloabend entwickelt. Mit großer Beweglichkeit schlüpft er in alle Rollen, spielt Oberon und Titania, Hermia und Lysander, Helena und Demetrius. Damit lebt er die geheime Wunschvorstellung des Handwerkers Niklas Zettel aus.
Und doch ist seine Version kein Soloabend: Das renommierte Klavierduo Walachowski erweckt mit der berühmten Schauspiel-Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy den schimmernden Charme des Feenreichs. So groß das Liebeschaos auch sein mag, das der Kobold Puck mit seiner Zauberblume anrichtet: Im vierhändigen Spiel sind die Schwestern Anna und Ines Walachowski dem Schauspieler starke, verlässliche Partnerinnen. Mendelssohn vollendete die Partitur 1843, im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. Die Uraufführung, von Ludwig Tieck inszeniert, wurde in Potsdam zum gesellschaftlichen Ereignis: Im Publikum saßen unter anderem Alexander von Humboldt und Bettina von Arnim.
Shakespeare lässt nicht nur die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen, er erzählt auch von Ordnung und Chaos, von sozialer Macht, Geschlechterrollen und Hierarchien. In der musikalisch-literarischen Fassung von Rufus Beck verschränken sich Text und Klang zu einem Theaterabend, der Shakespeare respektiert, Mendelssohn feiert und mit leichter Hand im Heute ankommt.