Kommunale Wärmeplanung für Hamm

Fahrplan für eine klimafreundliche Wärmeversorgung steht

Wie wird in Hamm künftig geheizt? Wo lohnt sich der Ausbau von Fernwärme? Welche Rolle spielen Wärmepumpen und erneuerbare Energien? Wie kann Energie effizienter genutzt werden? Antworten auf diese Fragen gibt die nun vorliegende Kommunale Wärmeplanung der Stadt Hamm. Mit dem Wärmeplan schafft die Stadt erstmals ein umfassendes Konzept für die zukünftige Wärmeversorgung Hamms.

„Die Wärmeversorgung unserer Gebäude ist eine der größten Herausforderungen auf dem Weg zur Klimaneutralität. Mit der Kommunalen Wärmeplanung schaffen wir eine belastbare Grundlage, um die Wärmewende in Hamm strategisch, planvoll und zukunftssicher voranzubringen“, erklärt Oberbürgermeister Marc Herter.
Dem Rat der Stadt Hamm wird der Wärmeplan einschließlich eines Maßnahmenkatalogs in der Sitzung am 7. Juli zum Beschluss vorgelegt. Hintergrund ist das bundesweit geltende Wärmeplanungsgesetz, das Städte mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern verpflichtet, eine Kommunale Wärmeplanung zu verabschieden.

Wärmesektor verursacht rund 40 Prozent der Emissionen
Die aktuelle Analyse zeigt: Der Wärmeverbrauch für Raumwärme und Warmwasser liegt in Hamm derzeit bei rund 1.400 Gigawattstunden pro Jahr. Nach wie vor wird der größte Teil der Wärme mit fossilen Energieträgern erzeugt. Etwa 67 Prozent entfallen auf Erdgas, weitere 25 Prozent auf nicht leitungsgebundene Energieträger wie Heizöl oder Biomasse. Sieben Prozent werden bislang über Wärmenetze bereitgestellt. Die Folge: Rund 40 Prozent der Treibhausgasemissionen in Hamm entstehen im Wärmesektor. Insgesamt verursacht die Wärmeversorgung derzeit mehr als 320.000 Tonnen Treibhausgase pro Jahr.

Umfassende Analyse als Grundlage
Für die Erstellung der Wärmeplanung wurden erstmals umfangreiche Daten zum Gebäudebestand, zu Energieverbräuchen und zur vorhandenen Infrastruktur ausgewertet. Grundlage war unter anderem ein digitaler Zwilling der Stadt Hamm – eine digitale Abbildung sämtlicher Gebäude und ihrer Wärmeverbräuche. Die Untersuchung umfasste vier zentrale Bausteine: eine Bestandsanalyse der heutigen Wärmeversorgung, eine Potenzialanalyse erneuerbarer Wärmequellen, die Entwicklung eines Zielszenarios für die zukünftige Versorgung sowie eine Wärmewendestrategie mit konkretem Maßnahmenkatalog.
Dabei wurden neben bestehenden Netzen auch Potenziale von Solarthermie, Biomasse, industrieller Abwärme, Abwasserwärme, Flusswasser sowie zentralen und dezentralen Wärmepumpen untersucht.

Wärmenetze dort ausbauen, wo sie sinnvoll und wirtschaftlich sind
Ein zentrales Ergebnis der Wärmeplanung: Die Wärmewende in Hamm soll künftig auf mehreren Säulen stehen. Besonders wichtig bleibt dabei der Ausbau bestehender Wärmenetze. 
Das von den Stadtwerken Hamm betriebene Fernwärmenetz umfasst bereits rund 83 Kilometer Leitungsnetz und versorgt vor allem das Stadtzentrum und Heessen. Die Wärme stammt aus der Abwärme der Müllverbrennungsanlage (MVA) und gilt damit bereits heute als nahezu emissionsfrei. Die Analyse zeigt, dass ein weiterer Ausbau vor allem in dicht bebauten Gebieten wirtschaftlich sinnvoll ist. Hier können viele Gebäude über vergleichsweise kurze Leitungswege versorgt werden. 
Für insgesamt 16 räumlich abgegrenzte Teilgebiete wurden detaillierte Steckbriefe erstellt und Prioritäten für die weitere Entwicklung festgelegt. In diesen Bereichen sollen vertiefende Untersuchungen und konkrete Planungen folgen.
Gleichzeitig zeigt die Analyse allerdings auch, dass sich nicht alle Bereiche Hamms wirtschaftlich an Wärmenetze anschließen lassen. Für große Teile des Stadtgebiets empfiehlt die Wärmeplanung deshalb dezentrale Lösungen. Besonders Wärmepumpen gelten dort als bevorzugte Technik. Nach den Untersuchungen bieten sie in weiten Teilen Hamms gute Voraussetzungen für eine klimafreundliche und langfristig bezahlbare Wärmeversorgung.
Auch andere nach dem Gebäudeenergiegesetz zulässige Heiztechnologien bleiben möglich. Die Wärmeplanung schreibt keine bestimmte Heizungsart vor.

Deutliche Senkung von Energieverbrauch und Emissionen möglich
Die Kommunale Wärmeplanung zeigt zugleich, welches Klimaschutzpotenzial in der Wärmewende steckt: Durch energetische Sanierungen und den Umstieg auf klimafreundliche Wärmeversorgung kann der Wärmebedarf bis 2045 um rund 13 Prozent sinken. Parallel dazu sollen Heizungen auf Basis fossiler Energieträger schrittweise durch Wärmenetze und Wärmepumpen ersetzt werden. Dadurch könnten die Treibhausgasemissionen der Wärmeversorgung auf etwa 24.000 Tonnen pro Jahr sinken – das wäre ein Rückgang von mehr als 90 Prozent.
Um dieses Ziel zu erreichen, enthält der Wärmeplan einen umfangreichen Maßnahmenkatalog mit insgesamt 24 Maßnahmen, die bereits nach Priorität sortiert sind. So könnten künftig zum Beispiel öffentliche Gebäude verstärkt als sogenannte Ankerkunden für neue Wärmenetze gewonnen und die Abwärme der Kläranlagen gezielt genutzt werden.

Wärmewende als langfristiger Prozess
Wichtig für Eigentümerinnen und Eigentümer von Immobilien: Die Kommunale Wärmeplanung ist ein strategisches Planungsinstrument. Sie trifft keine verbindlichen Festlegungen für einzelne Gebäude und ersetzt keine individuelle Beratung.
Die dargestellten Wärmeversorgungsgebiete zeigen vielmehr auf, welche Lösungen aus heutiger Sicht langfristig als besonders wahrscheinlich und sinnvoll eingeschätzt werden. Ob und wann einzelne Wärmenetze tatsächlich gebaut oder erweitert werden, muss in weiteren Planungsschritten und Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen geprüft werden.
Die Stadt Hamm versteht die Kommunale Wärmeplanung ausdrücklich als Startpunkt eines langfristigen Transformationsprozesses. Der Wärmeplan wird regelmäßig fortgeschrieben und muss nach den Vorgaben des Wärmeplanungsgesetzes spätestens alle fünf Jahre aktualisiert werden.

Begleitet wurde die Erarbeitung bereits durch Beteiligungsformate mit Fachakteuren, Multiplikatoren und der Öffentlichkeit. Dieser Dialog soll auch in den kommenden Jahren fortgesetzt werden.

Mitarbeiter des Hamburg Institutes, Geschäftsführer der Stadtwerke Hamm Reinhard Bartsch, Oberbürgermeister Marc Herter und Umweltdezernent Volker Burgard (v. l. n. r.) stellen den Wärmeplan für Hamm vor.

© Thorsten Hübner

Voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete der Stadt Hamm

© Tobias Garske