Die Vereinbarung schafft eine gemeinsame politische Grundlage für die nächsten Jahre und soll sicherstellen, dass der Umbau der Innenstadt auch über einzelne Wahlperioden hinaus verlässlich verfolgt werden kann.
„Unsere Innenstadt wird nicht dadurch eine gute Zukunft haben, dass wir versuchen, die Vergangenheit zurückzuholen. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass sie auch in Zukunft ein Ort ist, an dem Menschen gerne einkaufen, arbeiten, wohnen, essen, Kultur erleben und sich treffen“, sagt Oberbürgermeister Marc Herter. „Der Innenstadt-Konsens ist deshalb ein wichtiges Signal: Bei allen politischen Unterschieden gibt es eine gemeinsame Verantwortung für die Zukunft unserer Innenstadt. Ich danke allen beteiligten Fraktionen und Parteien ausdrücklich dafür, dass sie diese Verantwortung annehmen und sich auf eine verlässliche gemeinsame Linie verständigt haben. Die Entwicklung wird Jahre dauern. Umso wichtiger ist es, dass wir dabei nicht bei jedem einzelnen Schritt die grundsätzliche Richtung neu diskutieren.“
Gemeinsame Grundlage ist das ISEK
Ausgangspunkt des Konsenses ist das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Innenstadt (ISEK), dessen Eckpunkte in den zurückliegenden zehn Monaten in einem breit angelegten Beteiligungsprozess unter der Überschrift „Zukunftsplan Innenstadt 2040“ gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Interessenvertretern aus der Innenstadt erarbeitet wurden. Die beteiligten Fraktionen und Parteien wollen dem Konzept in der Ratssitzung am 13. Oktober 2026 gemeinsam zustimmen und sich anschließend für die konsequente Umsetzung der darin vorgesehenen Maßnahmen einsetzen.
Auch bei der Finanzierung wollen die politischen Akteure an einem Strang ziehen: Fördermittel aus der Städtebauförderung und weiteren Programmen sollen gemeinsam eingeworben werden. Gleichzeitig sollen die notwendigen städtischen Eigenanteile und selbstfinanzierten Maßnahmen im Haushalt berücksichtigt werden.
Ein zentraler Bestandteil des Konsenses ist die künftige Verkehrsführung. Gemeinsames Ziel ist die vollständige Verlegung der B 63 in nördliche Fahrtrichtung aus dem Altstadtkern. Damit sollen Stern- und Nordstraße verkehrsberuhigt und die bisherige Zerschneidung der Fußgängerzone beendet werden. Die Innenstadtmeile soll dadurch stärker als zusammenhängender Raum mit Aufenthaltsqualität erlebbar werden. Eine Durchfahrt durch die Innenstadt über Stern- und Nordstraße soll künftig nicht mehr möglich sein. Die nördliche Fahrtrichtung der B 63 soll stattdessen mit der südlichen Fahrtrichtung über Südring, Westring und Hafenstraße zusammengeführt werden.
Santa-Monica-Platz: Entwicklung mit mehreren Funktionen
Auch für den Santa-Monica-Platz gibt es eine gemeinsame Zielrichtung. Vorgesehen ist eine Entwicklung mit einem Mix aus Wohnen, Gastronomie, Parken sowie öffentlichen Aufenthalts- und Veranstaltungsflächen wie zum Beispiel einem Spielplatz. Bestandteil der Überlegungen ist außerdem eine helle und benutzerfreundliche Tiefgarage.
Bei der konkreten Ausgestaltung sollen unterschiedliche Anforderungen zusammengebracht werden: Freiraumgestaltung, Nutzungen auf dem Platz, kühle innerstädtische Orte, bauliche Realisierbarkeit, Klimaanpassung und Resilienz der Infrastruktur sowie die Finanzierbarkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit. Städtische Flächen, die für die Entwicklung des Santa-Monica-Platzes vorgesehen sind, sollen dabei im Eigentum des Konzerns Stadt Hamm bleiben.
Erreichbarkeit und Parkraum neu ordnen
Der Konsens verbindet die stärkere Aufenthaltsqualität mit dem Anspruch, die Innenstadt erreichbar zu halten. Dazu gehören der Ausbau der Radhauptrouten, das neue Radparkhaus, das bereits sanierte Westentor sowie ausreichend verfügbarer Parkraum.
Die Gesamtzahl der Parkplätze in der Innenstadt soll erhalten bleiben. Gleichzeitig soll der Parkraum neu geordnet und bisheriges Parken im öffentlichen Straßenraum im ISEK-Planungsbereich – insbesondere im Altstadtkern und auf der Gustav-Heinemann-Straße – zugunsten gebündelter Parkmöglichkeiten weitestgehend zurückgebaut werden. Auch das Parken auf dem Santa-Monica-Platz soll entsprechend neu geordnet werden. Behindertenparkplätze und notwendige Möglichkeiten zum kurzfristigen Halten bleiben erhalten.
Mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität, mehr Begegnung
Bei der Neugestaltung der Innenstadt soll die Aufenthaltsqualität eine zentrale Rolle spielen. Bestehende Bäume sollen nach Möglichkeit erhalten, Straßenräume entsiegelt und stärker begrünt werden. Gleichzeitig sollen die Plätze Raum für Begegnung und gesellschaftliches Miteinander bieten.
Der Konsens nimmt dabei ausdrücklich die gesamte Entwicklung der Innenstadt in den Blick. Der Strukturwandel im Einzelhandel hat die Innenstadt verändert. Gleichzeitig zeigen Veranstaltungen, Märkte, Gastronomie und kulturelle Angebote, dass die Innenstadt weiterhin hohe Besucherzahlen erreichen und als Treffpunkt für die Stadtgesellschaft und die Region funktionieren kann. Künftig soll deshalb ein tragfähiger Nutzungsmix aus Wohnen, Arbeiten, Gastronomie und Handel mit Kultur, Erleben und Freizeit verbunden werden.
Die endgültigen Entscheidungen über die einzelnen Maßnahmen bleiben beim Rat der Stadt Hamm. Der Innenstadt-Konsens soll bis zur Umsetzung der in der laufenden ISEK-Förderperiode begonnenen Maßnahmen gelten.
Weiteres Beteiligungsformat am 28. September
Zum Abschluss der Ausarbeitungsphase des neuen Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) lädt die Stadt Hamm alle Interessierten für den 28. September (18 Uhr) in das Gustav-Lübcke-Museum ein. Das Planungsbüro Reicher Haase Assoziierte wird die erarbeiteten Inhalte vorstellen. Außerdem haben Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, Anmerkungen zu den ersten Ideen und Entwürfen einzelner Maßnahmen zu geben. Die Anmerkungen sollen dann in der weiteren Konkretisierung einzelner Planungen berücksichtigt werden.
Zitate zum Innenstadt-Konsens:
Justus Moor MdL, SPD-Fraktionsvorsitzender:
„Wir erfinden die Innenstadt neu. Die vorliegenden Planungen sind eine historische Chance. Die neue Innenstadt wird familienfreundlich, grüner und schöner. Statt Vierzigtonner die unsere Fußgängerzone kreuzen und parkender Autos entsteht Platz für Menschen, für Gastronomie, für Kultur und Veranstaltungen. So geht Hamm von Morgen. Das dies gemeinsam mit allen Akteuren gestaltet wird, ist für uns selbstverständlich. Ob Gastronominnen und Gastronomen, Händlerinnen und Händler sowie Schaustellerinnen und Schausteller - sie prägen unsere lebendige Innenstadt. Besonders dankbar bin ich den Kolleginnen und Kollegen von der CDU und in der Ampel Plus-Koalition. Der Innenstadtkonsens ist ein solides, parteiübergreifendes Fundament. Hamm steht zusammen für die neue Innenstadt.“
Bernd Haberkamp, CDU-Fraktionsvorsitzender | Maximilian Weißenberg, Vorsitzender CDU Hamm:
„Das ISEK ist das Ergebnis eines umfassenden Beteiligungsprozesses – und allein deshalb schon ein Gewinn. Alle Interessensgruppen hatten die Möglichkeiten, ihre Ideen und Wünsche mit einzubringen. Auch die CDU Hamm hat den Prozess intensiv begleitet und mitgestaltet. Deshalb tragen wir die Ergebnisse aus tiefer Überzeugung mit – zumal das Konzept zahlreiche Maßnahmen enthält, die uns Christdemokraten in besonderer Weise wichtig sind. Das gilt insbesondere für die Bereiche Sicherheit und Ordnung. Das Ganze kann aber nur dann ein Erfolg werden, wenn die Stadt auch die notwendigen Stellen schafft, um die Plätze und Grünflächen in der City adäquat zu pflegen. Andernfalls helfen auch die schönsten Pläne nichts.
Allen Beteiligten ist klar, dass es mutige Schritte braucht, wenn wir die City neu beleben wollen: Die Verlagerung der B63 ist so ein mutiger Schritt! Damit hätte die Zerschneidung der City endlich ein Ende – und es würden völlig neue Möglichkeiten entstehen, um die Fußgängerzone nachhaltig attraktiver zu gestalten! Nun müssen wir den entschlossenen Willen und die nötige Ausdauer zeigen, dieses Vorhaben auch in die Tat umzusetzen. Dafür sagen wir Christdemoraten jede Unterstützung zu. Gleiches gilt auch für die Neugestaltung des Santa-Monica-Platzes: Mit dem Bau einer hellen und benutzerfreundlichen Tiefgarage können die nötigen Parklätze für den Einkauf erhalten werden. Der Erhalt der Parkflächen in der Innenstadt war und ist ein zentrales Anliegen der CDU. Gleichzeitig können wir über die Tiefgarage sicherstellen, dass genügend Raum für Veranstaltungsformate wie den Stunikenmarkt bleiben. Diese Beispiele zeigen, dass es dem ISEK gelungen ist, viele unterschiedliche Interessenslagen zu bündeln und zu einem guten Gesamtergebnis zusammenzuführen. Zudem erhalten die Akteure über diesen politischen Schulterschluss die größtmögliche Sicherheit und Verlässlichkeit: eine absolute Voraussetzung für Investitionen und Großprojekte. Mit unserer Unterstützung senden wir das deutliche Signal aus, dass auf die CDU Hamm jederzeit Verlass ist!“
Matthis Arndt Vorsitzender Fraktion Bündnis 90/Grüne und Volt:
„Mit dieser Planung machen wir unsere Innenstadt lebenswert. Das Ziel ist, die Menschen in die Stadt zu holen. Dafür wollen wir Orte schaffen, an denen sie sich alle wohl fühlen. Das geht mit guter Infrastruktur für Rad-, Fuß-, Bus- und Autoverkehr und öffentlichen Plätzen mit Aufenthaltsqualität und weniger Straßenlärm.“
Ingo Müller, Ratsherr FDP:
„Wir wollen eine Innenstadt, die zum Verweilen einlädt, ohne die Erreichbarkeit einzuschränken. Weniger Durchgangsverkehr, mehr Aufenthaltsqualität und weiterhin ausreichend Parkraum – für uns Liberale gehört das zusammen. Eine moderne Innenstadt muss lebendig sein und zugleich erreichbar bleiben.“