Eine spannende Reise durch knapp 100 Jahre deutsche Geschichte: Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist ein idyllisch gelegenes Grundstück am Scharmützelsee in Brandenburg. Der Eigentümer ist zugleich Patriarch des nahegelegenen Dorfes, der mangels Erben den Besitz unterteilt und an verschiedene Parteien verkauft. Die Lebensgeschichten dieser Menschen, die in den folgenden Jahrzehnten hier ihre „Sommerfrische“ verbringen, stehen stellvertretend für Hoffnung, Glück, Leid und Zerstörung im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Sie lassen uns eintauchen in die Widersprüche unterschiedlicher Sichtweisen auf prägnante geschichtliche Ereignisse, sind doch alle durch ihre Herkunft und gesellschaftlichen Zwänge geprägt. Die Zeitspanne reicht dabei vom Ende des Kaiserreiches über die Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus, die anschließende Besatzung, Gründung und Ende der DDR bis hin zur Nachwendezeit. Und wie unter einem Brennglas stehen so bedeutende Themen wie Heimat, Identität, Verlust und Erinnerung im Fokus. Ein Blick von außen auf uns selbst – so zeitlos wie aktuell.
Regisseurin und Autorin Jenny Erpenbeck stammt aus literarisch geprägten Elternhaus. 1999 erschien ihr Erstlingswerk „Geschichte vom alten Kind“, mit ihrem autobiographisch gefärbten Jahrhundertroman „Heimsuchung“ gelang ihr 2008 der internationale Durchbruch. Mittlerweile wurden ihre Bücher in über 30 Sprachen übersetzt und vielfach prämiert, 2024 erhielt sie als erste Deutsche den International Booker Prize.
Das Westfälische Landestheater Castroop-Rauxel fügt mit diesem Stück seinen Inszenierungen von Gegenwartsliteratur einen weiteren Mosaikstein hinzu.