Die Maßnahmen des Projektes "Erlebensraum Lippeaue"

Durch gezielte wasserbauliche und naturschutzfachliche Maßnahmen soll der natürliche Charakter der Lippe und ihrer Aue wiederhergestellt werden. So bieten verschiedene auentypische Lebensräume Tieren und Pflanzen zukünftig eine neue Heimat.

Die Maßnahmen dienen nicht nur der gesetzlich vorgegebenen ökologischen Verbesserung der Lippeaue. Durch die gezielte Entwicklung von Auenflächen in Freiräumen entstehen Flächen, in denen Hochwasser kontrolliert aufgenommen werden kann. So können langfristig Hochwasserspitzen abgemildert und bebaute Bereiche hochwasserfrei gehalten werden. Dies wirkt sich nicht nur unmittelbar auf die Flächen innerhalb des Projektgebietes aus, sondern insbesondere auf die Lippeabschnitte, die unterhalb, also in Richtung Westen liegen.

Zudem wird behutsam der Freizeit- und Erholungswert in der Aue gesteigert. Neue Fuß- und Radwegeverbindungen führen durch die Aue. Lehrpfade und Aussichtspunkte machen die Natur „erlebbar“.

Da das Projekt über einen Zeitraum von etwa fünf Jahren umgesetzt wird, werden hier sowohl Maßnahmen vorgestellt, die bereits fertig gestellt wurden, als auch Maßnahmen die noch in der weiteren Projektlaufzeit vorgesehen sind.

Maßnahmen im Teilabschnitt 1

Das Bild zeigt die Maßnahmen im Teilabschnitt 1 des Projektes "Erlebensraum Lippeaue"
2019 Geodaten Stadt Hamm, Vermessungs- und Katasteramt

Mit der Rückverlegung des Deiches zwischen Kläranlage Mattenbecke und Fährstraße wird die Überflutungsfläche für den Fluss vergrößert. Hier entstehen durch die gezielte Einleitung von Wasser wieder wechselfeuchte und staunasse Bereiche - so wie es eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt benötigt.

Der Auenpark soll in Anlehnung an die Wortbedeutung „Naturpark“ als ein geschützter, durch Nutzung und Bewirtschaftung geprägter Teil der Landschaft entwickelt werden. In weiten Abschnitten wird ein auentypischer Naturraum mit seiner Tier- und Pflanzenwelt entstehen, der eine angepasste Freizeit- und Erholungsnutzung erlaubt und ein Erleben möglich macht. Damit wird der Auenpark eine naturnahe Freizeitfläche.

Hier können beispielsweise ein Wegesystem und naturverträgliche Sportangebote, wie Discgolfen (Golfparcour, der mit einer Art Frisbeescheibe bespielt wird) und Bouldern (freies Klettern in Absprunghöhe, für das keine Ausrüstung notwendig ist), zur Erholung und für Freizeitaktivitäten genutzt werden.

Dabei werden innerhalb des Auenparks intensiv genutzte Bereiche, wie z.B. ein erhöht liegendes Plateau nördlich des Deiches und Bereiche mit weniger intensiver Nutzung im Überflutungsbereich der Lippe entstehen. Gleichzeitig wird die mit Grünland bestandene Fläche naturschonend, weitgehend ohne Dünger und Pflanzenschutzmittel, gepflegt und offengehalten. So können sich hier wieder artenreiche Wiesen entwickeln.

Am Lippeufer im Bereich des Auenparks wurde das einst befestigte Ufer der Lippe soweit abgetragen, dass das darunter liegende natürliche sandige Bodenmaterial offengelegt wurde. So entstand eine naturbelassene Fläche am Wasser, die zukünftig Besucher zum Erleben der Auenlandschaft und zum Verweilen einladen soll.

Viele Flächen im Projektgebiet wurden vor Projektbeginn intensiv landwirtschaftlich genutzt, das heißt oft gemäht, viel gedüngt oder als Ackerland bestellt. Die Ackerflächen sollen in Grünland umgewandelt werden. Insgesamt sollen alle Flächen ökologisch aufgewertet und weniger intensiv bewirtschaftet werden – beispielsweise durch eine Mahd oder durch die Beweidung mit Schafen oder Rindern.

Maßnahmen im Teilabschnitt 2

Das Bild zeigt die Maßnahmen des Teilabschnitts 2 des Projektes "Erlebensraum Lippeaue"
2019 Geodaten Stadt Hamm, Vermessungs- und Katasteramt

In der "Schweinemersch" sind Fluss und Aue wieder eine Einheit geworden. Durch die Wiederanbindung des ehemaligen Lippeverlaufs als Flutmulde an den Fluss und die Entfesselung des Ufers werden wieder regelmäßige Überflutungen in der Aue ermöglicht. Damit wurden auf den angrenzenden Flächen optimale Bedingungen für die Entwicklung eines Auwaldes geschaffen.

Durch die naturnahe Umgestaltung der Lippeaue im Abschnitt "Schweinemersch" wurden hier viele verschiedene wertgebende Strukturen, wie beispielsweise Wasserflächen, Sandbänke und Bereiche, in denen krautige Pflanzen und Gehölze aufwachsen, geschaffen. Auf lange Sicht werden sich hier auf natürliche Weise Hochstaudenfluren sowie Röhrichte und Auwald entwickeln. Um die Flächen dauerhaft als Lebensraum für selten gewordene Arten, wie z.B. dem Flussregenpfeifer zu sichern, werden sie nicht für Besucher begehbar sein. Durch den geplanten Aussichtspunkt soll die Landschaft aber dennoch erlebbar gemacht werden.

Die neue Info- und Aussichtsplattform soll direkt an der Münsterstraße auf dem Dach der dort bestehenden Trafostation installiert werden. Das Büro Berghaus Architekten (Hamm) wurde mit der Planung des Bauwerks beauftragt. Der Entwurf berücksichtigt dabei die zahlreichen Erdleitungen im Umfeld der Trafostation, sodass deren laufender Betrieb nicht beeinträchtigt wird. Die Konstruktion der Info- und Aussichtsplattform soll möglichst unterhaltungsarm aus Stahl bzw. perforiertem Stahl ausgeführt werden. Architektonisch greift die Gestaltung die mäandrierenden Wasserflächen in der „Schweinemersch“ auf.

Durch eine Höhe von ca.  fünf Metern und die Ausrichtung der Aussichtsplattform in Südwest-Richtung , können von hier aus die neuen Lebensräume und ihre Bewohner beobachtet werden. In Richtung Süden kann man seinen Blick zudem über Lippe und Kanal bis in die danach anschließende Innenstadt schweifen lassen. Blickt man Richtung Osten, gewinnt man gute Einblicke in den künftigen Auenpark. Zusätzlich sollen Besucher Informationen zum Projekt, beispielsweise über Infotafeln oder ähnlichem, erhalten.

Die Trafostation wird von der Energie- und Wasserversorgung Hamm GmbH (EWV Hamm) betrieben. Auch nach Installation der Info- und Aussichtsplattform kann der Betrieb weitergeführt werden. Die Arbeiten zum Aussichtspunkt sollen voraussichtlich im Sommer diesen Jahres beginnen. Anfang 2022 soll die Plattform eröffnet werden.

Entwurf der Aussichtsplattform

Maßnahmen im Teilabschnitt 3

Das Bild zeigt die Maßnahmen im Teilabschnitt 3 des Projektes "Erlebensraum Lippeaue"
2019 Geodaten Stadt Hamm, Vermessungs- und Katasteramt

Im Urbanen Garten kann auf ausgewiesenen Flächen nach Herzenslust gemeinschaftlich gegärtnert werden. Hierbei spielt nicht nur der Anbau von Gemüse zur Selbstversorgung eine Rolle, sondern auch der Austausch von Bürgerinnen und Bürgern untereinander. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl und die Hobbygärtner können mit- und voneinander lernen. An unterfahrbaren Beeten können auch Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ihre Pflanzen pflegen. Weitere Informationen zum urbanen Garten finden Sie hier.

Zeugnisse der Vergangenheit verbergen sich im Bereich „Borgstätte“ im Boden. Hier stand einst die Nienbrügger Burg, die vor mehr als 800 Jahren von Graf Arnold von Altena-Isenberg errichtet wurde. Der genaue Standort ist aber bis heute unentdeckt. Auf der Suche nach den Überresten der Burg haben sich im Rahmen des Teilprojektes „Archäologie und Schule“ rund 36 Schulklassen beteiligt.

Über die Ergebnisse der Grabung und die Stadtgeschichte von Hamm soll zukünftig ein archäologischer Infopunkt informieren. Dieser soll als Nachbau einer sogenannten „Motte“, einer mittelalterlichen Erdhügelburg, errichtet werden. Von dort aus haben die Besucher zukünftig die Möglichkeit, über die Landschaft zu blicken und gleichzeitig über Infotafeln mehr über die Stadtgeschichte von Hamm und die Ökologie der Lippeaue zu erfahren.

Weitere Informationen zur Archäologie in der Lippeaue erhalten Sie hier.

Viele Flächen im Projektgebiet wurden vor Projektbeginn intensiv landwirtschaftlich genutzt, das heißt oft gemäht, viel gedüngt oder als Ackerland bestellt. Die Ackerflächen sollen in Grünland umgewandelt werden. Insgesamt sollen alle Flächen ökologisch aufgewertet und weniger intensiv bewirtschaftet werden – beispielsweise durch eine Mahd oder durch die Beweidung mit Schafen oder Rindern.

In der Grünlandfläche südlich der Kornmersch wurden ein grundwassergespeistes Gewässer neu angelegt und vorhandene Geländemulden so vertieft, dass sie Anschluss an den Grundwasserkörper haben. So kann eine dauerhafte Wasserführung in den Geländevertiefungen gewährleistet werden. Zuvor sind die nur flachen Mulden die meiste Zeit des Jahres trocken gefallen.

Durch den Anschluss ans Grundwasser konnten nun neue und verbesserte Feuchtlebensräume geschaffen werden. Diese sollen zahlreichen Tier- und Pflanzenarten wieder eine neue Heimat geben. Insbesondere Amphibien, wie der in diesem Bereich vorkommende Kammmolch, werden von den Gewässern profitieren. Zusätzlich helfen sie bei der Vernetzung hochwertiger Feuchtlebensräume innerhalb der Lippeaue. Da Molche und andere ans Wasser gebundene Arten unterschiedliche Ansprüche an Schlaf-, Fress- und Fortpflanzungsplätzen haben, benötigen sie dringend solche vernetzten Gewässer als funktionsfähige Wanderwege durch die Kulturlandschaft.

Ausblick

Auch nach Abschluss des Projektes "Erlebensraum Lippeaue" sollen voraussichtlich weitere Maßnahmen umgesetzt werden.

Das Bild zeigt den Ausblick auf die Maßnahmen nach Abschluss des Projektes "Erlebensraum Lippeaue"
2019 Geodaten Stadt Hamm, Vermessungs- und Katasteramt

Im Bereich "Borgstätte" soll eine neue Lippe-Schlinge den Lauf des Flusses um rund 250 Meter verlängern. Dabei wird der durch Begradigungen verloren gegangene historische Verlauf wieder hergestellt.

Der Nienbrügger Berg soll als Naherholungsgebiet mit Wanderwegen, Lehrpfad und Aussichtspunkten ausgestattet werden.

Kontakt

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Fax: 02381 17-2931
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