Archäologie in der Lippeaue

Einblicke in das mittelalterliche Leben an der Lippe erwartet man von einem Naturschutzprojekt eigentlich nicht. Doch unter dem Titel „Archäologie und Schule“ hat das Projekt „Erlebensraum Lippeaue“ die beiden Themen zusammengeführt – mit Erfolg.

Die Burg Nienbrügge wurde einst von Graf Arnold von Altena-Isenberg errichtet, um eine neue Brücke über die Lippe zu schützen. Die Burg ging dann in den Besitz seines Sohnes, dem Grafen Friedrich von Isenberg über. Neben der Burg Nienbrügge existierte auch eine kleine Siedlung, die Stadt Nienbrügge. Historisch überliefert ist auch das (traurige) Ende der Burg: Nach einem Schuldspruch gegen den Grafen von Isenberg 1225 wurde sein gesamter Besitz zerstört – darunter auch die Burg und die Gebäude der nahen Siedlung. Doch sonst ist recht wenig über die Burg Nienbrügge bekannt. Sie wird im Flurbereich Borgstätte vermutet, ihr genauer Standort konnte allerdings bisher nicht ermittelt werden. Deshalb war es klar, dass – bevor Arbeiten zur naturnahen Umgestaltung der Lippeaue vorgenommen werden können – hier zunächst die Archäologen vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) tätig werden. Daraus entstand die Idee, das Ganze zu einem Teilprojekt mit Schulklassen zu machen.

Reiche Siedler?

Leider konnten keine Relikte der Burg auf der etwa 130 Quadratmeter großen Grabungsfläche freigelegt werden. Vielmehr stieß man auf eine kleine (Vor?)- Siedlung der Burg, die allerdings interessante Einblicke in das Leben an der Lippe vor etwa 800 Jahren gaben. Zum Beispiel sprechen Funde wie ein Spinnwirtel zum Verspinnen von Fasern und eine Nadel aus Knochen dafür, dass hier Handwerk betrieben wurde. Der freigelegte Grundriss einer sogenannten „Heuberge“ lässt Landwirtschaft und Viehzucht vermuten. Bleihülsen könnten zum Beschweren von Fischernetzen genutzt worden sein. Besonders interessant war aber der Fund eines Hufeisens: „Demnach müssen hier sehr wohlhabende Leute gewohnt haben, denn ein Pferd war zu damaliger Zeit absoluter Luxus“, erklärt Dr. Sebastian Senczek, der die Ausgrabungen leitete.

Archäologie zum Anfassen

Doch der Erfolg des Teilprojektes geht ohnehin weit über diese interessanten Erkenntnisse hinaus: Etwa 900 Schülerinnen und Schüler aus 36 Klassen der Hammer Grundschulen und weiterführenden Schulen haben sich an der Suche nach Überresten der 1225 zerstörten Burg Nienbrügge im Hammer Norden beteiligt. Im Vorfeld erhielten die Schulen altersgerechte und anschauliche Unterrichtsmaterialien zur Einarbeitung in die Themen Archäologie, Stadtgeschichte und Ökologie der Lippeaue. Auf der Grabungsstätte wurden den Schülerinnen und Schülern die Arbeitsmethoden der Archäologie in Form eines Lernzirkels mit verschiedenen Stationen zur Grabung und zur Dokumentation von Funden vermittelt. Wie arbeitet ein Archäologe? Welche Methoden können genutzt werden, um die Spuren der Vergangenheit ausfindig zu machen und was gibt es in der Erde zu finden? Diesen und weiteren Fragenstellungen konnten sie hier auf den Grund gehen. Sie haben so einen anschaulichen Einblick in die archäologische Arbeit gewonnen und sind gleichzeitig für die Ökologie der Lippeaue sensibilisiert worden.

Die Unterrichtsmaterialien können weiter unten im Downloadbereich heruntergeladen werden.

Stationen des Lernzirkels im Projekt "Archäologie und Schule"

Funde der archäologischen Grabung

Archäologischer Infopunkt
- eine Motte erzählt die Hammer Stadtgeschichte

Die im Rahmen des Teilprojektes „Archäologie und Schule“ gewonnenen Ausgrabungsergebnisse und weitere Informationen zur Geschichte der Stadt Hamm sollen in einem Archäologischen Infopunkt ausgestellt werden. Dieser soll in Form einer sogenannten Motte errichtet werden.

Eine Motte ist ein mittelalterlicher Burgtyp, auch Erdhügelburg genannt. Diese besteht aus einem turmartigen hölzernen Gebäude, das auf einem künstlich angelegten Erdhügel errichtet wird. In Anlehnung an diese ursprüngliche Art der Gestaltung einer Motte, soll in der Kornmersch, nordöstlich des Nienbrügger Berges, Bodenmaterial aus dem Projektgebiet bis maximal fünf Meter Höhe kegelförmig aufgeschüttet werden. Auf dem Plateau des Hügels wird dann beispielsweise mit Holzstämmen oder ähnlichem Material der Umriss einer Motte nachgebaut. Von dieser aus kann dann der Ausblick in die Landschaft genossen werden. Außerdem sollen die stadtgeschichtlichen und ökologischen Besonderheiten des Gebiets anschaulich auf Informationstafeln erläutert werden.

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