Windsor Schools
Die Argonner-Kaserne in Mark entstand im Zuge der in den 1930er-Jahren begonnenen Baus von Kasernen in Hamm. Sie wurde im Oktober 1938 fertig gestellt und Standort der zweiten Abteilung des Artillerieregiments 16.
Nach 1945 diente die Kaserne kurzzeitig als Gefangenenlager, die Briten brachten Teile der “German Civil Group” hier unter.
Im Jahr 1953 wurde aus der Argonner-Kaserne eine Schule für Kinder britischer Soldatenfamilien, mit zunächst 45 Jungen und 45 Mädchen. Im Juli 1954 wurde die Schule offiziell von General Sir Richard Gale eröffnet, mit Mr. William Brian Aspinall, M.A. als erstem Direktor. 1959 wurde sie in ein Jungeninternat mit 535 Schülern umgewandelt. Die Kaserne am Alten Uentroper Weg wurde im Februar 1960 zur Mädchenschule.
Gut zu wissen
Eine „Matron“ (Hausmutter) mit einer wechselvollen Biografie
Ilse Schidlof wurde am 13. November 1923 in Göllersdorf in Niederösterreich als Tochter des jüdischen Kaufmanns Wilhelm Schidlof und seiner Frau Paula geboren. Nach dem „Anschluss“ Österreichs mussten das elterliche Gemischtwarengeschäft und familieneigene Grundstücke unter Preis zwangsweise verkauft werden. Ende 1938 floh Ilse Schidlof zusammen mit ihrem Bruder Hans mit einem Kindertransport nach England. Dort wurden sie gemeinsam im Dovercourt Camp untergebracht. Ihre Eltern wurden am 9. April 1942 von Wien in das Ghetto Izbica deportiert und ermordet.
Ilse Schidlof arbeitete ab 1939 als Dienstbotin, als Pflegekraft in einem Hospital und später als „Matron“ (Hausmutter, zuständig für die Führung der Hauswirtschaft in ihrem Bereich) in Internaten. Sie erhielt die britische Staatsbürgerschaft. 1958 kam sie an die Windsor Boys´ School in Hamm und war dort als Matron zunächst für rund 50, später 100 Jungen im Alter zwischen 11 und 17 Jahren zuständig.
Als die Britische Armee ihre Truppenstärke nach und nach verringerte, nahm die Anzahl der Schüler in den Hammer Internaten ab. Ilse Schidlof erhielt am 30. September 1983 dann die endgültige Kündigung wegen Auflösung der Schule zum 31. März 1984. Sie blieb auch nach ihrem Ruhestand in Hamm, wo sie im Jahre 2009 mit 85 Jahren starb. (Quelle: Mechtild Brand: Keineswegs freiwillig. Ilse Schidlof und ihr Leben zwischen NS-Verfolgung und Gegenwart. Hamm 2008)
Die Entwicklung der Schulen
1972 betrug die Schülerzahl 638, einschließlich 122 Tagesschülern aus dem Raum Soest/Werl. Als Internat hatte die Schule ein großes Einzugsgebiet -von Goch an der holländischen Grenze im Westen bis Berlin im Osten. Sie war eine vollintegrierte Gesamtschule für Schüler von 11 bis 18 Jahren und für alle Leistungsgruppen, von Sonderklassen bis zur Universitätsreife. Sie war voll ausgerüstet mit Speziallabors und Werkstätten für Naturwissenschaften, Sprachen, Kunsterziehung und handwerkliche Fertigkeiten wie Töpferei, Tischlerei und Metallverarbeitung. Die Schülerzahlen gingen ab Mitte der 1970er Jahre stark zurück. 1981 wurde die Windsor Girls‘ School geschlossen, Ende Juli 1983 folgte das Ende der Windsor Boys‘ School mit zuletzt 90 Schülerinnen und Schülern.
Der Westfälische Anzeiger schrieb zur Schließung der Schule:
“Die Windsor Boys' School hat in den 30 Jahren ihres Bestehens in Hamm auf den Kopf genau — wie Schulleiter Leighton ausrechnen ließ — 10 543 Schülern das Rüstzeug fürs Leben vermittelt. Etwa 700 waren es jeweils pro Schuljahr, eine Zahl, die bereits 1981 drastisch reduziert wurde. Die 1959 am Alten Uentroper Weg eingerichtete Windsor Girls' School, die im Juli 1981 geschlossen wurde, besuchten insgesamt 6 500 Schülerinnen.” (WA 20.07.1983)
Abbruch und Nachnutzung
In den Folgejahren wurde die Kaserne in unterschiedlicher Weise genutzt, ab 1991 für die Unterbringung von Aussiedlern und ab 1998 für Asylbewerber. Auch die Realschule Mark und das Technische Hilfswerk nutzten Teile des Areals.
Mit der Errichtung eines Autohauses und dem Bau der Rettungs- und Feuerwache Ost, die auch 2010 in Betrieb genommen wurde, entstand das Gewerbequartier Hohefeld und verschwanden fast sämtliche Gebäude der Argonner Kaserne.
Nach dem Abbruch des Komplexes ist nur die 1955 eingeweihte Chapel of St. Boniface (St.-Bonifatius-Kapelle) übriggeblieben, die heute als Gewerbebau genutzt wird.
Karte zum Thema
Übersicht über die Anlagen der Windsor Boys‘ School, um 1970
Quelle: Stadtarchiv Hamm
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- Die Stele ''Windsor Schools" (PDF, 477 KB)