Johann Bernhard Stuniken und sein Haus
Johann Bernhard Stuniken (1702-1784) war Kaufmann, Erfinder und von 1737 bis 1748 städtischer Oberbrandmeister in Hamm. Beim Stadtbrand von 1734 hatte er mit einer selbstkonstruierten „Schlangenspritze“ an der Nordseite der Oststraße das Feuer aufgehalten. Stuniken bemühte sich aktiv um brandschützende Verbesserungen. Er erfand eine gefalzte Blechpfanne, welche die brennbaren Strohdocken (siehe “Gut zu wissen”), mit denen man bisher die Pfannen unterfangen hatte, überflüssig machten, einschließlich der für die serielle Herstellung notwendigen Maschine.
Zusammen mit dem preußischen Steuerrat Notzfeld ersann Stuniken ferner eine verbesserte Löschwasserzuführung: Wasser aus der Lippe sollte mithilfe eines Rades durch Röhren zum Markt in eine Fontaine geleitet und so ein zentraler „Notpütz” geschaffen werden. Bedenken wegen der enormen Kosten begegnete er mit dem Angebot, diese aus seiner Privatschatulle vorzustrecken. Die Kriegs- und Domänenkammer Kleve lehnte Stunikens Vorschlag ab.
Gut zu wissen
Strohdocken
Strohdocken (oder „Schöpfen“ aus Stroh) wurden zur Abdichtung der mit Tonziegeln gedeckten Dächer eingesetzt. Man band oder legte sie unter den Tonziegeln auf die Dachlatten. So konnten die Dächer über Böden oder Scheunen gegen Flugschnee, Regen und Wind besser gedichtet werden. Diese Docken oder Schöpfen wurden wegen ihrer Flexibilität auch in Fachwerkkonstruktionen eingesetzt und bestanden aus geknickten und abgebundenen Strohbüscheln von etwa 40 cm Länge und 4 cm Durchmesser. Trotz ihres hohen Nutzens ging von ihnen eine hohe Brandgefahr, besonders durch Funkenflug aus.
Foto: Strohdocken auf einem Dach des Wöhler-Dusche-Hofes in Isernhagen
Quelle: Wikipedia, Rendor Thuces Al'Nachkar
Ein repräsentatives Haus
1748 ließ er ein Gebäude nach dem Vorbild norddeutscher Kaufmannshäuser in der Antonistraße errichten. Das Haus wurde im Gegensatz der damals üblichen Fachwerkbauweise massiv errichtet. Die straßenseitige Fassade mit ihrem geschwungenen Giebelabschluss sowie das mit stehenden Stühlen übereinander gestellte, zweifach gestufte Dachwerk leiten sich aus holländischer bzw. norddeutscher Architektur ab. Die Mittelachse wird durch eine prächtige, zweiläufige Treppenanlage aus Sandstein hervorgehoben. In der gleichen Achse liegen der Zugang zum Kellergewölbe und der Ladekran mit Luke im Giebeldreieck.
Das Stunikenhaus hat mehrfach seine Besitzer gewechselt. Bis 1842 blieb es bei der Familie Stuniken, Es folgten noch drei weitere Eigentümer, bis es schließlich 1977 an die Stadt Hamm verkauft wurde.
Das Haus überlebte den Luftkrieg über Hamm zwischen 1943 und 1945 relativ unbeschadet. 1979 wurde es unter städtischer Leitung saniert.
Karte zum Thema
Grundriss der Stadt Hamm aus dem Jahre 1734, mit roter Einzeichnung der abgebrannten Quartiere
Zeichnung v. Nicolaus Stell, 1734 I GStA PK, GD Mark, Tit. LV, Hamm Nr. 5
Quelle: Stadtarchiv Hamm
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