Die Nordener Hütte
1874 erwarb Eduard Hobrecker das Areal gegenüber dem heutigen Karlsplatz und baute hier eine Produktionsstätte für Draht und Stifte unter dem Namen „Eisen- und Stahldrahtwerk Eduard Hobrecker GmbH.“ auf, auch „Nordener Hütte“ genannt. Für die Arbeiter entstanden Wohnungen an der Münsterstraße. Durch das Wachsen der Bevölkerung entstand 1891 die Herz-Jesu-Kirche am Karlsplatz und die Katholische Nordschule II.
Gut zu wissen
Die Hammer Industriepioniere
Johann Karl Hobrecker (* 25. April 1811 in Hamm; † 30. März 1875 in Hamm) besuchte das Gymnasium Hammonense, danach hielt er sich häufig im Ausland auf, um dort praktische Erfahrungen als "Mechanicus" zu erlangen (Schweiz und England). Im Jahr 1856 errichtete Johann Karl Hobrecker mit Hermann und Julius Witte und Wilhelm Herbers in Hamm das erste nur mit Dampfkraft arbeitende Drahtwerk Europas.
Caspar Josef Cosack (* 19. Juni 1801 in Neheim; † 18. September 1879 in Karlsbad) gründete mit seinen Partnern aus Hamm 1853 in Hamm ein Puddel-, Walz- und Drahtwerk Cosack & Co. wegen der besseren Anbindung an die Eisenbahn. Organisatorisch war dieses insofern innovativ, als es alle Produktionsschritte von der Erzeugung von Puddeleisen bis zum Endprodukt in sich vereinte. Im Jahr 1865 wurde er Alleininhaber. Im Jahr 1873 verkaufte er sein Werk in Hamm, das zum Kern der Westfälischen Union AG für Eisen- und Drahtindustrie wurde.
Foto: Portraitaufnahme von Johann Karl Hobrecker (links) und Caspar Josef Cosack
Quelle: Stadtarchiv Hamm
Gussstahl-Drähte von unübertroffener Qualität
Das Werk erhielt 1905 einen eigenen Bahnanschluss. Bis dahin wurden fertige Produkte per Pferdewagen zum Hammer Bahnhof gebracht. Von 1874 bis 1898 hatten sich die Anlagen in ihrer Größe verdoppelt. Die Produktpalette umfasste als „Specialität“: „Gussstahl-Drähte für Bergwerks- und Schiffstaue von unübertroffener Qualität“ und „Fahrrad-Speichen aus vorzüglichstem Matherial“. 1907/1908 folgte der Neubau eines Bürogebäudes und einer "Wasch- und Speisehalle" für die Arbeiter.
Der Niedergang der Nordener Hütte
1910 wurde das Werk mit der Westfälischen Drahtindustrie (WDI) vereinigt. 1914 bestand es aus der Drahtzieherei und Stiftefabrik, Härterei, Verzinkerei, Geflecht- u. Stacheldrahtfabrik, Küferei, Büro und Magazin sowie einem Vitriollager.
Mit dem Bau des neuen Kreuzungsbauwerks an Bockumer Weg und Münsterstraße im Rahmen des Bahnhofsumbaus verlor die Nordener Hütte ihren Gleisanschluss. 1921 wurde das Werk stillgelegt, Einrichtung und Belegschaft in den Hammer Westen verlegt.
Die Bahnverwaltung kaufte das Gelände und baute einige Gebäude zu Wohnhäusern um. Anstelle der bis 1923 abgebrochenen Fabrikhallen entstanden zwischen den 1930er- und 1960er-Jahren weitere Wohneinheiten.
Karte zum Thema
Ausschnitt aus dem Stadtplan von 1903 mit dem Gelände der „Nordener Hütte“
Quelle: Stadtarchiv Hamm
Download und Linktipps
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