Von der Hochschule zum Gymnasium
In Hamm existierte eine städtische Lateinschule, die seit 1298 nachweisbar ist. Lesen und Schreiben, das Beherrschen der lateinischen Sprache im Verstehen und Sprechen in enger Bindung an die Kirche waren ihre Ziele.
Durch die Zusammenlegung des Gymnasium Academicum mit der Lateinschule entstand 1781 ein Gymnasium mit neuer Konzeption, die auch von anderen Schulen der Region übernommen wurde. Neue Unterrichtsfächer wurden etabliert: Religion, Latein, Mathematik, Rhetorik, Geschichte, Griechisch, Philosophie, Zeichnen, Physik. Festgelegte Literatur der klassischen Antike löste die Bibel als Basislektüre ab.
Gut zu wissen
Die erste Hammer Hochschule
Pfingsten 1657 eröffnete in Hamm mit Genehmigung des Landesherrn Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg (des „Großen Kurfürsten“) das „Gymnasium Academicum“, das Studienmöglichkeiten in den Fächern Philosophie, Theologie und Jura anbot, allerdings ohne Promotionsrecht. Politisches Ziel der Einrichtung war Bildung im Sinn der reformierten (calvinistischen) Konfession. Die Professoren wurden aus den Erträgen zugeordneter Bauernhöfe bezahlt. Standort ab 1659 war die Funkenburg an der Weststraße. Für wissenschaftliche und literarische Veröffentlichungen der Studenten und Professoren wurde eine eigene Druckerei eingerichtet, deren Druckerpresse noch heute im Hammer Museum zu besichtigen ist.
Die Studenten stammten aus der Region Hamm und anderen Gebieten der reformierten Konfession. Durch Wechsel von Professoren und Studenten war das Gymnasium Academicum mit anderen reformierten Universitäten in Duisburg und den Niederlanden vernetzt.
Literarisch besonders produktiv war der Professor für Philosophie und Theologie Wilhelm Neuhaus, dessen in Hamm 1725 publiziertes Werk „otia pererga“ (Werke in Mußestunden) ca. 1500 Gedichte in lateinischer und deutscher Sprache umfasst. Seine Rede zum Abschied als Präses (1707) enthält auch ein besonderes Lob auf den Hammer Keut, das lokale Bier.
Schlechte Besoldung der Professoren, brutale Soldatenwerbung in der Garnisonsstadt Hamm und die Konkurrenz anderer Hochschulen führten zum Niedergang der Einrichtung. Während in den Jahren 1701-1710 noch 210 Studenten in Hamm ein Studium anfingen, waren es 1751-1760 nur noch 25. 1768 verließen die letzten drei Studenten Hamm.
Bis dahin waren hier über 1500 Lehrer, Pfarrer, Verwaltungsbeamte und Professoren ausgebildet worden.
Das Gymnasium im 19. Jahrhundert
Ein bemerkenswerter Schulleiter (1824-1852) war Friedrich Kapp sen. Sein besonderes Interesse galt naturkundlichem Unterricht. 1848 war er in Pädagogik und Politik treibende Kraft der revolutionären Ideen in Hamm. Die Schulartikel der geplanten preußischen Verfassung gehen auch auf ihn zurück.
Die industrielle Entwicklung im 19. Jahrhundert wirkte sich auf steigende Schülerzahl, die konfessionelle Zusammensetzung und die Unterrichtsfächer aus. Neue gesellschaftliche Bedürfnisse ließen neben dem Königlichen Gymnasium neue Schulformen entstehen: die Städtische Höhere Töchterschule (1875), die Oberrealschule (ab 1902).
1880 konnte das Gymnasium ein neugebautes passendes Gebäude an der Brüderstraße beziehen, das 1944 dem Weltkrieg zum Opfer fiel.
Am heutigen Standort
Seit 1956 befindet sich das Gymnasium im Neubau an der Adenauerallee. Die Aula mit dem monumentalen Fenster des bedeutenden Glaskünstlers Georg Meistermann steht unter Denkmalschutz. „Gymnasium Hammonense“ ist seit 1974 die offizielle Bezeichnung. Ausrichtung und Fächerangebot hat das Gymnasium der gesellschaftlichen Nachfrage angepasst.
Downloads
- Die Stele ''Von der Hochschule zum Gymnasium" (PDF, 617 KB)
- Die Stele ''Die erste Hammer Hochschule'' (PDF, 2.55 MB)