Hamm in der „Franzosenzeit“ 1806–1813
Die Französische Revolution, der Aufstieg Napoleons und die in der Folge geführten Kriege führten zu großen Veränderungen der politischen Geografie Europas. Davon war auch Westfalen in hohem Maße betroffen. Nach den verlorenen Schlachten von Jena und Auerstedt 1806 und dem Frieden von Tilsit 1807 verlor Preußen alle Gebiete westlich der Elbe. Hamm stand bereits seit Oktober 1806 unter französischer Besatzung. Die Stadt musste erhebliche Kontributionen leisten und 13 000 Mann der französischen Nordarmee über zwei Tage verpflegen.
Gut zu wissen
Die Auflösung des Klosters Kentrop
Im Zuge der Säkularisierungstendenzen nach 1803 inventarisierten Beamte der Kriegs- und Domänenkammer 1804 auch den Besitz des Klosters Kentrop. Zunächst unterblieb jedoch eine Säkularisation. Äbtissin, fünf Adelsfrauen, Prior Oury, zwei Laienschwestern und acht Hilfskräfte (Gesinde) sollten eine Art Rente erhalten. Einige der ehemaligen Schwestern ließen sich anschließend in Hamm nieder und lebten dort in weltlicher Kleidung, andere zogen zurück zu ihren Familien.
Das Klostergebäude diente zeitweise als Pferdestall und wurde 1823 abgerissen, die Landwirtschaftsgebäude aber gingen 1809 an den Pächter Arnold Ashölter, dann an seinen Sohn Ludwig, bis sie 1824 von Hauptmann und Domänenrentmeister Johann Vorster (1758-1852) gekauft wurden. Vorster hatte 1804 auch an der Inventarisation teilgenommen.
Abbildung: Klosterkirche und Giebel des Abteiflügels des Klosters Kentrop, 1809
Hamm und das "Großherzogtum Berg"
1808 wurde die Grafschaft Mark in das neugeschaffene “Großherzogtum Berg” eingebettet und blieb bis 1813 Teil des künstlichen Staatengebildes. Als Großherzog von Berg wurde Marschall Joachim Murat am 15. März 1806 von Napoleon zum Herzog von Berg und Kleve ernannt. Auf der Grundlage der Rheinbundakte nahm Murat im Sommer 1806 den Titel eines Großherzogs an. Das Herzogtum Berg und Kleve avancierte dadurch zu einem Großherzogtum. Hauptstadt des neuen Staates wurde Düsseldorf, Murats Residenz Schloss Benrath. Dort hielt sich der neue Großherzog allerdings nur vier Monate lang auf.
Die Verwaltung wurde zentralistisch nach französischem Vorbild umorganisiert: Das „Arrondissement“ Hamm gehörte mit den sieben „Kantonen“ Hamm, Soest, Ahlen, Beckum, Oelde, Lippstadt und Rheda zum „Ruhr-Departement“. An die Spitze des Arrondissements wurde Heinrich David Wiethaus als Unterpräfekt gesetzt, das Amt des „Maire“, des Bürgermeisters, hatte der Kriegs- und Domänenrat Johann Friedrich Christian Spener zu übernehmen.
Die Reste der preußischen Justiz- und Verwaltungsstrukturen wurde in den Folgejahren schrittweise aufgelöst. Der Präsident der preußischen Kriegs- und Domänenkammer, Ludwig Freiherr von Vincke, wurde im März 1807 seines Amtes enthoben. 1808 wurde die Kammer aufgelöst. 1810 wurde im Großherzogtum Berg der Code Civil als ziviles Gesetzbuch eingeführt, 1812 trat die französische Justizverfassung in Kraft.
Ferner trieb die französische Verwaltung die Auflösung kirchlicher Besitztümer voran. Beispielsweise wurde das Kloster Kentrop in dieser Zeit aufgelöst.
Nach dem Wiener Kongress
Viele junge Männer aus der Region wurden für die Feldzüge Napoleons eingezogen. Zudem sorgte die Kontinentalsperre, die von Napoleon Bonaparte im Jahr 1806 verhängte Wirtschaftsblockade gegen Großbritannien, zu weitreichenden Handelseinschränkungen in ganz Europa.
1813 rückten nach den erfolgreichen Schlachten der Befreiungskriege preußische Truppen in Hamm ein. Die von Napoleon nach Paris verbrachte Quadriga des Brandenburger Tores in Berlin wurde auf ihrer Rückführung von Paris in die preußische Hauptstadt am 15. Mai 1814 für eine Nacht am Marktplatz in Hamm aufgestellt.
In der neuen Provinz Westfalen wurde die Stadt Hamm im Jahre 1820 Sitz eine Appellationsgerichtes, das bis in die 1890er-Jahre das Gebäude der ehemaligen Kriegs- und Domänenkammer am Markt nutzte. Die Bezirksregierung als Nachfolgebehörde der Kriegs- und Domänenkammer wurde 1816 in Arnsberg situiert. Hamm wurde 1817 Sitz eines preußischen Landratsamtes für den Kreis Hamm.
Karte zum Thema
Charte von den Grosherzogthümern Berg und Hessen, Westfalen/Weimar 1808 (Ausschnitt)
Quelle: LWL-Museum für Kunst und Kultur [Inv. Nr. C-13780 LM]
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- Die Stele ''Hamm in der Franzosenzeit'' (PDF, 1.07 MB)