Bahnhof Rhynern-West

1897 beschloss der Landkreis Hamm den Bau der Bahnstrecke Hamm–Werl. Am 31. Januar 1901 um 10:10 Uhr verließ der erste Personenzug mit 100 Ehrengästen den Bahnhof Hamm. Am Tag darauf wurde der normale Verkehr aufgenommen. Eine Fahrt von Hamm nach Werl kostete in der dritten Klasse 85 Pfennig, in der zweiten Klasse 1,25 Mark. 

RLE-Triebwagen VT 6 im Kleinbahnhof Rhynern, um 1960
Quelle: Stadtarchiv Hamm, Sammlung Heinz Weischer
Blick auf den Kleinbahnhof Rhynern-West, 1934
Quelle: Stadtarchiv Hamm
Passagiere an eine Reisebus am Bahnhof Rhynern-West
Quelle: Stadtarchiv Hamm, Sammlung Hans-Karl Dotter
Ein RLE-Triebwagen in Rhynern-West, 1961
Quelle: Sammlung Dr. Meinold

Gut zu wissen

Der "Pengel-Anton"

Der Ausdruck "Pängel"- oder "Pengel-Anton" hat sich in Norddeutschland als Synonym für die dampflokbetriebende Kleinbahn entwickelt. Die Bahnübergänge dieser Kleinbahnen waren in der Regel unbeschrankt. Dem Lokpersonal wurde durch die "LP"-Tafel (Läuten und Pfeifen) angezeigt, das zur Warnung für den Straßenverkehr die Pfeife und das Läutewerk der Lokomotive zu benutzen war. Das Geräusch des letzteren prägte diesen Begriff. Bei innerörtlich verlaufenden Durch- und Rangierfahrten wurde das Läutewerk zum Teil dauernd betätigt. 

Foto: Ein Zug aus Werl bei der Einfahrt in Hamm (Westf.) RLE, 1950er-Jahre, Quelle: Sammlung Meinold

Die Entwicklung des Verkehrs

In Rhynern wurde ein Bahnhofsgebäude unter dem Namen „Rhynern-West“ mit Fahrkartenausgabe, Wartesaal und Bahnhofsgaststätte errichtet. Direkt gegenüber befand sich seit 1891 die örtliche Molkerei, deren Produkte nun auch mit der Bahn transportiert werden konnten. Zunächst erfolgte die Zugförderung mit Dampflokomotiven. Der von Hamm nach Werl verkehrende Dampfzug wurde im Volksmund „Pengel-Anton“ genannt. 1937 wurde ein Dieseltriebwagen in Dienst gestellt, dem die Fahrgäste die Spitznamen „Schienenzepp“ oder „Hoppdiwipp“ verliehen. Er wurde in den 1950er-Jahren durch neue Fahrzeuge ersetzt. 

Karte zum Thema

Lageplan mit Kleinbahnhof, Molkerei und angrenzender Bebauung, 1935 
Quelle: Stadtarchiv Hamm

Anhand dieser Karte kann man die Ausmaße des ehemaligen Kleinbahnhofes gut erkennen. Die eingezeichneten Gleisanlagen weisen Rhynern-West nicht nur als Haltepunkt, sondern als Bahnhof aus, mit mindestens einer Weiche, wo Züge beginnen, enden, halten, kreuzen, überholen oder wenden dürfen.


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Vom Schienenbus zum Autobus

Die Ruhr-Lippe-Eisenbahn erhielt im Juni 1958 für die Strecke Werl–Rhynern vom Verkehrsministerium des Landes eine neue Fünfjahreslizenz. Dennoch wurde beschlossen, das Schienengelände an das Straßenbauamt zu verkaufen und mit den dafür erhaltenen Mitteln Omnibusse anzuschaffen. Die neue Buslinie sollte die Ruhr-Lippe-Eisenbahn gemeinsam mit den Hammer Stadtwerken betreiben.

Am 19. Oktober 1959 wurde Rhynern West zum Endbahnhof und am 4. März 1962 wurde der Schienenverkehr endgültig eingestellt. Um 16:18 Uhr verließ der letzte Triebwagen den Bahnhof zur Abschiedsfahrt nach Hamm. Damit war die 60-jährige Kleinbahn-Ära beendet.

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