Vom „Galgenknapp“ zum Karlsplatz
Das Gebiet um den Karlsplatz gehörte seit dem Mittelalter als Nordenfeldmark zur Stadt Hamm. Die Feldmarken dienten dem Getreideanbau und der Viehwirtschaft, um die Versorgung der Stadt sicherzustellen. Darüber hinaus befand sich hier eine Hinrichtungsstätte auf einem künstlich errichteten Hügel, der sogenannte „Galgenknapp“.
Angelegt außerhalb der Stadtmauern, sollte sie die Bevölkerung abschrecken und gleichzeitig die negative „Aura“ einer Hinrichtung von der Stadt fernhalten. Solche Orte befanden sich oft an gut sichtbaren Stellen, Wegkreuzungen oder Hügeln, um ihre abschreckende Wirkung zu verstärken. Am 12. Januar 1828 und am 22. Januar 1829 fanden auf dem Galgenknapp die letzten beiden öffentlichen Hinrichtungen in Hamm statt.
Gut zu wissen
In der vorindustriellen Zeit
Die Benennung von Karlsplatz, Karlstraße und Karlswinkel gehen auf den Siebenjährigen Krieg zurück. Im Jahre 1762 ließ Herzog Ferdinand von Braunschweig als Befehlshaber des Preußischen Heeres auf diesem Areal ein Festungswerk anlegen. Die „Karlsschanze“ war nach seinem älteren Bruder, Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel, dem regierenden Herzog von Braunschweig, benannt.
Vor 1850 gab es in der Nordenfeldmark jenseits der heutigen Münsterstraße nur vereinzelte Höfe und Hausstellen sowie das Nordenhospital oder auch Nordenstift.
Foto: Karl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel um 1760
Ein Platz im Wandel
In der Industrialisierung, vor allem durch Eisenbahn und Drahtindustrie, nahm in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Bevölkerung der bisher dünn besiedelten Nordenfeldmark stark zu. Die Einwohner erhielten 1890 eine eigene katholische Kirche, die auf dem Grund der ehemaligen Hinrichtungsstätte erbaut wurde. Bis dahin hatten die Gläubigen den Weg bis nach Heessen zur Stephanuskirche in Kauf nehmen müssen.
1923 wurde neben der Kirche ein Kriegerdenkmal errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde es, wie die Herz-Jesu-Kirche, stark beschädigt bzw. zerstört. Die Kirche war bis 1949 wieder errichtet. Das Kriegerdenkmal wurde nicht wieder aufgebaut, an seiner Stelle entstand ein schlichter Kubus.
Der Karlsplatz wurde immer wieder überplant und mehrfach um- und neugestaltet, vor allem in den 1960er-Jahren und zuletzt 2021/23 mit dem Bau eines Wasserspiels und Umbau des Spielplatzes.
Karte zum Thema
Die Hinrichtungsstätten im Norden von Hamm,
Ausschnitt aus dem „Abris über der Stadt Hamm Jagdtgerechtigkeit im Stifft Münster“, 1723
Quelle: LAV NRW, Abt. Westfalen, W 051 / Karten A, Nr. 3781
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