Lesen mit Lehmer: Gartenwelten
Man braucht nicht viele Meter an Gartenratgebern, es reichen 5 Bücher, wunderschön bebildert: eines für die richtige Bepflanzung der schattigen Ecken, eines zur genussfreudigen Ausgestaltung der Beete mit Kräutern, Obst und Gemüse, eines für das mediterrane Flair und eines, damit der Garten auch im Winter noch eine Augenweide ist. Und dann natürlich noch ein weiteres, damit man im Garten sitzend Geschichten über Gärten und Gärtner lesen kann.
Ehrenrettung des Schattens
Faszination schattige Gärten von KEITH WILEY (Delius Klasing Verlag, Edition Delius 2008, Euro 29.90) verwandelt schattige Ecken in geheimnisvolle, verborgene Orte. Im Schutz des Schattens können sich Schönheiten entfalten, die dem Sonnenlicht nicht standhalten würden. Jeder Garten hat faszinierende Schattenbereiche, die im Schatten eines Gebäudes, eines großen Baumes, einer zu hoch geratenen Hecke oder eines Waldrandes liegen. Wileys Schattengartenbuch lädt ein, die intensiven Färbungen der Schattenreiche kennen zu lernen. Entgegen aller sonnensüchtigen Trends zeigt er, wie der spielerische und geschickte Umgang mit allen Nuancen des Schattens eine unerwartete Fülle schönster Kompositionen aus Schattengehölzen, Stauden und Zwiebelpflanzen ermöglicht.
Schwelgen in Kräutern und Co
In Kräuter & Co – Der Genussgarten von HEIDE JANICEK (Gräfe und Unzer, GU Reihe Gartenlust 2009, Euro 14.90) findet man viele gute Ideen für genussfreudige Beete rund ums Haus: Auf der Terrasse lädt ein üppig blühender Pflanzentopf mit Tomaten, Basilikum, Bohne, Minze, Kapuzinerkresse, Ringelblume und Erdbeere zum Naschen ein. Im Gartenweg der Sinne verströmen Kräuter ihren Duft. Helle Blüten und frischegrüne Blätter bringen Licht in dunklere Ecken. Geometrische Buchsbaumeinfassungen geben dem traditionellen Kräutergarten Struktur. Auf der Trockenmauer gedeihen Kräuter und im Bauerngarten-Beet gibt es Farben und Formen im Überfluss.
Jedes Beet-Konzept wird konkret mit Pflanzenplan, Einkaufsliste, praktischen Hinweisen und Tipps zur weiteren Pflege beschrieben. Detaillierte Bildfolgen zeigen ein schrittweises Vorgehen, das auch Anfängern gelingt.
Mediterranes Flair
Mediterrane Gärten haben viele Gesichter und sind auch in unseren Breitengraden zu verwirklichen. Wie das geht, verdeutlicht das sehr schön gestaltete Gartenbuch Mediterrane Gärten gestalten von OLIVER KIPP (Gräfe und Unzer, GU Reihe Gartenlust 2009, Euro 29.90). Ob klassisch, modern oder der jeweiligen Gärtnerleidenschaft entsprechend, der Traum vom Süden wird an ausführlichen Konzepten erläutert. Dabei spielen auch Sitzplätze, Mauern, Wege, Wasserplätze und ausgefallene Dekorationen wie schöne Pflanzgefäße eine große Rolle. Im Kapitel Boten des Südens werden bekannte und exotische Pflanzen, die auch für weniger sonnenverwöhnte Klimazonen geeignet sind, vorgestellt.
Augenweide im Winter
Der winterliche Garten von JANE STERNDALE-BENNETT (Delius Klasing Verlag, Edition Delius 2008, Euro 22.90) zeigt, dass auch zwischen Weihnachten und Ostern einen lebendiger Garten möglich ist, der nicht in die herrschende graue Tristesse zu versinken braucht. „Statt vor klirrender Kälte starrend, grünt und blüht es in diesem Buch auf jeder Seite“. 600 Pflanzen eines winterlichen Gartens werden beschrieben und abgelichtet, blühende Pflanzen wie Zaubernuss, Schnee-Kirsche und Winter-Jasmin sowie Pflanzen mit grünem und buntem Winterlaub. Es wird ausführlich auf unterschiedliche Standorte und Wuchsbedingungen eingegangen und es gibt ein eigenes Kapitel über die Wirkung von Duft, Rindentextur, Wind und Lichteinfall in der kalten Jahreszeit.
Von Menschen und Gärten
Der Akazienkavalier von ULLA LACHAUER (Rowohlt Verlag 2008, Euro 19.90) erzählt wahre Geschichten über Gärten und Gärtner. Die Gärtner aus unterschiedlichen Ländern und unterschiedlichen Lebenswegen, verbindet ihre Leidenschaft zur Natur. Jeder betrachtet einen Garten anders und Ulla Lachhauer macht viele schöne, nachdenkliche Geschichten daraus: wie die von den vier Schwestern aus Westfalen, die sich auch im hohen Alter noch unter dem elterlichen Birnbaum treffen und über ihr Leben sprechen, oder von dem 1946 aus seiner Heimat in Ungarn vertriebenen Sohn eines Landwirts, dem es nur mit Hilfe eines kleinen Gartens gelang, im fremden Schwaben zu überleben. Von einer blinden Gärtnerin, die nur im Garten des Großvaters den nötigen Platz und Freiraum fand, und wie der Dichter Wulf Kirsten, den in Weimar wiedererweckten Garten von Heider entdeckte, um nur einige zu nennen.
Copyright: Gisela Lehmer-Kerkloh

