02.09.2021

Gedenkstätte "Alte Synagoge"

Die innerstädtische Fläche zwischen Martin-Luther-Straße, Königstraße, Südstraße und Sternstraße war in den Nachkriegsjahren zunächst eine Brachfläche, die anschließend als Parkplatz mit einer öffentlichen Toilettenanlage genutzt wurde. Mitte der 1960er-Jahre gab es eine erste Initiative aus der Hammer Bürgerschaft, eine Tafel zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde an der Stelle der zerstörten Synagoge zu errichten.

Am 9. November 1986 stellten die Naturfreunde Hamm-Mitte im Rahmen einer Veranstaltung zum Gedenken an die Reichspogromnacht eine hölzerne Gedenktafel auf. Dank des großen und unermüdlichen Engagements verschiedener Gruppen und Einzelpersonen in Hamm, zu denen auch der 1984 gegründete Arbeitskreis der Woche der Brüderlichkeit gehörte, beschloss der Rat der Stadt Hamm in seiner Sitzung am 15. März 1989 auf dem Santa-Monica-Platz einen Findling mit einer Bronzetafel zur Erinnerung an die Synagoge und an den Holocaust an den Juden aus Hamm aufzustellen. Dieses Mahnmal wurde am 25. Mai 1989 im Rahmen des zweiten Besuches von 59 ehemaligen Hammer Juden am Standort der Synagoge feierlich übergeben.

Nach langer Diskussion und dem Wunsch folgend, auf dem Grundstück der früheren Synagogengemeinde einen würdigen Raum des Gedenkens zu errichten, führte die Stadt Hamm Ende 2001 einen künst­lerischen Realisierungswettbewerb im Rahmen der Baumaßnahme zur Neugestaltung des Santa-Monica-Platzes durch. Der mit dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurf des Künstlers Wilfried Hagebölling aus Paderborn wurde umgesetzt und am 3. Dezember 2003 feierlich übergeben.

Der künstlerische Entwurf markiert Gebäudegrundrisse auf unterschied­lichem Niveau durch Pflasterung, Stufen und Plateaus im Gelände und sichert so die Spuren der Vergangenheit. Mit den dichten Laubkronen der neu gepflanzten Platanen überdacht, steht das Geviert mit dem Bodenrelief für einen städtebaulich eigenständigen „würdigen Raum des Gedenkens“ an die jüdische Gemeinde und an ihr kulturelles Zentrum mit Schule und Synagoge, „der sich durch sein Anders- und Beson­derssein widerständig im Stadtbild absetzt.“ Mit den drei gleichen im Hain niedergelegten Stahl Winkelstücken definiert Hagebölling „einen neuen skulpturalen Grundriss“, in dem er die „räumlichen Energien zu einem Kontinuum von Raum, Zeit und Stille“ bündelt und einen „meditativen Raum“ schafft.

„Die Gedenkstätte will an die Zerstörung der jüdischen Gemeinde und die Vernichtung jüdischen Lebens erinnern, indem sie noch vorhandene Zeugnisse eines gemeinsamen Zusammenlebens in der Vergangenheit birgt und in Augenschein bringt und gleichzeitig Raum schafft für ein neues Miteinander.“ (Wilfried Hagebölling, 2001) Die Bronzetafel des früheren Mahnmals wurde im Zugang zur Gedenkstätte im Boden eingelassen. Sie trägt den Text: „An dieser Stelle stand 1868-1938 als Zentrum der jüdischen Gemeinde die Synagoge. Sie wurde auf Weisung der nationalsozialistischen Machthaber nach dem Novemberpogrom 1938 auf Kosten der Hammer Synagogengemeinde abgebrochen.“