19.10.2017

Otto-Krafft-Platz

am Bärenbrunnen erhielt um 1922 zum Andenken an die Verdienste des Stadtbaurats seinen Namen. Otto Krafft, geboren 1879 in Wetzlar, nahm 1906 als Stadtbauinspektor seinen Dienst bei der Stadt Hamm auf.  Bereits zum 1. Januar 1907 wurde er zum Stadtbaurat ernannt. 1916 verstarb er nach langer Krankheit in Zürich. In seiner zehnjährigen Amtszeit schuf er mit den Ringanlagen und den neuen Verkehrswegen eine bequeme Verbindung zwischen der Altstadt und den angrenzenden Stadtteilen. Oberbürgermeister Richard Matthaei und Otto Krafft leiteten mit der Ahse-Verlegung, dem Kanalbau, der Anlage des Hammer Hafens eine Phase moderner Stadtentwicklung ein. In Erinnerung an seine großen Verdienste wurde am 11. September 1938 der durch den Bildhauer Franz Breitholz geschaffene Gedenkstein aus Ruhrsandstein eingeweiht.  

Gemäß dem Wettbewerbsentwurf der ersten Preisträger von 1912 besaß der streng geometrisch gestaltete Platz in der Achse zum Bärenbrunnen einen großen Schmuckteich mit Seerosen. Die geplante Randbebauung mit Amtsgericht und Landratsamt konnte nicht mehr umgesetzt werden. Das neue Amtsgerichtsgebäude wurde stattdessen 1928 zusammen mit der neuen Justizvollzugsanstalt an der Ecke Bismarckstraße/Borbergstraße errichtet. Der Neubau eines Landratsamtes erübrigte sich. Der östliche Rand des Platzes blieb unbebaut. Dadurch ist ein uneingeschränkter Blick auf das heutige Oberlandesgericht möglich. Südlich des Otto-Krafft-Platzes war eine Villenbebauung vorgesehen. 1924 entstand die „Villa Kropp“ als erster Bau. 1929 errichtete die Bergmannssiedlung GmbH Hamm-Hövel ihr Verwaltungsgebäude. Die beiden Gebäude Otto-Krafft-Platz 21 und 22 stehen seit 2006 unter Denkmalschutz. Der Seerosenteich, der auch als Feuerlöschteich diente, wurde nach der Entfernung eines Blindgängers 1950 zugeschüttet. Der Platz erhielt noch zusätzlich diagonale Wege. Die anfangs angepflanzten Kastanien haben heute eine beeindruckende Größe erlangt und dienen mittlerweile als Schattenspender für die neuen Bänke.

Ringanlagen

Am 14. Juni 1914 wurde der Ostring, eine gärtnerisch gestaltete Freifläche im Bereich der ehemaligen Stadtbefestigung von Hamm, feierlich eröffnet. Vorausgegangen war die Verlegung von Lippe und Ahse im Zusammenhang mit dem Bau des heutigen Datteln-Hamm-Kanals 1910 bis 1914. Oberbürgermeister Richard Matthaei unterstützte die Initiative des Stadtbaurats Otto Krafft, anstelle der Flussläufe und Stadtgräben die Ringanlagen zu schaffen. Zur Gestaltung des Grüngürtels wurde 1912 ein Wettbewerb durchgeführt.

Den ersten Preis des Wettbewerbs zur Gestaltung der Ringanlagen bekam im April 1912 der Entwurf "Bürgersinn schmücke die Stadt mit des Ringwalls grünendem Kranze" des Regierungsbaumeisters a.D. Dr. Ing. Jakob Dondorff aus Hamm, des Architekten Hermann Neuhaus und der Gartenarchitekten Reinhardt und Rausch aus Köln. Dieser Entwurf nutzt die bestehenden geographischen Verhältnisse mit dem Ziel, die Ringpromenade in das Städtebild einzufügen. Architektonische Strenge und gärtnerische Gestaltung der Flächen wechseln sich ab, um so eine Vielfalt zu erzeugen. Die veranschlagten Ausgaben für die Verlegung der Ahse und die Anlage der Ringpromenade beliefen sich auf 1 900 000 Mark (heute 8.930.000 €uro).

Prägende Elemente der Anlage sind neben dem Musikpavillon und dem Bärenbrunnen das Tiefparterre mit den begleitenden Alleen und den dazwischen liegenden profilierten Rasenflächen. war als Teilstück und Abgrenzung des geplanten Rathausplatzes gedacht. Der Gesamtentwurf wurde zum Teil umgesetzt. Anstelle der "kleinen Ahse", der Terrasse vor dem geplanten Museumsneubau und der Roseninsel am Nordentor, wurden eine vorgelagerte Terrasse und dahinter ein Rosengarten angelegt. Die im Entwurf vorgesehenen, an den Otto-Krafft-Platz angrenzenden öffentlichen Gebäude wurden später an anderer Stelle errichtet. Die Ringanlagen erhielten aus Anlass des Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelm II. den Namen Kaiser-Wilhelm-Ring. Um 1922 wurden die einzelnen Abschnitte in Ost-, Nord-, West- und Südring umbenannt.