07.12.2017

Nassauer Hof

Der Nassauer Hof war ursprünglich der innerstädtische Adelssitz der Familie von Nassau Im 18. Jahrhundert gehörte der Stadthof der Familie von Westhoven. Über Erbschaft ging er an die Familie von Sudhausen, die teilweise auch auf Gut Heithof bei Mark wohnten. Von 1757 bis 1763 war hier der Sitz einer Landesdeputationskommission. Carl von Sudhausen, Kriegsrat bei der Märk. Kriegs- und Domänenkammer in Hamm, überließ den Hof 1792 bis 1794 den Brüdern des französischen Königs Louis XVI. als Exilunterkunft. Louis Comte de Provence etablierte hier nach der Verabschiedung der „Hammer Erklärung“ am 28. Januar 1793 die französische Exilregierung. Er lebte hier bis Ende 1793, sein Bruder Charles Comte d’Artois bis August 1794.

Das Katholische Krankenhaus von der Nassauer Straße aus gesehen, um 1900

Das Katholische Krankenhaus von der Nassauer Straße aus gesehen, um 1900. Quelle: Stadtarchiv Hamm  

Über Heirat kam der Nassauer Hof in den Besitz von Gisbert Adolph Freiherr von Bodelschwingh. Seine Kinder verkauften ihn mit den dazugehörigen Nebengebäuden 1850 an die katholische Kirchengemeinde in Hamm. 1852 zog hier das nach der  verheerenden Choleraepidemie errichtete Krankenhaus ein.

Der Nassauer Hof

Der Begriff „Nassauer Hof“ ging nach dem Abbruch auf dieses repräsentative Gebäude an der Nassauer Straße über, das wiederum um 1930 abgebrochen wurde. Quelle: Stadtarchiv Hamm


Die Gebäude wurden nach mehreren Erweiterungen 1898, 1903/04 und 1912 für einen Neubau abgerissen. Der Begriff „Nassauer Hof“ ging auf das daneben stehende repräsentative Gebäude über, das um 1930 einem neuerlichen Erweiterungsbau weichen musste.  

Lageplan des Katholischen Krankenhauses mit dem geplanten Erweiterungsbau von 1903, in der Mitte der ehemalige Nassauer Hof

Lageplan des Katholischen Krankenhauses mit dem geplanten Erweiterungsbau von 1903, in der Mitte der ehemalige Nassauer Hof. Quelle: Stadt Hamm, Vermessungs- und Katasteramt

Bis 1990 waren im Krankenhaus, das seit 1926 Marienhospital heißt, Nonnen aus der Kongregation der Vinzentinerinnen als Krankenschwestern und Pflegedienstleiterinnen tätig. Auf dem Gelände des Krankenhauses wurden nach und nach auch eine Nähschule und ein Waisenhaus für Kinder eingerichtet.