16.04.2015

Die Kirche St. Pankratius in der Mark

Die Mark wurde geprägt durch die Burg und das Dorf Mark. Die Burg war Sitz der Grafen von der Mark, die von hieraus die gesamte Grafschaft Mark verwalteten. Einer der Burgherren, Graf Adolf I. von der Mark, war für die Stadt Hamm von besonderer Bedeutung. Nach der Ermordung des Erzbischofs von Köln, Engelbert I. von Berg, auf Veranlassung von Friedrich von Isenberg, wurde dieser hingerichtet und dessen nördlich der Lippe gelegene Burg Nienbrügge und die angrenzende Siedlung geschleift. Graf Adolf I. gründete daraufhin 1226 für die vertriebenen Bewohner die Stadt „tom Hamme“. Als ham oder hamme bezeichnete man eine Landzunge, in diesem Fall am Zusammenfluss von Lippe und Ahse.

Die Pankratiuskirche wurde lange vor der Stadtgründung von Hamm wohl Anfang des 11. Jahrhunderts im Bereich des ehemaligen Oberhofes Mark gegründet und war vermutlich auch Hofkapelle der Burg Mark. Sie stand bis 1254 unter dem Patronat der Grafen von der Mark und war bis 1337 zugleich Pfarrkirche für Hamm.

Haus Mark und Dorf Mark, Ausschnitt aus der Urkatasterkarte, 1828

Haus Mark und Dorf Mark, Ausschnitt aus der Urkatasterkarte, 1828
Quelle: Stadt Hamm, Vermessungs- und Katasteramt

Langhaus und Turm stammen noch von einer romanischen Anlage des frühen 12. Jahrhunderts. Im 14. Jahrhundert wurden Querhaus und Chor errichtet, um dem besonderen Rang als Eigenkirche des auf der benachbarten Burg Mark residierenden Landesherrn gerecht zu werden.

Der Turm mit seinen mehr als einen Meter dicken Mauern diente den Anwohnern auch als Fluchtburg. Das Glockengeschoss musste 1251 aus strategischen Gründen weichen. Der Graf von der Mark fürchtete im Konflikt mit dem Bischof von Münster, von dort oben in seiner nahe gelegenen Burg beobachtet und beschossen zu werden. 1735/36 wurde das oberste Turmgeschoss dann aus Ziegeln neu errichtet und mit einem Quaderputz versehen. Dieser wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch eine Schieferverkleidung ersetzt. Der Turmhelm wird seit der Aufstockung von einer Wetterfahne in Form eines Posaune spielenden vergoldeten Engels bekrönt.

Als Baumaterial der Kirche diente der in der Region für den Bau von Kirchen und repräsentativen Gebäuden häufig verwendete Grünsandstein, der insbesondere im Raum Soest/Anröchte, aber auch noch bei Rüthen und Werl abgebaut wurde.

Das Kirchenschiff war ursprünglich mit einer Holzbalkendecke flach gedeckt. Diese wurde 1868 durch eine in den Dachraum hineinragende Holzdecke in Form eines Sargdeckels ersetzt, die 1975 einer hölzernen Tonne weichen musste. 1868 wurde auch die Empore an der Westseite eingezogen und eine große Öffnung als Verbindung zum Querhaus angelegt.

Ihre kunstgeschichtliche Bedeutung erhält die einst schlichte Dorfkirche durch die mittelalterliche Ausmalung der Wand- und Gewölbeflächen des Chorraumes, welche  1908/09 bei Arbeiten entdeckt wurde. Sie zeigt das Jüngste Gericht mit Jesus als Weltenrichter im mittleren Gewölbefeld. Links daneben ist die Gruppe der Seligen dargestellt, welche von einem Engel zum Himmel geleitet wird, während im rechten Gewölbefeld die Verdammten von einem mit Schwert bewaffneten Engel in die Hölle geführt werden.

In vier Kreisen finden sich - als Wesen der Apokalypse dargestellt - die vier Evangelisten, daneben auf der Nordseite im Purpurmantel Maria, ihr gegenüber Johannes der Täufer. Nicht so recht einzuordnen ist in diesem Zusammenhang der Heilige Martin, Bischof von Tours. Es gibt Vermutungen, dass es sich um einen älteren Patron der Kirche handeln könnte.

Auf beiden Seiten des Chores sind die Apostel jeweils in Dreiergruppen zu sehen. Den Chorschluss schmücken verschiedene Heilige: Magdalena, Georg, Laurentius, Pankratius, Barbara und Clara. Unter dem mittleren Chorfenster  ist noch die Darstellung eines Jünglings zu entdecken, der einem Bettler eine Gabe zukommen lassen will, während der Teufel ihn davon abhalten will.

Die Fresken in der Pankratiuskirche haben die Kriegsjahre trotz eines Treffers in der Vierung gut überstanden. Auch Übermalung sowie Freilegung und verschiedene, nicht immer fachgerechte Restaurierungen konnten dieser besonderen Ausschmückung der Kirche nichts anhaben.

Durch den Einbau einer Sakramentsnische in die nördliche Chorwand im 15. Jahrhundert ist jedoch ein Teil der Ausmalung zerstört worden. Die Nische wird von einem gotischen Maßwerk eingefasst, dessen Tympanon (Bogenfeld) von einem Christuskopf beherrscht wird.

Eindrucksvoll sind die Glasmalereien der Fenster vom Anfang des letzten Jahrhunderts.

Im Langhaus der Kirche wurde Karl Friedrich von Wolffersdorf beigesetzt, preußischer Generalleutnant und seit 1763 Kommandant des in Hamm stationierten Regiments. Er ließ die letzten Reste der Burg Mark abtragen, um sie für den Kasernenbau zu verwenden. Als Dank für seine Verdienste erhielt er von Friedrich dem Großen die Domäne Ostholz geschenkt.

Eine Besonderheit der Kirche findet sich an einem Vierungsquader. In ungelenker Schrift ist dort die Jahreszahl 1342 (MCCCLII) eingearbeitet. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um eine Höhenmarke der damaligen Margaretenflut handelt, die weite Teile Europas überschwemmte.

Obwohl sehr weit außerhalb der damaligen Stadt gelegen, war die Kirche in der Mark bis 1337 Mutterkirche der Stadt Hamm. Dieser Aufgabe diente danach die dem heiligen Laurentius und Georg geweihte heutige Pauluskirche auf dem Marktplatz, die im gleichen Jahr zur selbstständigen Pfarrei erhoben worden war.

Trotz der Abpfarrung folgten große Baumaßnahmen an der Pankratiuskirche. Das Langhaus wurde nach Osten um ein Querhaus mit drei fast quadratischen Jochen und ein Chor mit einem annähernd gleich großem Joch und einem Drei-Sechstel-Schluss erweitert. Querhaus und Chor werden von hohen Gewölben bedeckt, die bereits in rd. drei Meter Höhe ansetzten.

Eindrucksvoll für die kleine Kirche ist auch der gotische Altar mit der dreiteiligen Retabel. Diese stammt wohl aus dem ehem. Kloster Kentrop und fand nach dessen Säkularisierung 1808 hier einen neuen Platz. Es handelt sich um eine recht derbe Arbeit im Stile niederländischer Schnitzaltäre. Allerdings sind die Seitenflügel nicht mehr vorhanden. In der Mitte dominiert die Kreuzigungsszene den Altar, während links die Geißelung und rechts die Grablegung Christi zu sehen sind.

Die Figur des Auferstandenen sowie Fialen und Rankenwerk wurden wohl erst um 1900 ergänzt.