Friedhofswesen

Neue Urnengräber auf dem Südenfriedhof

Erstmalig stehen auf dem Südenfriedhof bereits fertig bepflanzte Urnengräber zur Verfügung. Sie werden ganzjährig und für die Dauer der Nutzungszeit vom Friedhofsgärtner gepflegt.

Wo früher Reihengräber an schnurgeraden Wegen lagen, schlängelt sich heute ein Weg durch eine Rasenfläche. Wie zufällig verteilen sich auf ihr kreisrunde Blumenbeete mit einer Sandsteinstele in der Mitte. "Was hat es mit dieser neuen Anlage auf sich?" So wurde Markus Klüppel, Landschaftsarchitekt der Stadt Hamm und für das Kommunale Friedhofswesen verantwortlich, schon während der Bauzeit oft gefragt. Erstmalig stehen auf dem Südenfriedhof bereits fertig bepflanzte Urnengräber zur Verfügung. Sie werden ganzjährig und für die Dauer der Nutzungszeit vom Friedhofsgärtner gepflegt. Die Urnen ruhen in einem Pflanzbeet. 16 Grabstellen befinden sich in einem Rund, in dessen Mitte eine Stele aus Ibbenbürener Sandstein aufragt. Auf Wunsch der Angehörigen kann dort der Name des Verstorbenen und das Geburts- und Sterbejahr angebracht werden. Sitzbänke, Blumenrabatten, Hecken und Blütenkirschen sollen in dem parkähnlich gestalteten Abschnitt des Friedhofs eine Atmosphäre der Besinnung, zum Zwiegespräch mit den Verstorbenen oder zur Erholung schaffen. 48 Grabstellen für Urnen hat Klüppel im ersten Bauabschnitt geplant und realisiert. Bei Bedarf ist die Anlage erweiterbar.

Die komplette gärtnerische Pflege wird bereits mit dem Kauf des Grabes erworben. Die Angehörigen sind von der Pflegepflicht dauerhaft befreit. Das bedeutet aber auch, dass eine Veränderung der Bepflanzung oder das zusätzliche Aufstellen von Pflanzschalen, Vasen oder Gestecken nicht möglich ist. Das Grab ist aber immer ansprechend gestaltet und sauber. Das ist besonders für betagte Angehörige eine Erleichterung. Ebenso für Hinterbliebene, die weit außerhalb von Hamm wohnen und nur noch sehr selten zu Besuch kommen. Selbstverständlich kann man schon zu Lebzeiten Vorsorge treffen und das Nutzungsrecht an solch einer Grabstelle erwerben. Die Grabstätten können als Einzel- oder Doppelgräber, aber auch als mehrstellige Familiengrabstätten erworben werden. Die Gebühr für eine 20-jährige Laufzeit beträgt 1.500 Euro je Grabstelle.

"Die Entscheidung über die letzte Ruhestätte ist wichtig, weil die Menschen einen Ort zum Trauern und Erinnern brauchen", erläutert Klüppel. Jahrhundertelang waren die Bestattungsriten und die Friedhofskultur einem engen Regelwerk und strengen Friedhofssatzungen unterworfen. Doch die Individualisierung der Gesellschaft macht auch vor dem Tod nicht Halt. Nie waren Friedhöfe so vielseitig und änderten sich Bestattungsformen so schnell wie heute. Grund hierfür ist nach Klüppel auch der Siegeszug der modernen Feuerbestattung. Die Anfänge reichen zurück bis in das 19. Jahrhundert (1878 Eröffnung des ersten Krematoriums in Deutschland). Gut 100 Jahre waren nötig, um aus einer Bestattungsform für wenige eine ortsübliche und in allen gesellschaftlichen Schichten etablierte Bestattungsform zu machen. Obwohl die katholische Kirche bereits im Juli 1963 die Einäscherung ihrer Gläubigen gestattete, dauerte es noch viele Jahrzehnte bis sie sich zu einer gängigen und mehrheitlich nachgefragten Form manifestierte.
Die traditionelle Sargbestattung ist mittlerweile die Ausnahme – für Urnen ist das Grabstättenangebot aufgrund der Größe und der bereits vollzogenen Umwandlung des Leichnams in Asche wesentlich vielfältiger als für Särge. Auf dem Südenfriedhof existieren neben dem neuen Angebot auch die stark nachgefragten Baumgräber und Urnenstelen. Aber auch wer eine traditionelle Sarg-Grabstätte wünscht, kann diese auf dem Südenfriedhof selbstverständlich erhalten.

Weitergehende Informationen gibt es telefonisch bei der Friedhofsverwaltung unter 02381 17-47 36.

Markus Klüppel auf dem Südfriedhof

Markus Klüppel, Landschaftsarchitekt der Stadt Hamm, ist für das kommunale Friedhofswesen verantwortlich.

© Thorsten Hübner