26.07.2017

Kann eine Haushaltshilfe (aus Osteuropa) die Betreuung meiner Mutter übernehmen?

Vielfach lassen sich Angehörige, die nicht wissen, wie sie Pflege und Berufstätigkeit "unter einen Hut" bekommen sollen, von Haushaltshilfe aus Mittel- oder Osteuropa unterstützen, um die Herausforderung "Pflege" zu meistern. Insbesondere Familien, die Bedarf an einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung haben, wissen mitunter keinen anderen Weg. Die Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung decken die erforderlichen Kosten nur zu einem geringen Teil ab und die eigenen Finanzmittel reichen oft für Betreuung und Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst nicht aus. Eine Haushaltshilfe aus Osteuropa legal zu beschäftigen, ist aber auch kein kostengünstiges Modell. Auch für Pflege- und Haushaltshilfen aus Osteuropa gelten die deutschen Arbeitsschutzgesetze. Es müssen daher entsprechende Löhne gezahlt werden und eine echte Rund-um-die-Uhr-Betreuung ist durch eine Arbeitskraft allein nicht möglich.

 Angebote von Agenturen genau überprüfen……

Wie können wir für unsere Mutter eine Hilfe aus Osteuropa legal beschäftigen?

Bei dem einen Modell werden Sie oder Ihre Mutter Arbeitgeberin mit allen Rechten und Pflichten.

  • Eine angemessene Unterkunft im Arbeitgeberhaushalt oder in der näheren Umgebung muss bereitgestellt werden.

  • Die Arbeitsschutzgesetze aus Deutschland müssen eingehalten werden. Das bedeutet
    z. B.:. max. 48 Stunden Arbeitszeit pro Woche, tägliche Ruhezeit von mind. 11 Stunden, wenigstens 24 Tage Urlaub im Jahr.

Der Lohn ist zwischen Arbeitsgeber und Arbeitnehmer frei verhandelbar, darf aber nicht sittenwidrig sein. Anhaltspunkte zur Höhe geben die Tarifverträge (Auskunft gibt die Arbeitsagentur). Hinzu kommen Arbeitgeberanteile für die Sozialversicherung. Kost und Logis dürfen vom Lohn abgezogen werden. Gibt es dafür keine Abzüge müssen diese Beträge bei der Berechnung von Sozialabgaben und Steuern als geldwerter Vorteil berücksichtigt werden.

Seit 2014 können Hilfen aus allen EU-Ländern direkt in Deutschland arbeiten. Die Beschäftigung darf sich allerdings nur auf die Übernahme hauswirtschaftlicher Tätigkeiten und notwendiger pflegerischer Alltagshilfe wie beim Anziehen oder beim Toilettengang erstrecken.

Medizinische Fachpflege gehört nicht zu dem oben aufgeführten Aufgabenbereich!

Werden diese Voraussetzungen erfüllt, können Sie als zukünftige Arbeitgeberin bei der Agentur für Arbeit ein Stellenangebot einreichen. Es dürfen auch Haushaltshilfen, die Sie bereits kennen, benannt werden, um ein illegales Beschäftigungsverhältnis in eine legale Beschäftigung unzuwandeln.

Unbedingt vorher informieren.....

Weitergehende Informationen hat die Bundesagentur für Arbeit auf ihrer Internetseite www.arbeitsagentur.de unter der Rubrik Bürgerinnen & Bürger (Stichwort "Haushaltshilfen") zusammengestellt; hier können Sie unter anderem das Merkblatt "Vermittlung von Haushaltshilfen in Haushalten mit Pflegebedürftigen nach Deutschland" herunterladen.

Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit bietet Interessenten an einer Haushaltshilfe aus den osteuropäischen EU-Ländern eine telefonische Erstberatung an unter: Telefon (02 28) 7 13 14 14.

Und was ist mit den Vermittlungsagenturen im Internet?

Andere Möglichkeit: Dienstleister aus dem Ausland schickt Mitarbeiter/in......

Über das Internet vermitteln Agenturen Kontakte zu ausländischen Dienstleistern. Diese entsenden ihre Mitarbeiter nach Deutschland. In diesem Fall sind Sie nur Auftraggeberin, jedoch keine Arbeitgeberin. Sie sind allerdings verpflichtet, sich um die Rechtmäßigkeit des Vertragsverhältnisses zu kümmern. Für Sie gilt hierbei der Grundsatz: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Bei Verträgen mit ausländischen Firmen ist es deshalb zum Beispiel wichtig, dass es einen Nachweis über die Zahlung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen im Herkunftsland gibt.

Skepsis ist angebracht, wenn angeblich selbstständige Personen vermittelt werden. Zwar haben Selbstständige aus EU-Ländern grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Dienste EU-weit anzubieten. Bei den Haushalts- und Betreuungsdiensten handelt es sich aber häufig um eine Schein-Selbstständigkeit. Für eine legale Beschäftigung darf die Hilfe nicht im gleichen Haushalt leben und muss bei mehreren Kunden tätig sein. Die Strafen für Schwarzarbeit sind hoch (Geldbuße, Nachzahlung der Sozialversicherungsbeiträge, gegebenenfalls Verfahren wegen Steuerhinterziehung).

Nehmen Sie zur rechtlichen Absicherung Kontakt auf zur Agentur für Arbeit, zur Krankenkasse als der zuständigen Stelle für Sozialversicherungsbeiträge oder zum Steuerberater. Kontaktieren Sie Beratungsstellen wie z. B. die Pflegeberatung der Stadt Hamm, um abzuklären, was Sie tatsächlich brauchen und welche Angebote es gibt. Lassen Sie sich außerdem die Kosten berechnen, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Umfassende Informationen und eine tabellarische Übersicht über die unterschiedlichen Beschäftigungsmodelle finden Sie im Internet bei der Verbraucherzentrale NRW:

www.vz-nrw.de/pflegehilfen