Glück Auf! - Sozialer Wandel durch Bergbau

Mit dem Abteufen der Zeche Sachsen 1912 und dem Bau der Bergarbeitersiedlungen westlich der Bahnlinie entstand auch ein dringender Bedarf an Schulplätzen. Die Arbeiterkinder mussten zunächst den weiten Weg zu den Schulen im Heessener Dorf zurücklegen, da der Gemeinde Heessen das Geld für einen Schulneubau fehlte. Als Heinrich Meyer seine Gast- und Schankwirtschaftam Bockelweg 1920 aufgab, übernahm die Gemeinde das Gebäude. Nach Umbauarbeiten wurde darin die evangelische vierklassige Volksschule für rund 180 Kinder im Erdgeschoss und Lehrerwohnungen im Obergeschoss errichtet. Auch die katholischen Koloniekinder gingen hier zur Schule. Bis 1937 wurde das Gebäude als Schule genutzt. Danach erfolgte der Umzug in den im gleichen Jahr fertiggestellten Neubau am Bockelweg 83, der heutigen Martin-Luther-Schule.

Quelle: Gustav-Lübcke-Museum
Blick von Westen auf die „Bockelwegschule“, 1920er-Jahre
Quelle: Stadtarchiv Hamm
Zeichnung zum Neubau einer Gast- und Schenkwirtschaft für Herrn Heinrich Meyer in Heeßen, 1914
Quelle: Stadt Hamm, Vermessungs- und Katasteramt
Tägliche Turnübungen aufgenommen vom ersten evangelischen Lehrer Ernst Schaberg, 1920er-Jahre
Quelle: Stadtarchiv Hamm
„Alte Kolonie“, Ausschnitt aus dem Kriegsschädenplan der Stadt Hamm (Westf.), Blatt 1, April 1944 (Auflage Stadtplan Januar 1936)
Quelle: Stadtarchiv Hamm
Bücherei der Gemeinde Heessen
Quelle: Stadtarchiv Hamm
Luftbild mit ehemaliger Zechenverwaltung und Kraftwerk (links) und „Alter Kolonie“ zwischen Am Hämmschen und Bockelweg (rechts), 1970er-Jahre
Quelle: Stadtarchiv Hamm
Außenansicht des Hauses Bockelweg 13 vor der Sanierung, 2009
Quelle: Untere Denkmalbehörde
Luftbild mit dem Haus Bockelweg 13, 2018
© Hans Blossey

Gut zu wissen

Die Zeche Sachsen

Die Zeche Sachsen war ein Steinkohlebergwerk in Heessen. Sie wurde von 1912 bis 1976 betrieben und gehörte zusammen mit den Zechen Radbod, Heinrich-Robert und Maximilian zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region um die Stadt Hamm im 20. Jahrhundert. Der damals für die Anlagen gewählte Name Sachsen nimmt auf die Ursprungsregion der Gewerkschaft Bezug, die in Eisleben (jetzt Sachsen-Anhalt) ihren Sitz hatte.

Das Bild zeigt Zechenpersonal mit dem "1. Kübel Kohle vom Flöz Nr. 1 Zeche Sachsen 1/4. 1913"

Wechselnde Nutzung

In die freigewordenen Räume zog nach Umbauarbeiten die Gemeindebücherei ein, die bis in die 1960er-Jahre hier bestand. Danach fand hier nebendem Gesundheitsamt und der Mütterberatung auch das Deutsche Rote Kreuz ein neues Domizil. Als Heessen 1975 ein Stadtbezirk von Hamm wurde, etablierte sich bis 1982 die Bezirksbücherei. Später nutzten mehrere Vereine über 20 Jahre die Räume. Nach einigen Jahren des Leerstandeswurde das Gebäude verkauft und zu einer Tagespflegeeinrichtung für die Älteren aus der Kolonie umgebaut und im September 2016 eingeweiht.

Das Gebäude Bockelweg 13

Zwei Jahre nach dem Abteufen der Zeche Sachsen errichtete 1914 der Bauunternehmer August Eckervogt für Heinrich Meyer eine Gast- und Schankwirtschaft mit Fremdenzimmern, Café und einer Wohnung für den Eigentümer in der Kolonie.

Das zweigeschossige Hauptgebäude auf L-förmigem Grundriss unter Mansarddach gibt sich in seinem Äußeren als giebelständiges Haus mit einem traufständigen Anbau auf der Ostseite parallel zur Straße. Ein Erker auf der Südseite, ein Eckerker auf der südöstlichen Ecke des Obergeschosses, ein Vorbau über beide Geschosse auf der Ostseite sowie Giebel und Gauben im Dachgeschoss führen zu belebten Umrissen des Hauses.

Von der Schule zur Tagespflege

Die Gastronomie wurde 1920 aufgegeben und die Gemeinde Heessen richtete darin nach einem Umbau eine evangelische Volksschule für die Kinder der Bergarbeitersiedlung ein. Dabei blieb die Grundstruktur des Hauses weitgehend erhalten. Das Gebäude wurde bis 1937 als Schule genutzt. Auch die öffentlichen Nutzungen nach 1945 im Erdgeschoss zogen nur wenige Umbaumaßnahmen nach sich. Die Wohnungen im Ober- und Dachgeschoss wurden kaum verändert.

Im April 2014 wurde das Gebäude in die Denkmalliste der Stadt Hamm eingetragen. Ungefähr zeitgleich erfolgte die Veräußerung an einen privaten Investor. Der neue Eigentümer hat das Gebäude unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes erneut umgebaut. Im Erdgeschoss wurde eine Tagespflegeeinrichtung, im Ober- und Dachgeschoss altengerechte Wohnungen geschaffen. Viele Details wie bauzeitliche Fenster und Türen sowie die beiden Treppenhäuser wurden erhalten und ebenso wie die Fassaden instand gesetzt.

Standort