10.03.2015

Chattanooga/USA

Der amerikanische Bürgerkrieg 1861 - 1865 hat in der Geschichte der Stadt Chattanooga eine große Rolle gespielt. An die traurigen Ereignisse erinnern nicht nur verschiedene als Denkmäler erhaltene Schlachtfelder und historische Kanonen auf dem Lookout Mountain. Kriegserinnerungen neueren Datums wurden durch die Städtepartnerschaft geweckt, die Hamm 1977 mit der Stadt am Tennessee geschlossen hat. Bei einem der Familienbesuche, die der Internationale Club Hamm in Zusammenarbeit mit der Sister City Association Chattanooga organisiert, trafen sich 1987 zufällig der ehemalige Bomberpilot der US Air Force, Bill Riley, und der frühere Flakoffizier der deutschen Wehrmacht, Johannes Pampel. Beide erinnerten sich sehr genau an einen bestimmten Angriff auf die Stadt Hamm, bei dem der eine Bomben warf und der andere die Flugzeuge beschoss. Glücklicherweise kamen beide mit dem Leben davon und schlossen mehr als 40 Jahre später Freundschaft.
Dieser Kontakt ist nur einer von vielen, die die Partnerschaft mit Leben erfüllen. Einen besonderen Platz nimmt dabei der Schüleraustausch in den Sommerferien ein, den die Partnerclubs seit Jahrzehnten organisieren.

Pate stand bei der Freundschaft zwischen Chattanooga, das einen deutschen Partner suchte, und Hamm indirekt die Firma DuPont, die in beiden Städten eine Niederlassung hat. Hamm war gerade Großstadt geworden, als sich auf Vermittlung des Chemiekonzerns 1975 eine kleine Delegation aus Chattanooga einfand. Zwei Jahre später wurden die Urkunden unterzeichnet.

Hamm möchte eine "Stadt am Wasser" werden, ein Ziel, das Chattanooga längst voraus hat. Im Vergleich zur Lippe hat der Tennessee mit seinen vielen Windungen und dem Chickamauga-Stausee ganz andere Dimensionen. Vom Schwimmen über Angeln bis zum Wildwasserfahren wird Wassersport großgeschrieben. Und wer einen Ausflug mit einem der Raddampfer unternimmt, ahnt etwas von der Südstaatenromantik, die noch nicht ganz "Vom Winde verweht" ist. Ein spektakulärer touristischer Anziehungspunkt ist das größte Süßwasseraquarium der Welt, in dem seit 1992 Tausende von Lebewesen aus Flüssen in aller Welt ebenso präsentiert werden wie die Bewohner des Tennessee von der Quelle bis zur Mündung.

Den Siegeszug in alle Erdteile traten von Chattanooga aus nicht nur die dort erstmals 1899 abgefüllten Coca-Cola-Flaschen an, sondern auch der unnachahmliche Sound des von Glen Miller komponierten "Chattanooga Choo Choo". Es gibt ihn noch, den Choo Choo, allerdings nur als Hotel oder im Eisenbahnmuseum, das im früheren Bahnhof eingerichtet wurde. Von der vorzüglichen Gastronomie der Stadt am Tennessee konnten sich neben vielen anderen prominenten Besuchern auch Winston Churchill und Al Capone im Hotel "Radisson Read House" überzeugen.

Chattanooga hat zwar mit rund 160 000 Einwohnern ein paar weniger als Hamm, ist dafür aber seit 1886 Universitätsstadt und verfügt über eine Vielzahl von Museen, ein eigenes Sinfonieorchester und Ballett und ein Theater, das bereits 1921 gebaut wurde. Außerdem ist Chattanooga Sitz der Kreisverwaltung von Hamilton County mit 310 000 Einwohnern.

Der Bürgermeister (Mayor) ist hauptberuflich Chef der Verwaltung. Er ernennt die Dezernenten. Der Mayor (Exekutive) wird von den Bürgern der Stadt gewählt, die in neun Bezirke aufgeteilt ist. Jeder Bezirk wählt außerdem unabhängig von Parteien ein Ratsmitglied. Die Wahlen finden im Turnus von vier Jahren statt. Die neun Ratsmitglieder sind nicht ehrenamtlich tätig, sondern bekommen ein Gehalt und verfügen über ein Büro im Rathaus, dennoch können sie auch weiterhin ihren Beruf ausüben. Der Rat (Council = Legislative) muss bei den meisten der Vorhaben der Verwaltung seine mehrheitlich Zustimmung geben. Außerdem gibt es zwei städtische Richter als Judikative, die ebenfalls von der Bevölkerung gewählt werden.

Das Schulsystem ist sehr vielseitig und zum Teil religiös ausgerichtet. Französisch und Spanisch sind die Hauptfremdsprachen, aber es kann an vielen Schulen auch Deutsch gewählt werden. Bekannt in Hamm ist vor allem die McCallie-School, die hier mit Chor, Orchester und Handglockenspielern bereits aufgetreten ist.

Auf medizinischem Sektor ist das Erlanger Medical Center von überregionaler Bedeutung. außerdem gibt es zwölf weitere allgemeine oder spezialisierte Krankenhäuser.

Der Name dieser Hammer Partnerstadt gibt manchem Rätsel auf. Er stammt von den ursprünglich dort lebenden Indianern und bedeutet in freier Übersetzung "Aussichtpunkt", also Look-out Mountain, wie der hoch über der Stadt gelegene bekannteste Park heißt. Hier kann man unter anderem mit der "Incline", einer attraktiven Zahnradbahn mit grandiosen Ausblicken, den Eingang zu einer Tropfsteinhöhle erreichen, in der die Ruby-Wasserfälle unterirdisch spektakulär in die Tiefe stürzen.