Das Goldene Buch der Stadt Hamm

Unterschriebene Stadtgeschichte

Goldener Ledereinband, Wappen, Goldschnitt, verstärkte, schwere Buchdeckel: Das 4,85 Kilo schwere „Goldene Buch der Stadt Hamm“ ist ein zeitgeschichtliches Schwergewicht. In 55 Jahren haben sich zahlreiche Berühmtheiten „verewigt“ – nicht nur mit ihrer Unterschrift.

Gleich auf den ersten der mittlerweile über 300 beschriebenen Seiten des Goldenen Buches präsentieren sich einige der wichtigsten Politiker der deutschen Nachkriegsgeschichte: Der erste Bundespräsident Theodor Heuss, Kanzler Konrad Adenauer, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Arnold oder Ludwig Erhard, der Vater des Wirtschaftswunders. Die ersten Sportler im Goldenen Buch sind die Wasserballer vom SC Rote Erde Hamm. Diese Ehre wurde ihnen aus Anlass ihrer fünften deutschen Meisterschaft 1960 zuteil. Es sollten noch sechs weitere folgen, aber kein Eintrag mehr ins Goldene Buch der Stadt.

Die zukünftigen Kanzler
Jeder Schriftzug eine Persönlichkeit, jede schwungvolle Linie eine Reise in vergangene Zeiten: Auch der zweite Bundeskanzler hat sein Autogramm in das Buch gesetzt: Kurt-Georg Kiesinger trug sich 1969 ein. Hinzu kamen noch drei weitere Bundeskanzler – allerdings als sie dieses Amt noch nicht inne hatten. Willi Brandt unterschrieb 1961 noch als regierender Bürgermeister von Berlin, Helmut Kohl elf Jahre später als Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz und Angela Merkel sogar gleich zwei Mal – 1993 als Ministerin für Frauen und Jugend und 2001 als CDU-Parteivorsitzende. Nicht vertreten sind von den deutschen Bundeskanzlern lediglich Hellmut Schmidt und Gerhard Schröder.

Die „Exoten“
Neben den Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens, den Hammer Oberbürgermeistern und weiteren politischen Persönlichkeiten aus Deutschland finden sich auch viele exotische Einträge von Vertretern aus fernen Ländern. 1972 setzte zum Beispiel der Kulturattache der Republik Südkorea Choi seine Schriftzeichen in das Goldene Buch. Vier Jahre später trug sich G. Mukwakani, der stellvertretende Generalsekretär der „Union Nationale des Travailleurs du Zaire“ mit einer langen Widmung in französischer Sprache ein. Ohne viele Worte, aber mit künstlerischem Talent verewigte sich die Clownlegende Oleg Popow. Als der große russische Staatscircus vom 20. bis 23. April 2006 in Hamm gastierte, setzte er die bisher einzige Zeichnung in das Goldene Buch.

Ergreifende Erinnerungen
Aber auch berührende Worte sind auf den hunderten Seiten Stadtgeschichte zu lesen. Aus Anlass der 50. Wiederkehr der „Reichskristallnacht“ waren vom 26. Oktober bis 2. November 1988 auf Einladung der Stadt Hamm zum Beispiel ehemalige jüdische Mitbürger in ihrer alten Heimatstadt. Eine Teilnehmerin schrieb: „Mit großer Erregung und Dankbarkeit grüße ich das Heimatland und meine Vaterstadt. Ich werde es nie vergessen.“

Der „kleine Bruder“ des Goldenen Buches
Eine ganz besondere Geschichte versteckt sich auch hinter dem Namenseintrag „Udo Semper“ von 1990. Als der Bürgermeister Oranienburgs zur Vorbereitung der Städtepartnerschaft Hamm besuchte, war er vom Goldenen Buch begeistert – und wünschte sich dass sich auch die Oranienburger Stadtgeschichte künftig in einem Goldenen Buch der Stadt widerspiegelt. Oberbürgermeisterin Sabine Zech und die damaligen Aufbauhelfer der Hammer Verwaltung schenkten deshalb zur Besiegelung der Städtepartnerschaft Oranienburg ein neues Goldenes Buch, das seitdem im Oranienburger Rathaus im Einsatz ist. Auf der ersten Seite steht seit dem 2. November 1990 der Wunsch der Hammer Aufbauhelfer, dass sich „über den Aufbau der kommunalen Verwaltung die Lebensqualität der Menschen verbessern möge“. Seitdem sind über 20 Jahre vergangen und in Oranienburg haben sich viele Seiten gefüllt: Der „kleine Bruder“ des Hammer Goldenen Buches – er ist erwachsen geworden. 

Goldenes Buch der Stadt Hamm

© Thorsten Hübner