10.04.2019

OBesichtigt-Tour in der Digitalen Woche

Smarter Stall, Apps für den Acker

Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der OBesichtigt-Tour erlebten auf Hof Köster, wie digitale Technologien in der Putenzucht und im Ackerbau eingesetzt werden. Die Fragen der Hofgäste drehten sich auch um Lebensmittelsicherheit und Tierschutz.

„Die Digitalisierung ist in verschiedensten Lebensbereichen zunehmend von großer Bedeutung. Auch in Bereichen, in denen man es ohne Vorkenntnisse nicht unbedingt erwartet, beispielsweise in der Landwirtschaft. Wir sind heute hier, um einen Einblick zu bekommen“, erklärte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermannn bei der Begrüßung auf Hof Köster. Von der Möglichkeit, sich zu informieren, sollten die rund 60 Gäste dann auch regen Gebrauch machen, so dass die für zwei Stunden angesetzte Tour auch erst nach drei Stunden endete.

Steuerung per Smartphone
Erste allgemeine Informationen zur Landwirtschaft in Hamm hatten die Teilnehmer von Hans-Heinrich Wortmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe, bereits während der Busfahrt zum Hof erhalten. Landwirt Michael Köster erklärte dann in seiner Scheune anhand einer Powerpoint-Präsentation detailliert, wie die Ställe seines Putenmastbetriebes mit 18.000 Puten computerüberwacht und gesteuert werden: „Im Prinzip ist es so ähnlich wie beim Smart Home – eben ein smarter Stall“. Die natürliche Belüftung lässt sich über Klappen mit seinem Smartphone steuern. Wieviel Futter die Tiere gefressen haben, wie viel sie getrunken haben, wie schwer sie sind (Sollgewicht nach Alter und tatsächliches Gewicht) oder welche Temperatur es im Stall hat: Alle Parameter kann Michael Wortmann mit seinem Handy und Internetempfang einsehen und regulieren. Köster, der den Betrieb von seinen Eltern übernommen hat und mit seiner Frau führt, bekommt die Puten als lediglich einen Tag alte Küken. 21 Wochen werden die männlichen Küken aufgezogen, bis zu einem Gewicht von 20 Kilogramm.

Hohe Standards
„An sich muss jede Tätigkeit im Rahmen der Aufzucht lückenlos dokumentiert werden. Und es wird auch kontrolliert, ob man dieser Dokumentationspflicht nachkommt“, erklärte Köster. Im Prinzip sei das auch richtig, da zum Beispiel bei einer Tierseuche Ursache und Ort umgehend ermittelt und eingedämmt werden können. Die Lebensmittelsicherheit und der Verbraucherschutz seien ebenso wie der Tierschutz die über allem stehenden Ziele. „Aber manche Dokumentationspflichten und Vorgaben werden erlassen, ohne zu beachten, ob sie im Betrieb sinnvoll durchführbar sind“, kritisierte Köster auch.

Ab in den Stall
Neben der Putenaufzucht erklärte Michael Köster auch, wie digitale Technologien in der Bewirtschaftung von Ackerland zum Einsatz kommen: „Das Fahrzeug erkennt durch GPS und smarte Steuerung auf fünf Zentimeter exakt, wo es sich auf dem Feld befindet. Zum Beispiel schließen sich die Düsen automatisch, so dass ein doppeltes Düngen unmöglich ist“, erklärt Köster. Nach dem Powerpoint-Vortrag ging es mit der gesamten Gruppe in einen der Ställe mit 5.000 Puten. Um eine Einschleppung von möglichen Keimen in den Stall zu verhindern, mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer alle einen blauen Schutzanzug tragen. Im Stall und bei der anschließenden Abschlussrunde nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit für viele weitere Fragen. Sie drehten sich nicht nur um das Thema Digitalisierung, sondern zum Beispiel auch um Haltungsbedingungen, Herkunftsnachweise von Fleisch, Vorgaben und den Preisdruck der Vermarkter sowie die Rolle der Konsumenten. „Ich wünsche mir, dass auch bei verarbeitetem Fleisch die Herkunft ausgezeichnet werden muss“, sagte Köster. Dann könne der Verbraucher auch in der Kantine entscheiden, ob er die Pute will, bei deren Aufzucht Lebensmittelsicherheit und Tierschutz erwiesenermaßen beachtet würden – oder günstigeres Essen, bei dem dies zweifelhaft sei.