24.10.2018

Bildungs- und Teilhabepaket

Hamm deutschlandweit auf Platz eins

Der Bund stellt Geld für benachteiligte Kinder und Jugendliche zur Verfügung und die Kommunen rufen es ab. Was in der Theorie einfach klingt, ist praktisch oft schwierig: Denn die Mittel aus dem sperrig klingenden „Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene" werden vielfach nicht abgerufen. Hamm ist nicht zuletzt dank der YouCard eine positive Ausnahme – und deutschlandweit auf Platz eins.

Seit der Einführung des Bildungs- und Teilhabegesetzes (BuT) im Jahre 2011 können Eltern, die nicht genügend Geld haben, einen Zuschuss beantragen, damit ihre Kinder an kostenpflichtigen Klassenfahrten, in Sportvereinen oder in der Musikschule teilnehmen können. Anspruchsberechtigt sind Kinder, deren Familien ALG II, Sozialhilfe, Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, sowie Asylbewerber. Von den 3.470 Leistungsberechtigten in Hamm rufen 3.169 Personen das Fördergeld ab, was einer Quote von 91,3 Prozent entspricht – und damit deutschlandweit der höchste Wert der Mittelabrufung ist. Einzig die niedersächsische Kleinstadt Verden liegt gleichauf mit Hamm auf Platz eins. Zum Vergleich: Gelsenkirchen (14,9 %), Unna (12 %), Duisburg (8,8 %) oder Hagen (5,5 %) liegen laut einer aktuellen Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands im einstelligen oder nur knapp zweistelligen Bereich. Einzig Münster liegt mit 80,4 Prozent in Hammer Reichweite und NRW-weit auf Platz zwei. Für Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann ist die Quote eine Bestätigung der YouCard: „Wir haben uns damals ganz bewusst dazu entschieden, bürokratische Hürden so niedrig wie möglich zu halten und unkompliziert dafür zu sorgen, dass das Geld bei den Kindern und Jugendlichen ankommt.“

Den Eindruck bestätigt die Studie des Paritätischen, die die Umsetzung des Gesetzes als „gescheitert“ ansieht, weil die einzelnen Anträge eine bürokratische Hürde darstellen würden. Dieses Risiko hatte man vor sieben Jahren auch in Hamm schnell erkannt – und gehandelt: Im April 2012 hat die Stadt Hamm stufenweise die YouCard eingeführt – als erste Kommune in Nordrhein-Westfalen. Seitdem werden in Hamm beispielweise die Mittagsverpflegung, Schulmaterial oder Ausflüge und Klassenfahrten in Schulen oder Kitas über die YouCard abgerechnet. Das System umfasst aber nicht nur den Bildungsbereich, sondern auch Tanz- und Musikunterricht oder die Mitgliedschaft in Sportvereinen. „Die YouCard ist in Hamm eine Erfolgsgeschichte, weil sie bürokratische Hürden abbaut und dafür sorgt, dass das Geld schnell bei benachteiligten Kindern und Jugendlichen ankommt“, betont Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann. 2011 rief die Stadt Hamm knapp eine Million Euro BuT-Mittel vom Bund ab, 2017 waren es rund 3,3 Millionen Euro. In diesem Jahr werden voraussichtlich noch mehr Fördergelder abgerufen, denn bis Juli waren es schon rund zwei Millionen Euro. Der Großteil der finanziellen Unterstützung entfiel auf die Mittagsverpflegung (709.000 Euro), Ausflüge und Klassenfahrten (513.000 Euro) und Lernförderung (436.000 Euro). Rund 167.000 Euro wurden in diesem Jahr bislang für soziale und kulturelle Teilhabe ausgegeben – beispielsweise für Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen oder in Musik- und Tanzschulen.

Die YouCard ähnelt einer Scheckkarte, die von der Stadt zusammen mit der Bewilligung von Bildungspaketleistungen an Kinder und Jugendliche ausgegeben wird. Einzelanträge müssen nicht gestellt werden, in der Regel reicht eine gesammelte Antragstellung. Wenn die YouCard einem der insgesamt 405 registrierten Leistungsanbieter (Schulen, Kitas, (Sport-)Vereine, Tanz- und Musikschulen…) vorgelegt wird, kann dieser über eine individuelle Kartennummer „virtuell“ mit der Stadt Hamm abrechnen. Ein Missbrauch der Gelder ist dabei nicht möglich, weil sich auf der Karte selbst kein Geld befindet und Angebote direkt mit Anbietern abgerechnet werden. Technische Geräte sind hierfür nicht nötig, ein einfacher Internetzugang reicht.