16.09.2018

OBesichtigt-Tour: Vom Baptisterium bis zum Ostenfriedhof

Die Taufe und der ewige Bund

Die Taufe und der Tod – im christlichen Glauben ist beides untrennbar miteinander verbunden. Nirgendwo wurde das bei der OBesichtigt-Tour am Samstagabend so deutlich, wie am neuen Taufbecken der St.-Agnes-Kirche: Es wird für die feierliche Aufnahme in die Gemeinschaft Jesu Christi ebenso genutzt wie für den Abschied von Verstorbenen.

„Die heutige OBesichtigt-Tour ist insofern etwas außergewöhnlich, als dass unserer Weg an einem Taufbecken beginnt und auf einem Friedhof endet: Im Laufe dieses Abends werden wir erklären, warum das kein Zufall ist“, hatte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann in seiner Begrüßung betont. Anschließend führte Pfarrer Bernd Mönkebüscher die Gruppe zu dem Taufbecken in der St.-Agnes-Kirche, bei dem es sich um das erste und bislang einzige „Baptisterium“ im Erzbistum Paderborn handelt: „Unsere Kirche lebt auch von starken Zeichen: Die Ganzkörpertaufe in diesem Becken ist so ein Zeichen.“

Taufe schließt ewigen Bund mit Gott

Weiter betonte Pfarrer Mönkebüscher, dass das „Wasser“ in der der Bibel zentrale Bedeutung habe. „Auch in unserem Leben kann Wasser unterschiedliche Bedeutung haben: Das Wasser steht für Leben, es kann aber auch eine Bedrohung sein.“ Durch die Taufe gehe Gott einen ewigen Bund mit dem Menschen ein, der über den Tod hinausreiche. Im Baptisterium tauche der Täufling mit dem ganzen Körper ins Wasser ein. Dadurch werde dieses Sakrament zu einem besonders intensiven Erlebnis: Für den Täufling selbst, aber auch für den Geistlichen und die ganze Gemeinde. Weiter erklärte Pfarrer Mönkebüscher den rund 50 Teilnehmern der OBesichtigt-Tour, dass der Sarg bei den Trauerfeiern direkt über dem Wasser stehe. In der Trauerliturgie heiße es, dass der Herr an dem Verstorbenen vollenden solle, was er in der Taufe begonnen hat: „Taufe, Tod und Auferstehung stehen für uns Christen in einer Reihe: Das soll hier in besonderer Weise deutlich werden.“

Verschiedene Konfessionen auf einem Friedhof

Nach dem Besuch der St.-Agnes-Kirche zogen die rund 50 Teilnehmer der OBesichtigt-Tour auf den Ostenfriedhof weiter, dessen Anfänge bis in das Jahr 1800 zurückreichen: „Es ist deutschlandweit eine Besonderheit, dass hier Menschen unterschiedlicher Konfessionen unmittelbar nebeneinander bestattet worden sind – wenn auch in unterschiedlichen Abschnitten“, betonte der städtische Friedhofsexperte Markus Knüppel. „Bei den Juden haben die Verstorbenen ein ewiges Ruherecht, so dass die Gräber nicht angetastet werden – anders als bei den Christen, wo die Gräber in der Regel nach einigen Jahrzehnten aufgegeben und für andere Bestattungen genutzt werden.“ Deshalb lasse sich hier die Veränderungen in der Bestattungskultur besonders anschaulich nachhalten. Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann ergänzte, dass auch die Bestattungsform dem jeweiligen Zeitgeist entspreche: „Als ich vor Jahrzehnten in der Kommunalpolitik angefangen habe, kamen gerade die ersten Urnen-Bestattungen auf: Mittlerweile liegt der Anteil der Urnen bei über 80 Prozent.“

Einige Gräber des Ostfriedhofs waren bei der OBesichtigt-Tour mit warmen Licht angestrahlt worden, so dass sich der Friedhof ebenso geheimnisvoll wie beruhigend zeigte: „Der Friedhof ist nicht nur ein Ort der Trauer, sondern er ist auch ein Ort des Lebens: Deshalb feiern wir an diesem Wochenende auch den bundesweiten ,Tag des Friedhofs´, der genau daran erinnern möchte“, erklärte der städtische Friedhofsexperte Markus Klüppel.