19.08.2016

„Kein Kind zurücklassen“: positive Zwischenbilanz

„Es geht um effektive Hilfe, nicht um Sparziele“

Bereits bei der ersten Zwischenbilanz zeigt das Modellprojekt „Kein Kind zurücklassen“  in Hamm messbare Erfolge: Bei einer Sondersitzung der beteiligten Fachausschüsse des Rates lobte Professor Dr. Michael Nagy, wissenschaftlicher Leiter des Projektes, die Stadt Hamm als Vorreiter unter den 18 Modellkommunen in Nordrhein-Westfalen.



Die Umsteuerung von Reparaturmaßnahmen zu präventiven Maßnahmen hat für die Stadt auch finanziell Effekte: Die jährliche Kostensteigerung im Jugendhilfeetat, die in der Vergangenheit stets bei sieben Prozent lag, ist im vergangenen Jahr nur noch leicht gestiegen: Der Anstieg von 1,4 Prozent liegt im Bereich der Inflationsrate. 

„Ganz ausdrücklich will ich aber noch einmal betonen, dass es bei diesem Projekt nicht darum geht, Sparziele zu erreichen. Im Gegenteil: Wir wollen unserer Geld besser investieren, damit die Kinder und Jugendlichen so weit wie möglich von den Hilfen profitieren“, erklärte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann. Gleichzeitig betonte der Oberbürgermeister, dass das Projekt „Kein Kind zurücklassen“ aber nicht geeignet sei, um kurzfristig das Problem von Kinderarmut zu lösen: „Natürlich ist es in einer reichen Gesellschaft nicht hinnehmbar, dass Kinder von Armut betroffen sind. Jedes Kind in Armut ist ein Kind zu viel. Aber dieses Problem kann keine Kommune alleine in den Griff bekommen. Das zeigt der Vergleich mit anderen Städten ganz deutlich: Hier steht Hamm vergleichsweise gut da, nämlich auf Platz sieben von insgesamt 21 Städten.“

Professor Michael Nagy bezeichnete die messbaren Erfolge Hamms nur 18 Monate nach Projektstart als „sehr erstaunlich“. Besonders beeindruckend sind die Zahlen bei den Besuchen von Familien mit Neugeborenen: Bis Ende November des vergangenen Jahres wurden 593 Familien besucht – das bedeutet  eine Quote von 78 Prozent und damit den Spitzenwert unter den Modellkommunen. Weitere Ergebnisse: Die Quote der Vierjährigen mit Sprachförderbedarf ist in Hamm von 2012 auf 2013 um fünf Prozent gesunken. Auch die Ausbildungs- und Beschäftigungsfähigkeit von Schulabgängern hat sich nachweislich verbessert. „Hamm profitiert beim Projekt von bestehenden Strukturen und vielen guten Projekten, die es bereits vor „Kein Kind zurücklassen“ gab. Dennoch ist es beeindruckend, wie zielstrebig und schnell alle Beteiligten das Projekt angehen – das zeigen nicht zuletzt die jüngst ermittelten Zahlen“, erklärte Nagy. 

Ähnlich sieht es Martin Hennicke von der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen: „Wir sind froh über die Erfolge der Stadt Hamm im Rahmen des Projekts. Hamm leistet sehr gute Arbeit – und diesen Ansatz wollen wir zukünftig auf andere Städte und Gemeinden übertragen.“  Oberbürgermeister nahm das Lob aus Düsseldorf dankend an, gleichzeitig richtete er aber den Blick nach vorne: „Uns freut das gute Zwischenzeugnis, vor allem, weil unser positives Gefühl erstmals durch messbare Erfolge bestätigt wird. Allerdings dürfen wir uns nicht auf den bisherigen Erfolgen ausruhen: In den kommenden Jahren wartet noch viel Arbeit auf alle Beteiligten.“

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Foto: Kristina Bolt
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