Aktuelle Hinweise und Hilfen für Eltern und Kinder

Die Magie des Gewöhnlichen und Möglichen beachten.

„Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass außergewöhnliche Ereignisse außergewöhnlicher Interventionen bedürfen. Die Realität zeigt, dass Kinder und Jugendliche nach außergewöhnlichen Ereignissen ganz gewöhnliche Dinge brauchen.“ (Gerngroß. 2015, S. 142)

Durch die Gefahr des Corona-Virus sind wir in einer außergewöhnlichen Situation, in der wir uns viele Gedanken machen. Kita- und Schulbesuche sind nicht mehr möglich und wir können unsere Freizeit nicht mehr frei gestalten. Damit steht unser Alltag auf dem Kopf. Das kann zu Verunsicherung und Sorgen führen.

Wir wissen zur Zeit nicht, wie sich die Situation weiter entwickeln wird.

Um Ihnen in dieser schwierigen Zeit Unterstützung zu bieten, haben wir folgende Hinweise aufgeschrieben, die aus unserer Sicht hilfreich sein können:

1. Hilfen für die Alltagsgestaltung

In schwierigen Situationen ist es für viele wichtig, durch Tagesstruktur und Rituale Sicherheit zu bekommen. Dazu könnte gehören, gewöhnliche Alltagsstrukturen auch weiterhin aufrechtzuerhalten und mögliche Routinen zu pflegen. Gemeinsame Mahlzeiten, festgelegte Zeiten für Lerneinheiten können hilfreich sein.

Dabei können Kinder beteiligt werden und ihre bekannten Abläufe aus Kita oder Schule können übernommen werden. Darüber hinaus können neue Strukturen entwickelt und gemeinsam gestaltet werden.

  • Beispiele: Morgens anziehen, Arbeits- und Freizeitzeiten voneinander trennen, Schlafzeiten einhalten, Reime, Lieder und Singspiele, die die Kinder kennen auch zu Hause durchführen.

2. Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen

Gefühle und Sorgen sollten wahr- und ernst genommen werden, das gilt sowohl für Eltern, als auch für Kinder und Jugendliche.

Besondere Hinweise für einzelne Altersgruppen:

Säuglinge

Säuglinge sind in Situationen wie dieser oft  unruhiger, leicht irritierbar und schwerer zu beruhigen. Durch die unmittelbare Nähe zu den Eltern spüren sie ganz besonders die Sorgen und Ängste der Bezugspersonen. Daher ist es wichtig, dass Sie als Eltern von Säuglingen Ihre eigene Befindlichkeit wahrnehmen und durch Entspannungs-/ Atemtechniken oder Austausch mit vertrauten Personen versuchen, Ihre Gefühle zu regulieren. Schaffen Sie eine Atmosphäre für sich und Ihr Kind, in der Sie sich möglichst sicher fühlen.

Klein- und Vorschulkinder

Kinder in diesem Alter achten sehr darauf, wie die Erwachsenen in ihrem Umfeld reagieren, diese Reaktionen nehmen einen großen Einfluss darauf, welche Bedeutung die Situation für die Kinder hat. Viele Kinder fürchten sich in dieser Zeit vor allem davor, ihre Familie zu verlieren. Häufig verstärken sich auch andere Ängste, z.B. vor Dunkelheit. Sie als Eltern könnten betonen, dass der Krankheitsverlauf von Corona für die Mehrheit der Menschen unkritisch ist. Außerdem können Sie Ihre Kinder dazu anregen, ihre Gefühle in einem Bild, einer Geschichte oder im Spiel auszudrücken. Einfache altersgerechte Erklärung bezüglich Kitaschließungen und Hygienemaßnahmen können hilfreich sein.

Schulkinder

Kinder in diesem Alter verstehen bereits besser das Ausmaß der aktuellen Situation, sie bekommen viele Informationen und setzen sich damit auseinander. Vor allem Ängste um das Wohl der Familie können geweckt werden. An dieser Stelle brauchen Schulkinder Entlastung und Klärung von Verantwortlichkeiten durch Erwachsene (z.B. das ärztliche Personal kümmert sich um die Gesundheit von Oma oder Opa).

Auch Routinen, Möglichkeiten der Beschäftigung sowie eine Ansprechperson, die ihre Fragen ehrlich und altersgerecht beantwortet, sind wichtig.

Teenager

Ähnlich wie bei Erwachsenen sind Schuldgefühle im Jugendalter ein zentrales Thema. Teenager befinden sich in diesen Zeiten ganz besonders in dem Dilemma, sich einerseits von zu Hause lösen zu wollen und andererseits aufgrund der aktuellen Situation zu Hause gefangen zu sein.

Das kann sich in Vermeidungsverhalten, Trotzreaktionen und/oder Impulsivität äußern.

Jugendliche werden in dieser Zeit mit einer Vielzahl von Informationen konfrontiert. Dabei sollten sie begleitet werden und die Chance bekommen, sich mit ihrer Peergruppe medial auszutauschen.

Quellen:

  • Familienhandbuch, www.familienhandbuch.de (letzter Zugriff 19.03.2020).
  • Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, www.bke.de (letzter Zugriff 19.03.2020).
  • Gerngroß, J. 2015: Notfallpsychologie und psychologisches Krisenmanagement. Hilfe und Beratung auf individueller und organisationeller Ebene. Schattauer Verlag, Stuttgart.

Kontakt

Beratungsstelle für Eltern, Jugendliche und Kinder

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Fax: 02381 17-2841
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