Pilotprojekt

Kostenlose Periodenartikel an 46 Standorten

150 Metall-Spender für Damenbinden und Tampons sind seit den Herbstferien in weiterführenden Schulen und öffentlichen Einrichtungen zu finden. Das Pilotprojekt der Stadt Hamm soll einen Beitrag zur Enttabuisierung des Themas Menstruation leisten.

Die Monatsblutung nimmt keine Rücksicht auf den Zeitpunkt oder die Lebenssituation und lässt sich nicht beeinflussen. Nicht selten kommt es für Frauen und Mädchen zu Situationen, in denen sie akut Damenhygieneartikel benötigen. Der Rat der Stadt Hamm hat daher im Frühjahr beschlossen, in öffentlichen Gebäuden Spender für kostenlose Tampons und Binden aufstellen zu lassen und hat dafür 20.000 Euro im Haushalt eingestellt. 150 der vandalismussicheren Automaten hat die Verwaltung in den letzten Wochen an 46 Standorten stadtweit aufgehängt. „Die Automaten sollen Mädchen und Frauen in ihrem Alltag ganz konkret unterstützen und auf die Problematik der Periodenarmut aufmerksam machen“, erklärt Jule Pletschen, Initiatorin des Projekts und gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion.

Periodenarmut bekämpfen
Mit Kosten von durchschnittlich 15 Euro pro Monat können sich nicht alle Mädchen und Frauen Menstruationsartikel wie Binden und Tampons leisten. Sie beginnen Stoffreste zu benutzen, die eine gesundheitliche Gefahr darstellen, nehmen weniger bis gar nicht am gesellschaftlichen Leben teil, sodass man auch von sozialen und psychischen Problemen in Folge der Periodenarmut spricht. „Da das Thema Menstruation oft mit Scham belastet ist, bieten die Spender eine diskrete Lösung und regen gleichzeitig dazu an, darüber zu sprechen und somit zur Enttabuisierung beizutragen“, sagt Dr. Britta Obszerninks, Dezernentin für Bildung, Familie, Jugend und Soziales der Stadt Hamm.

Erste Erfahrungen an Schulen und in Stadtteilzentren
Alle weiterführenden Schulen sind mit den Spendern ausgestattet worden. Insgesamt wurden 135 an 29 Standorten installiert. Jörg Westhoff, Schulleiter der Realschule Heessen, zieht nach der Anbringung von zwei Automaten ein positives Zwischenfazit: „Wir hören, dass das Angebot gut angenommen wird. In der Vergangenheit haben die Schülerinnen meist im Sekretariat nach den Hygieneartikeln nachgefragt. Das kostet jedoch oft Überwindung. Wir merken jetzt, dass mehr darüber gesprochen wird.“ Ähnliches berichtet Karina Yemadakova, Leiterin des Stadtteilzentrums „Bockelweg“: „Bis jetzt hatten wir auf unserem Damen-WC eine Box mit entsprechenden Artikeln stehen. Durch den Automaten und die Hinweisschilder hat das Thema nun deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen.“

Unterstützung durch die WEPA-Stiftung
Als Projektpartner stattet die Arnsberger WEPA-Stiftung die Spender mit Menstruationsartikeln aus und stellt Informationsplakate bereit. „Wir unterstützen das Projekt sehr gerne. Denn unsere Themenfelder Hygiene und soziale Nachhaltigkeit spiegeln sich hier perfekt wider und passen zu unserer Wertekultur“, betont Ingmar Lohmann von der WEPA-Stiftung.

Hochschule begleitet Projekt
In einer zweijährigen Pilotphase sollen Erfahrungen, Reaktionen und Kosten des Angebots mit einer wissenschaftlichen Evaluation durch die SRH Hochschule Hamm ermittelt werden. Dazu werden auch Fragebögen an Schulen verteilt und beispielsweise ausgewertet, inwiefern über das Thema geredet wird und wie schambehaftet es ist. Hamm bildet mit dem Pilotprojekt eine Ausnahme in Deutschland und möchte damit die Debatte anregen. In anderen Ländern wie Schottland ist die kostenlose Bereitstellung von Damenhygieneartikeln in öffentlichen Gebäuden zum Beispiel seit 2020 gesetzlich geregelt.

Im Stadtteilzentrum ''Bockelweg'' in Heessen wurde das Pilotprojekt vorgestellt

Im Stadtteilzentrum ''Bockelweg'' in Heessen wurde das Pilotprojekt vorgestellt

© Stephan Schwartländer

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