07.08.2017

Die Ahse

Die Ahse ist nach der Lippe sicherlich der bekannteste und größte Fluss in Hamm. Sie ist etwa 50 km lang und ihr Einzugsgebiet erstreckt sich auf etwa 440 km² über die Stadt Hamm und den Kreis Soest. Die wasserreiche Quelle der Ahse entspringt in der Gemeinde Bad Sassendorf, an der Grenze zwischen Ober- und Unterbörde am Fuße des Haarstrangs. Sie beginnt hier als Schledde, was eine echte Besonderheit ist. Schledden führen nur nach starken Niederschlägen Wasser und können zeitweise auch trocken fallen. Zeitweilig sind vom Trockenfallen nur Abschnitte betroffen: an sogenannten Schlucklöchern oder Bachschwinden versickert der Fluss in Grundwasserleiter, um an Spucklöchern wieder auszutreten. Bei den Anwohnern der Schledden ist der geflügelte Satz „Die Schledde kommt“ daher vertraut.


Das Bild zeigt das Einzugsgebiet der Ahse

Übersichtskarte des Ahse-Einzugsgebietes: © Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW


Nach etwa 12 km Fließstrecke auf dem Gebiet der Stadt Hamm wird die Ahse durch eine Verrohrung unter dem Datteln-Hamm-Kanal hindurchgeführt und linksseitig in die Lippe eingeleitet. Auf ihrem Weg dorthin entwässert sie mit ihren Hauptzuflüssen Rosenaue, Schledde, Soestbach, Salzbach und Geithe einen überwiegend landwirtschaftlich geprägten Raum. Die ackerbauliche Nutzung der fruchtbaren Soester Börde, die einen großen Teil des Einzugsgebietes einnimmt, hat eine sehr lange Tradition. Die Landnutzung im Einzugsgebiet der Ahse verteilt sich wie folgt:

  •     67,8 %     Acker
  •     15,1 %     Siedlung, Gewerbe und Verkehrsflächen
  •     10,5 %     Grünland
  •       6,4 %     Wald / Forst
  •       0,2 %     Sonstiges


Die Ahse und ihre Nebengewässer weisen einen sehr unterschiedlichen ökologischen Zustand auf. Zum Teil sind sie begradigt und ausgebaut worden. Zudem verschwanden durch die Trockenlegung der Aue viele wertvolle Auenlebensräume und damit auch viele der typischen Tier- und Pflanzenarten. Bedeutende Abschnitte sind aber trotz des landwirtschaftlich genutzten Umfeldes in einem naturnahen oder sogar annähernd natürlichen Zustand geblieben. Hier weist die Ahse noch Elemente des naturnahen löss-lehmgeprägten Gewässers auf: steile Ufer, eine Gewässersohle teils aus Feinsediment (Lehm), teils aus verbackenen, schotterartigen Lösspartikeln, sowie die typische, häufig zu beobachtende milchige Trübung, die durch die ständige Erosion an der feinsedimentgeprägten Gewässersohle hervorgerufen wird. Gewässer wie die Ahse sind von Natur aus kalk- und nährstoffreich.

Auf dem Hammer Stadtgebiet hat jedoch der heutige Verlauf der Ahse mit dem ursprünglichen Lauf des Flusses nicht mehr viel gemeinsam. Durch verschiedene Eingriffe im letzten Jahrhundert (zuletzt in den 60er Jahren) wurde das Bett der Ahse verlegt, begradigt oder kanalisiert, so dass es unnatürlich gerade und komplett von Menschenhand gebaut verläuft. Die Gründe dafür waren vielfältig: so dienten diese Maßnahmen dem Hochwasserschutz, der schnelleren Ableitung des Wassers und der eingeleiteten Abwässer, aber auch, um dem Druck der Bevölkerungsentwicklung zu weichen und den Bau von Siedlungen und Gewerbeflächen zu ermöglichen. Die Karte von 1911 zeigt die Verlegung der Ahse im Bereich der Innenstadt. Die Ahse, die einst in den historischen Stadtgraben floss wurde östlich vor der Innenstadt umgelenkt und über eine Verrohrung (Düker) unter dem Datteln-Hamm-Kanal hindurchgeführt und in die Lippe eingeleitet.

Übersichtsplan der Ahseverlegung von 1911 (Quelle: Stadt Hamm, Stadtarchiv) 

Die starken Veränderungen an der Ahse und ihren Nebengewässern durch den Menschen hatten auch weitreichende Folgen auf die Wasserqualität. Diese hat sich jedoch in den letzten Jahrzenten verbessert. So weisen die meisten Wasserläufe im Ahsegebiet eine mäßige Belastung (Güteklasse II) auf, lediglich kurze Abschnitte am Amperbach und der Oberlauf des Salzbaches sind kritisch belastet (Güteklasse II – III).

Dennoch zeigt der heutige Zustand des Ahsegebietes, dass die Gewässer auf hinreichend langen Abschnitten wieder naturnäher werden müssen. Ziel ist es einen guten ökologischen und chemischen Zustand zu erreichen.

Jede Maßnahme zur ökologischen und chemischen Verbesserung der hiesigen „kleinen“ Gewässer ist einer von vielen Bausteinen zur Verbesserung der Wasserqualität in der Flussgebietseinheit Rhein bis hin zum Wattenmeer. Denn das Wasser aus den Bächen im Einzugsgebiet der Ahse fließt zunächst in die Lippe und dann in den Rhein. Diese Betrachtung des Gesamtsystems ist ein grundlegendes Prinzip bei der ökologischen Verbesserung der Gewässer in Europa.