18.11.2016

Maßnahmenblock Westenmersch

Der Maßnahmenblock Westenmersch befindet sich zwischen Haus Uentrop und der Zechenbahntrasse, welche Hamm und Dolberg verbindet. Der Großteil des Projektgebietes befindet sich südlich der Lippe, also linksseitig der Fließrichtung. Im Frühjahr 2014 und im Winter/Frühjahr 2015 wurden Maßnahmen im südlichen Teil des Maßnahmenblocks Westenmersch umgesetzt. Die Optimierung des Maßnahmenblocks Westenmersch Nord ist im Herbst/Winter 2015 erfolgt.

Hier können sie sich im Detail über die Maßnahmen im Maßnahmenblock Westenmersch informieren:

Detailplan Westenmersch Süd

Detailplan Westenmersch Nord

Im fortlaufenden Text werden einige der geplanten Maßnahmen näher erläutert. Auf der linken Seite können Sie sich auch über die übrigen drei Maßnahmenblöcke informieren.

1. Uferentfesselung

Über eine Strecke von etwa zwei Kilometern wurde die Lippe weitestgehend „entfesselt“, das heißt, die vorhandene Steinschüttung, die zur Uferbefestigung dient, wurden entfernt. Diese „Rückbau-Maßnahme“ dient dazu, der Lippe ihre Bewegungsfreiheit und damit ihre natürliche Dynamik zurückzugeben. Als positive Folge dieser Entfesselung werden sich im Laufe der Zeit Steilufer und Flachwasserzonen bilden, die im Gegensatz zu den bisher gleichförmigen Böschungen sehr strukturreiche Lebensräume darstellen.

2. Anlegen und optimieren von Flutmulden

Flutmulden sind natürliche, struktur- und artenreiche Senken in der Landschaft, die das System Fluss-Aue bei hohen Wasserständen miteinander vernetzen. In den letzten Jahrhunderten wurden Flutmulden jedoch zur besseren Nutzung landwirtschaftlicher Flächen häufig verfüllt und eingeebnet – sie sind heute daher oft nur noch schwer erkennbar oder durch einen Blick auf historische Karten ermittelbar. Da Flutmulden aufgrund ihrer Auswirkungen auf den Wasserhaushalt von Fluss und Aue sehr wichtig sind (siehe Auenlebensräume), wurde im südlichen Teilbereich des Maßnahmenblocks eine „neue“, etwa 1,3 Kilometer lange Flutmulde angelegt, in welche der Munnebach integriert wurde. Die Sohle wurde dabei abwechslungsreich, mit flachen Bereichen und mit tiefen Kolken, ausgestaltet. Die Anlage der Flutmulde führt zu einem früheren Ausufern der Lippe in die Aue. Durch die Dynamik des Wassers entstehen nach und nach eine Vielzahl von strukturreichen Lebensräumen für viele seltene Arten. Zudem wird durch diese Maßnahme ein wichtiger Beitrag für den natürlichen Hochwasserschutz geleistet.

3. Anlegen von Stillgewässern und Blänken

Stillgewässer und Blänken sind Bestandteile der ehemals natürlichen Aue und dienen verschiedenen Amphibien, Libellen, Fischen und Vögeln als Lebensraum (siehe Auenlebensräume). Stillgewässer sind tiefer als Blänken und trocknen daher nicht aus. Das heißt, sie sind ganzjährig mit Wasser gefüllt und bieten sogenannten „Stillwasserarten“, das sind Arten, die keine Strömung mögen, einen idealen Lebensraum. Blänken bieten insbesondere vielen kleinen Tieren einen sicheren Lebensraum, da sie aufgrund des periodischen Trockenfallens keine Fische enthalten und Amphibien und Insektenlarven somit weniger Räuber zu fürchten haben. 

Viele dieser Stillgewässer und Blänken wurden im Laufe der Nutzbarmachung landwirtschaftlicher Flächen verfüllt und somit dauerhaft „trocken gelegt“. Dadurch gingen ökologisch wichtige Lebensräume verloren.

Im Maßnahmenblock Westenmersch wurden nördlich der Lippe zwei neue Blänken angelegt. Südlich der Lippe wurden zwei Stillgewässer in die neu angelegte Flutmulde integriert. 

4. Wiedervernässung und Randsumpfentwicklung

Ehemals waren die Grünlandflächen der Aue feucht und standen besonders im Winter häufig mehrere Wochen unter Wasser. Die Wiesen der Aue verwandelten sich so zeitweise in großen Wasserflächen, welche vor allem für Wasservögel einen attraktiven Aufenthaltsort bieten. Auch für Frösche, Molche und andere Amphibien sind solche Orte ideale Lebensräume.
In Randsümpfen bilden sich oft große Röhrichte, welche insbesondere schilfliebenden Vogelarten, wie der Rohrweihe, dem Markenzeichen des LIFE- und des LIFE+ Projektes, attraktive Brutgebiete bieten.
Die Aufweitung und der Anstau von bestehenden Entwässerungsgräben hat zur Wiedervernässung der Wiesen und Weiden im südwestlichen Teilbereich des Maßnahmenblocks Westenmersch beigetragen.

5. Sanddünen

Sanddünen waren einst prägende Elemente in der Aue von sandgeprägten Flüssen wie der Lippe. Die intensive Bewirtschaftung der Auen ließen sie aber nach und nach verschwinden. Der bei den Maßnahmen anfallende Sand wurde im südlichen Teil der Westenmersch wieder zu drei solcher Dünen aufgeschüttet. Dünen sind sehr arm an Nährstoffen und daher für bestimmte, heute selten gewordene Pflanzengesellschaften, wie z. B. den "Sandmagerrasen" ein wichtiger Standort. Darüber hinaus bieten sie Lebensräume für Schlupfwespen, Sandlaufkäfer, Flussregenpfeiffer und andere Tier- und Pflanzenarten.

6. Umwandlung von Ackerfläche in Grünland und naturschonende Bewirtschaftung

Im gesamten Maßnahmenblock Westenmersch wurde eine naturschonende landwirtschaftliche Nutzung (Extensivierung) etabliert. Nun werden die Grünlandflächen entweder schonend beweidet oder zur Mahd genutzt. Gerade Feuchtwiesen und baumfreie Flächen bieten vielen bodenbrütenden Vögeln einen Lebensraum. Die schonende Beweidung von Grünland durch große Huftiere hält die Flächen frei von hochwachsender Vegetation. Damit die Weidetiere bei Hochwasser keine nassen Füße bekommen, wurde ein „Fluchthügel“ angelegt, auf dem sich die Tiere zurückziehen und vom Landwirt versorgt werden können.

7. Entwicklung von Auwald

In einer natürlichen Aue kommen auch Baumbestände vor, der sogenannte Auwald (siehe Auenlebensräume). Diese Waldart unterscheidet sich von anderen durch die Anpassung an die Beeinflussung durch das Flusswasser. Auwaldbäume vertragen es gut, wenn sie bei Hochwasser über einen längeren Zeitraum im Wasser stehen. Je nach Überflutungsdauer des Waldes unterscheidet man zwischen „Weich-“ und „Hartholzauenwald“. Typische Baumarten der Hartholzaue sind: Stieleiche, Esche, Ahorn, Ulme und Traubenkirsche; typische Straucharten sind z. B. Weißdorn, Schwarzdorn, Roter Hartriegel, Pfaffenhütchen, Haselnuss oder Gewöhnlicher Schneeball. Dieser Auwald musste in der Lippeaue schon früh der Inanspruchnahme des Menschen weichen, er wurde zur Nutzung von Weiden und Ackerflächen gerodet, sodass im Projektgebiet aktuell nur noch ein sehr kleiner Anteil an Auwald vorkommt.
Nun soll im Maßnahmenblock Westenmersch nördlich der Lippe ein neuer Hartholzauwald entstehen. Um den Prozess der natürlichen Entwicklung (Sukzession) zu beschleunigen, wurden auf einem Teil der Fläche typische Baumarten der Aue angepflanzt. Die gepflanzten Arten sollen sich nun selbstständig vermehren und so im Laufe von Jahrzehnten den Auwald begründen.