06.01.2016

Nicht alltägliches aus der Abfallwirtschaft

Singende Müllmänner

In der Stadt Tacoma, Washington/USA, warben vor einigen Jahren singende Müllmänner für Änderungen bei der Müllentsorgung. Die Idee entstand aufgrund der Befürchtung der dortigen Verwaltung, dass eine neu eingeführte Recyclingtonne von den Einwohnern nicht gut angenommen würde. Also sollte eine außergewöhnliche Kampagne das ursprünglich angedachte Rundschreiben ersetzen. Singend warb eine fünfköpfige A-Capella-Gruppe aus Mitarbeitern der städtischen Müllabfuhr für das neue Sammelsystem. Ihr Auftritt in u. a. Schulen und Stadtvierteln soll die entsprechende Werbewirkung nicht verfehlt haben...

Zahn der Zeit

Etwa 175 Millionen Zahnbürsten werden in Deutschland jährlich zu Müll. Dabei sind die Deutschen noch sparsam und wechseln die Bürste entgegen zahnärztlichen Empfehlungen nur zweimal im Jahr. Bürsten mit auswechselbarem Bürstenkopf schonen die Umwelt. Das Wechseln des Kopfes spart rund 80 Prozent Müll. Das sind mehrere Tausend Tonnen Kunststoffmüll...

Grüner Punk

Schabernack mit dem Verpackungsrecycling im World-Wide-Web? Während das Duale System unter der Adresse www.gruener-punkt.de fleißig über das Recycling von Verpackungen informiert, blickt auf der um einen Buchstaben verkürzten Adresse (www.gruener-punk.de) der "Grüne Punk" die User an - breit grinsend und mit Cola-Dose bewaffnet...

Altes Geld

Vor Einführung des Euro wurde darüber nachgedacht, die Geldschwemme alter Banknoten im Kompostwerk zu entsorgen. Aber die Geldscheine waren als Kompost wohl eher ungeeignet, berichtete damals die Gütegemeinschaft Kompost e.V., Köln. Bei der Analyse einer feingeshredderten Banknotenmischung wurde festgestellt, dass der Kupfergehalt von 147 mg je kg Trockenmasse über dem Grenzwert der Bioabfallverordnung liegt...

Meer Müll

Im Pazifik zwischen Kalifornien und Hawaii gibt es in dem Nordpazifischen Wirbel eine riesige Fläche von Müll, auch genannt der "Great Pacific Ocean Garbage Patch". Auf der Oberfläche des Meeres ist eine gigantische Fläche, so groß wie Texas, vor allem von Plastikmüll bedeckt, der teilweise auch zerrieben in kleinen Teilchen den Boden bedeckt. Die Mengen werden auf Millionen von Tonnen geschätzt. Größere Tiere verfangen sich in herumtreibenden Plastiknetzen. Andererseits kann aber auch Plastik besiedelt werden. Auf einem Plastikteil fanden Wissenschaftler neben Krabben und Algen zahlreiche Eier von fliegenden Fischen. Auch sonst wurden viele wirbellose Tiere wie Anemonen, Krabben, Krebse oder Algen gefunden, die sich im Müll einnisten und mit diesem auch mitreisen, um dann womöglich als invasive Arten in neue Lebensräume einziehen. Um darauf aufmerksam zu machen begaben sich daher 2008 Marcus Ericson und Joel Paschal mit einem Floß aus Müll auf den 2600 Meilen langen Weg von Kalifornien nach Hawaii. 3 Monate benötigten die Beiden. Ihr rund neun Meter langes Floß namens "Junk" wurde aus Eisenschrott gefertigt: Das Deck bestand aus den Masten geborgener Segelbootwracks, die sechs Pontons wurden mit 15.000 Plastikflaschen befüllt und die Kabine aus dem Rumpf einer Cessna gebaut.

Lecker Müll

Statt Verpackungen in den Gelben Sack zu werfen, könnten sie künftig einfach aufgegessen werden. Die Kalle Nalo GmbH mit Sitz in Wiesbaden hat vor einigen Jahren essbare Formkörper auf der Basis von plastifizierbaren Biopolymeren zum Patent angemeldet. Normal ausgestattete Haushalte dürften sich mit der Herstellung des Verpackungsdesserts etwas schwer tun. Wer's dennoch versuchen möchte, hier das Rezept:

Man nehme die Biopolymere und vermische sie mit mindestens einem essbaren Weichmacher, mindestens einem Gleitmittel und mindestens einem Vernetzungsmittel. Danach schmelze man das so erhalten Gemisch zu einer thermoplastischen Masse auf und extrudiere sie. Nun gebe man dieser Masse durch Kalandrieren, erneutes Extrudieren oder auch durch Blasformen ihre endgültige Gestalt. In die so gewonnenen Formkörper lassen sich ganz gewöhnliche Lebensmittel füllen. Nach dem Entleeren kann die Verpackung aufgegessen werden...Guten Appetit. Das vollständige Rezept gibt's beim Deutschen Patentamt unter der Nummer DE 197 04 737 A 1.

Wertvoller Müll

45 Tonnen Recyclingmüll mussten in Hannover durchwühlt werden, um eine alte Dame vor dem Verlust ihres Vermögens von 83.000 Euro zu bewahren. Die über viele Jahre angesparte beträchtliche Geldsumme hatte die 80-Jährige in einen Staubsaugerbeutel gesteckt, den ihre Putzfrau achtlos in einen gelben Müllsack warf. Der Frau fiel der Verlust des Staubsaugerbeutels allerdings schnell auf und sie informierte ihren Enkel. Dieser schaltete die Müllabfuhr ein, die das entsprechende Abfallauto stoppen und in stundenlanger Arbeit durchsuchen ließ.

Schlauer Eimer

Rund 160,- Euro kostet der "Sensor Can", ein Mülleimer, der automatisch den Deckel öffnet, wenn man die Hand mit abwurfbereitem Abfall in eine genau definierte Zone über den Deckel bewegt. Dauert die Entsorgung länger als drei Sekunden, bleibt der Deckel automatisch 30 Sekunden geöffnet, so dass man sich nicht vom eigenen Abfalleimer gehetzt fühlen muss. Der robuste Motor soll es auch nicht übel nehmen, wenn man die Öffnung per Hand abbricht oder den Deckel manuell schließt. Die Kupplung trennt dann einfach den Deckel vom Motor, um Schäden zu vermeiden. Man muss auch nicht befürchten, dass der Abfalleimer nach einem schnappt, wenn man nur davorsteht oder vorbeigeht. Das sogenannte multi-sense System soll in der Lage sein, den Unterschied zu spüren und versehentliches Öffnen zu verhindern…

Die Ehre der Schmutzfinken

Malaysias Regierung will Schmutzfinken nicht bei ihrer Ehre sondern bei ihren Schamgefühl packen. Wer dabei erwischt wird, wie er Müll fortwirft, muss zur Strafe die Straße kehren und dabei ein Hemd mit der Aufschrift: "Ich bin ein Schmutzfink" tragen. Wohnungsbauminister Ting Chew Peh erklärte, die öffentliche Beschämung werde andere hoffentlich davon abhalten, Straßen und Plätze zu verschandeln. Ting äußerte sich einen Tag nach dem Besuch von Pakistans Ministerpräsident Nawaz Sharif in Kuala Lumpur. Dieser hatte zunächst die Sauberkeit der Stadt gelobt, bevor er anschließend über eine mit Abfall übersäte Einkaufsstraße ging...

Kein Schwein mehr da

Seit die ägyptische Regierung alle Schweine im Land wegen der Bedrohung durch die Schweinegrippe schlachten ließ, werden die organischen Abfälle nicht mehr verwertet. Früher war ein System etabliert, in dem von den Müllmännern extra gezüchtete Schweine die organischen Abfälle fraßen. Die fetten Schweine wiederum wurden gewinnbringend an die Industrie verkauft. Da dieser gewinnbringende Weiterverkauf nicht mehr möglich ist, streiken die Müllmänner. Kairo erstickt daher im Unrat, weil der Küchenabfall vor der Haustür bleibt und sich ein anderes System nicht durchsetzen konnte...

Historischer Müll

In Düsseldorf wurden im Rahmen des U-Bahn-Baus Jahrhunderte alte Abfälle gefunden. Sie sollen aus dem 19. Jahrhundert stammen. Laut Aussagen von mit den Arbeiten am Abfall beschäftigten Archäologen handelt es sich um Müll aus den Jahren zwischen 1850 und 1880. Mit dem Müll wurde das Nordende des alten Kö-Grabens im Jahr 1880 zugeschüttet. Scherben sündhaft teurer Mineralwasserflaschen und Töpfchen des berühmten Düsseldorfer Senfs sind stumme Zeitzeugen vom schon damals guten Leben an der Kö...

...und nochmal lecker Müll

Ein Jungunternehmen in Silicon Valley forscht seit Jahren daran, wie Bakterien uns bei der Herstellung von Bioenergien helfen könnten. Nun haben ihre Wissenschaftler während einigen Labortests spezielle genetisch veränderte Bakterien dazu gebracht weiterverwendbares Öl auszuscheiden. Die genetisch veränderten Organismen ernähren sich aus Landwirtschaftlichen Abfällen wie zum Beispiel Sägespähnen und geben nach der Verdauung nahezu reines Rohöl ab. Leider lässt sich die Methode noch nicht auf industrieller Ebene durchsetzen, weil die von den Bakterien abgegebenen Mengen jetzt einfach noch zu klein sind und die genetische Manipulation einfach zu lange dauert. Aber man arbeitet daran…

Kuriose "Straßensanierung"

Eine wenig professionelle Art, Straßenschäden "auszubessern" ist in letzter Zeit in vielen Nebenstraßen und Feldwegen im Gebiet des Landkreises Harburg zu beobachten: Schlaglöcher in der Fahrbahn oder im Straßenseitenraum werden mit Grünabfällen aufgefüllt - mit Rasen- und Heckenschnitt, Laub und sonstigen Gartenabfällen. Straßenbaulich machen diese Maßnahmen keinen Sinn, rechtlich handelt es sich um die illegale Ablagerung von Abfällen, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann. Denn die Situation ist klar - Grünabfälle dürfen nicht in der freien Landschaft abgelagert werden, auch nicht in Schlaglöchern. Für die widerrechtliche Ablagerung von Grünabfällen liegt die Höhe des Bußgelds je nach abgelagerter Menge zwischen 5,- € und 820,- €

Müll im Eissturmvogel

Seit Jahren untersuchen niederländische Wissenschaftler im Gebiet der Nordsee Eissturmvögel. Dabei fanden sie bis zu 1603 (in Worten: eintausendsechhundertunddrei!) Kunststoffschnipsel im Magen eines einzigen Vogels, durchchnittlich waren es 44 Plastikteilchen. 95 % aller tot an den Küsten aufgefundenen Vögel enthielten derartigen Müll im Magen, wobei der traurige Spitzenwert 20.6 Gramm betrug. Umgerechnet auf menschliche Gewichtsverhältnisse entspricht das rund 2 Kilogramm!

Leuchtendes Beispiel

Jede Stadt hat ihr Hundekot- Problem. Derzeit landen die Säckchen, in denen Hundehalter die Hinterlassenschaften ihrer Tiere entsorgen, meist auf Müllkippen und setzen dort bei der Verwesung das Treibhausgas Methan frei. Dieses könnte jedoch anderwärtig besser eingesetzt werden, zeigt ein vom Massachusetts Institute of Technology gefördertes Projekt des Künstlers Matthew Mazzotta in einem Hundepark in den USA. Hundekot liefert in seiner Installation das Licht einer Straßenlaterne. Wie's funktioniert? Das "Park Spark Project" tauscht den Abfalleimer durch eine Rohr, in das Hundebesitzer den Mist ihres Vierbeiners werfen. Anaerobe Bakterien machen sich an die Arbeit und zerlegen das Material sowie dessen zersetzbare Tüte. Dabei kommt das Treibhausgas Methan frei. Um dessen Produktion zu erhöhen, drehen die Benutzer der Anlage an einer Kurbel und rühren das Gemisch damit um. Das Biogas wird zu einer Straßenlaterne weitergeleitet und verbrennt dort...