15.06.2018

Abfallwirtschaft ist mehr als das Einsammeln von Müll

Unter den Begriffen "Abfallwirtschaft" bzw. "Kreislaufwirtschaft" wird die Gesamtheit aller Tätigkeiten und Aufgaben zusammengefasst, die sich mit dem Vermeiden, Verringern, Verwenden, Verwerten und Beseitigen von Abfällen befassen. Der Bereich der Abfallwirtschaft umfasst dabei heute sowohl die Planung, als auch die Ausführung und die Kontrolle dieser Tätigkeiten und Aufgaben, wobei sich dies sowohl auf Abfälle aus der Industrie, dem Gewerbe und dem Dienstleistungssektor als auch auf Abfälle aus den Haushalten und öffentlichen Bereichen (Straßen, Parkanlagen etc.) bezieht.

Die so genannte fünfstufige "Abfallhierarchie":
1. Vermeidung
2. Vorbereitung zur Wiederverwendung
3. Recycling
4. sonstige Verwertung, insbesondere energetische Verwertung und Verfüllung
5. Beseitigung
bestimmt heute den Umgang mit Abfällen.

Grundsätzlich sollen Abfälle möglichst schon im Rahmen von Produktionsprozessen und auf Verbraucherebene vermieden werden. Dem Begriff "Produktverantwortung" kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Hiermit ist gemeint, dass Hersteller und Vertreiber ihre Erzeugnisse so gestalten sollen, dass bei deren Produktion und beim späteren Gebrauch das Entstehen von Abfällen vermindert und nach deren Gebrauch eine umweltverträgliche Verwertung und Beseitigung der Reststoffe ermöglicht wird.

Von der Müllkippe zur Kreislaufwirtschaft

Die Abfallwirtschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm entwickelt: Vor dem ersten Abfallgesetz von 1972 hatte fast jeder Ort seine eigene "Müllkippe" - In ganz Deutschland gab es etwa 50.000 davon. Deren Anzahl wurde in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts drastisch unter eine Marke von 2.000 reduziert. Die Errichtung und der Betrieb von Abfalldeponien wurden durch gesetzliche Vorgaben immer strenger geregelt. Von den ehemaligen Hausmülldeponien wurden die meisten geschlossen. Heute gibt es für Siedlungsabfälle deutschlandweit noch ca. 160 Deponien, die hohe Umweltstandards erfüllen müssen. Dem gegenüber hat sich die Anzahl von Verbrennungsanlagen, von Anlagen zur Behandlung an Abfällen sowie von speziellen Behandlungsanlagen für industrielle Abfälle in den vergangenen Jahren stark erhöht.


Siedlungsabfälle werden inzwischen zu mehr als 60 Prozent einer Verwertung zugeführt (2005). Bei den Produktionsabfällen aus Gewerbe und Industrie sind es sogar rd. 65 Prozent (2005). In einigen Bereichen, etwa bei Verpackungen, ist die Verwertungsquote auf rd. 80 Prozent gestiegen. Bei den Abfällen aus der Bauwirtschaft werden mittlerweile sogar 87 Prozent verwertet.

Insgesamt gehen dabei beeindruckende Jahresmengen in die Verwertung:

29 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle,

31 Millionen Tonnen Abfälle aus Produktion und Gewerbe und

161 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle.

Umgerechnet werden pro Einwohnerin und Einwohner in Deutschland etwa vier Tonnen Abfälle verwertet - beinahe so viel, wie vier Kleinwagen wiegen.

Der Sektor Abfallwirtschaft beschäftigt heute in Deutschland mehr als 250.000 Menschen - vom Ingenieur über den Müllwerker bis zum Verwaltungsangestellten. Es gibt an verschiedenen Hochschulen Fachbereiche für Abfallwirtschaft, und es gibt einen eigenen Ausbildungsberuf für das Entsorgungsfach. Der jährliche Umsatz des Sektors Abfallwirtschaft liegt bei mehr als 50 Milliarden Euro.

Auch der Beitrag der modernen Abfallwirtschaft zum Klimaschutz ist dabei nicht zu unterschätzen: Die Emissionen treibhausgasrelevanter Schadstoffe aus der Abfallwirtschaft sind in den vergangenen 15 Jahren um mehr als 31 Mio. t CO2-Äquivalente pro Jahr gesunken.