22.11.2011

Maßnahmenblock Westenmersch

Der Maßnahmenblock Westenmersch befindet sich zwischen Haus Uentrop und der Zechenbahntraße, welche Hamm und Dolberg verbindet. Der Großteil des Projektgebietes befindet sich südlich der Lippe also linksseitig der Fließrichtung. Aktuell ist noch nicht mit der Umsetzung im Maßnahmenblock Westenmersch begonnen worden.
Auf der linken Seite können Sie sich auch über die übrigen drei Maßnahmenblöcke näher informieren.

In diesem Maßnahmenblock ist die Umsetzung folgender Maßnahmen geplant:

1. Uferentfesselung
Über eine Strecke von mehreren hundert Metern wird die Lippe hier weitestgehend „entfesselt“, das heißt, die vorhandene Steinschüttung, die zur Uferbefestigung dient, wird entfernt. Diese „Rückbau-Maßnahme“ dient dazu, der Lippe ihre Bewegungsfreiheit und damit ihre natürliche Dynamik zurückzugeben. Als positive Folge dieser Entfesselung werden sich im Laufe der Zeit Steilufer und Flachwasserzonen bilden, die im Gegensatz zu den bisher gleichförmigen Böschungen sehr strukturreiche Lebensräume darstellen.

2. Anlegen und optimieren von Flutmulden
Flutmulden sind natürliche, struktur- und artenreiche Senken in der Landschaft, die das System Fluss-Aue bei hohen Wasserständen miteinander vernetzen. In den letzten Jahrhunderten wurden Flutmulden jedoch zur besseren Nutzung landwirtschaftlicher Flächen häufig verfüllt und eingeebnet – sie sind heute daher oft nur noch schwer erkennbar oder durch einen Blick auf historische Karten ermittelbar. Da Flutmulden aufgrund ihrer Auswirkungen auf den Wasserhaushalt von Fluss und Aue sehr wichtig sind (siehe Auenlebensräume) und vielen seltenen Arten (wie bestimmten Wasservögeln) einen Lebensraum bieten, ist im südlichen Teilbereich des Maßnahmenblocks das Anlegen einer „neuen“ Flutmulde geplant, welche in den Munnebach mündet. Zusätzlich ist geplant, den ehemaligen alten Lippearm in der Westenmersch über eine Flutmulde wieder mit der Lippe zu verbinden, sodass bei hohen Wasserständen ein Austausch des Fluss- und des Altarmwassers stattfinden kann.

3. Anlegen von Stillgewässern und Blänken
Stillgewässer sind Bestandteile der ehemals natürlichen Aue und dienen verschiedenen Amphibien, Libellen, Fischen und Vögeln als Lebensraum (siehe Auenlebensräume). Stillgewässer sind tiefer als Blänken und trocknen daher nicht aus. Das heißt sie sind ganzjährig mit Wasser gefüllt und bieten sogenannten „Stillwasserarten“, das sind Arten, die keine Strömung mögen, einen idealen Lebensraum. Blänken bieten insbesondere vielen kleinen Tieren einen sicheren Lebensraum, da sie aufgrund des periodischen Trockenfallens keine Fische enthalten und Amphibien und Insektenlarven somit weniger Räuber zu fürchten haben.
Auch viele Stillgewässer und Blänken wurden im Laufe der Nutzbarmachung landwirtschaftlicher Flächen verfüllt und somit dauerhaft „trocken gelegt“. Viele ökologisch wichtige Lebensräume gingen dadurch verloren.
Im Maßnahmenblock Westenmersch ist die Anlage zweier Stillgewässer und zweier Blänken geplant. Zudem wird voraussichtlich eine Stillwasserbucht mit Anschluss an die Lippe umgesetzt.

4. Wiedervernässung und Randsumpfentwicklung
Ehemals waren die Grünlandflächen der Aue feucht und standen besonders im Winter häufig mehrere Wochen unter Wasser. Die Wiesen der Aue verwandelten sich so zeitweise in großen Wasserflächen, welche vor allem für Wasservögel einen attraktiven Aufenthaltsort bieten. Auch für Frösche, Molche und andere Amphibien sind solche Orte ideale Lebensräume.
In Randsümpfen bilden sich oft große Röhrichte, welche insbesondere schilfliebenden Vogelarten, wie der Rohrweihe, dem Markenzeichen des LIFE und des LIFE+ Projektes, attraktive Brutgebiete bieten.
Die Aufweitung und der Anstau von bestehenden Entwässerungsgräben soll zur Wiedervernässung der Wiesen und Weiden im südlichen Teilbereich des Maßnahmenblocks Westenmersch beitragen.
Insgesamt ist diese Maßnahme in der Westenmersch auf einer Fläche von rund 8.8 ha geplant.

5. Umwandlung von Ackerfläche in Grünland und naturschonende Bewirtschaftung
Im gesamten Maßnahmenblock ist eine naturschonende landwirtschaftliche Nutzung (Extensivierung) geplant. Dabei werden Grünflächen entweder schonend beweidet oder zur Mahd genutzt. Gerade Feuchtwiesen und baumfreie Flächen bieten vielen bodenbrütenden Vögeln einen Lebensraum. Die schonende Beweidung von Grünland durch große Huftiere hält die Flächen frei von hochwachsender Vegetation.

6. Entwicklung von Auwald
In einer natürlichen Aue kommen auch Baumbestände vor, der sogenannte Auwald (siehe Auenlebensräume). Diese Waldart unterscheidet sich von anderen durch die Anpassung an die Beeinflussung durch das Flusswasser. Auwaldbäume vertragen es gut, wenn sie bei Hochwasser über einen längeren Zeitraum im Wasser stehen. Je nach Überflutungsdauer des Waldes unterscheidet man zwischen „Weich-“ und „Hartholzauenwald“. Typische Baumarten der Hartholzaue sind: Stieleiche, Esche, Ahorn, Ulme und Traubenkirsche; typische Straucharten sind z. B. Weißdorn, Schwarzdorn, Roter Hartriegel, Pfaffenhütchen, Haselnuss oder Gewöhnlicher Schneeball. Dieser Auwald musste in der Lippeaue schon früh der Inanspruchnahme des Menschen weichen, er wurde zur Nutzung von Weiden und Ackerflächen gerodet, sodass im Projektgebiet aktuell nur noch ein sehr kleiner Anteil an Auwald vorkommt.
Jetzt soll im Maßnahmenblock Westenmersch ein neuer, großer Hartholzauwald entstehen.
Um den Prozess der natürlichen Entwicklung (Sukzession) zu beschleunigen, findet zunächst eine Anpflanzung auf einem Teil der Fläche mit den typischen Baumarten statt. Die wenigen gepflanzten Arten sollen sich später selbstständig vermehren und so im Laufe von Jahrzehnten den Auwald begründen.

Bildnachweis

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Foto: © Hans Blossey