10.11.2014

Maßnahmenblock Schlagmersch

Der Maßnahmenblock Schlagmersch ist der westlichste Maßnahmenblock des LIFE+ Projektes und liegt in unmittelbarere Nähe zum Schloss Heessen. Die Umsetzung der Maßnahmen wird voraussichtlich im Herbst 2014 beginnen. Hier können Sie sich im Detail über die Maßnahmen, die umgesetzt werden sollen, informieren:

Detailplan Schlagmersch

Im fortlaufenden Text werden einige der geplanten Maßnahmen näher erläutert. Auf der linken Seite können Sie sich auch über die übrigen drei Maßnahmenblöcke näher informieren.

Im Maßnahmenblock Schlagmersch ist die Umsetzung folgender Maßnahmen geplant:

1. Uferentfesselung

In der Lippe werden auf etwa 600 Meter beide Uferseiten  „entfesselt“. Das heißt, die vorhandene Steinschüttung, die zur Uferbefestigung dient, wird entfernt. Diese „Rückbau-Maßnahme“ dient dazu, der Lippe ihre Bewegungsfreiheit und damit ihre natürliche Dynamik zurückzugeben. Als positive Folge dieser Entfesselung werden sich im Laufe der Zeit Steilufer und Flachwasserzonen bilden, die im Gegensatz zu den bisher gleichförmigen Böschungen sehr strukturreiche Lebensräume darstellen.

2. Anlage einer Sekundäraue

Um die Auenflächen nutzen zu können, wurden sie vielerorts durch Entwässerungsgräben trocken gelegt. Viele natürliche Gewässer wie Stillgewässer, Blänken und Flutmulden wurden verfüllt und das Gelände zum Schutz vor Hochwasser aufgehöht. Durch diese Maßnahmen gingen nicht nur wertvolle Lebensräume sondern auch wichtige Retentionsräume für Hochwasser verloren. Aue und Fluss – ehemals eine Einheit – wurden dadurch voneinander getrennt. Heute ist man bemüht, die Wechselwirkungen zwischen Fluss und Aue wieder herzustellen. In der Schlagmersch soll daher durch Bodenabtrag wieder eine knapp 2 ha große Überflutungsfläche, eine sogenannte Sekundäraue, geschaffen werden. Zum Schutz der angrenzenden Flächen, die nicht überflutet werden sollen, wird am nördlichen Rand der Sekundäraue Boden aufgetragen.

3. Anlegen und optimieren von Flutmulden

Flutmulden sind natürliche, struktur- und artenreiche Senken in der Landschaft, die das System Fluss-Aue bei hohen Wasserständen miteinander vernetzen. In den letzten Jahrhunderten wurden Flutmulden jedoch zur besseren Nutzung landwirtschaftlicher Flächen häufig verfüllt und eingeebnet – sie sind heute daher oft nur noch schwer erkennbar oder durch einen Blick auf historische Karten ermittelbar. Flutmulden sind aufgrund ihrer Auswirkungen auf den Wasserhaushalt von Fluss und Aue sehr wichtig (siehe Auenlebensräume) und bieten vielen seltenen Arten, wie verschiedenen Wasservögeln, einen Lebensraum. 

Im östlichen Bereich des Maßnahmenblockes „Schlagmersch“ wird daher ein vorhandener Graben, der an seinem nördlichen Ende in einen bestehenden Altarm (Altarm Peters) mündet, als Flutmulde an die Lippe angeschlossen. Die neue etwa 200 Meter lange Flutmulde wird zwischen 5 Meter und 13 Meter breit gestaltet. Auf diese Weise wird der Altarm Peters wieder frühzeitig mit Hochwasser durchflutet. 

4. Anlegen von Stillgewässern und Blänken

Stillgewässer und Blänken sind Bestandteile der ehemals natürlichen Aue und dienen verschiedenen Amphibien, Libellen, Fischen und Vögeln als Lebensraum (siehe Auenlebensräume). Stillgewässer sind tiefer als Blänken und trocknen daher nicht aus. Das heißt sie sind ganzjährig mit Wasser gefüllt und bieten sogenannten „Stillwasserarten“, das sind Arten, die keine Strömung mögen, einen idealen Lebensraum. Blänken bieten insbesondere vielen kleinen Tieren einen sicheren Lebensraum, da sie aufgrund des periodischen Trockenfallens keine Fische enthalten und Amphibien und Insektenlarven somit weniger Räuber zu fürchten haben.

Auch viele Stillgewässer und Blänken wurden im Laufe der Nutzbarmachung landwirtschaftlicher Flächen verfüllt und somit dauerhaft „trocken gelegt“. Viele ökologisch wichtige Lebensräume gingen dadurch verloren.

Im Maßnahmenblock Schlagmersch ist südlich der Lippe die Anlage von einem Stillgewässer und einer Blänke geplant. Das Stillgewässer wird dabei nahe des bereits aufgestellten Aussichtsturmes gebaut, so dass hier in Zukunft besonders gut die zurück kehrenden Tier- und Pflanzenarten beobachtet werden können.

5. Sanddünen

Sanddünen waren einst prägende Elemente in der Aue von Sandflüssen wie der Lippe. Die intensive Bewirtschaftung der Auen ließ sie aber nach und nach verschwinden. Der bei den Maßnahmen anfallende Sand soll im südlichen Teil der Schlagmersch, auf Höhe des Stillgewässers wieder zu zwei solcher Dünen aufgeschüttet werden. Dünen sind sehr arm an Nährstoffen und daher für bestimmte, heute selten gewordene Pflanzengesellschaften, wie z. B. den "Sandmagerrasen" ein wichtiger Standort. Darüber hinaus bieten sie Lebensräume für Schlupfwespen, Sandlaufkäfer, Flussregenpfeiffer und andere Tier- und Pflanzenarten.

6. Entwicklung und Optimierung von Auwald

In einer natürlichen Aue kommen auch Baumbestände vor, der sogenannte Auwald (siehe Auenlebensräume). Diese Waldart unterscheidet sich von anderen durch die Anpassung an die Beeinflussung durch das Flusswasser. Auwaldbäume vertragen es gut, wenn sie bei Hochwasser über einen längeren Zeitraum im Wasser stehen. Je nach Überflutungsdauer des Waldes unterscheidet man zwischen „Weich-" und „Hartholzauenwald“. Typische Baumarten der Hartholzaue sind: Stieleiche, Esche, Ahorn, Ulme und Traubenkirsche; typische Straucharten sind z. B. Weißdorn, Schwarzdorn, Roter Hartriegel, Pfaffenhütchen, Haselnuss oder Gewöhnlicher Schneeball. Der Auwald musste in der Lippeaue schon früh der Inanspruchnahme des Menschen weichen, er wurde zur Nutzung von Weiden und Ackerflächen gerodet, sodass im Projektgebiet aktuell nur noch ein sehr kleiner Anteil an Auwald vorkommt. Im Maßnahmenblock Schlagmersch südlich der Lippe wurden bereits erste Pflanzungen von typischen Auwaldbaumarten lange vor Beginn des LIFE+ Projektes durchgeführt. Dieser Baumbestand soll nun entsprechend durch einen Anschluss an das Wasserregime der Lippe optimiert werden. Außerdem soll die Auwaldfläche um eine nördlich der Lippe liegenden Fläche und um eine im Südwesten des Maßnahmenblockes liegende Fläche erweitert werden.

7. Naturnahe landwirtschaftliche Nutzung

Im Maßnahmenblock Schlagmersch sind beidseitig der Lippe auf dem Großteil der Flächen eine naturschonende landwirtschaftliche Nutzung (Extensivierung) geplant. Dabei werden Grünflächen entweder schonend beweidet oder zur Mahd genutzt. Gerade Feuchtwiesen und baumfreie Flächen bieten vielen bodenbrütenden Vögeln, wie z.B. dem Kiebitz einen Lebensraum. Eine schonende Beweidung von Grünland durch große Huftiere hält die Flächen frei von hochwachsender Vegetation. 

 

 

Bildnachweis

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Foto: © Hans Blossey