02.07.2014

Maßnahmenblock Schlagmersch

Der Maßnahmenblock Schlagmersch ist der westlichste Maßnahmenblock des LIFE+ Projektes und liegt in unmittelbarere Nähe zu Schloss Heessen. Aktuell ist noch nicht mit den Umsetzungen im Maßnahmenblock Schlagmersch begonnen worden, jedoch ist in diesem Gebiet die wohl spektakulärste Baumaßnahme des LIFE+ Projektes geplant: eine Sohlanhebung. Auf der linken Seite können Sie sich auch über die übrigen drei Maßnahmenblöcke näher informieren.

Im Maßnahmenblock Schlagmersch ist die Umsetzung folgender Maßnahmen geplant:

1. Sohlanhebung
In den 1960er Jahren wurden die Lippeufer mit Steinschüttungen versehen. Diese sollten ursprünglich der Sicherheit dienen, um das Lippewasser im Hochwasserfall schneller abzuführen. Außerdem wurde mit diesem Uferverbau die Beweglichkeit der Lippe unterbunden, sodass sich keine neuen Lippeschleifen bilden konnten. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde allerdings immer offensichtlicher, dass sich die Lippe aufgrund ihrer befestigten Ufer immer tiefer in ihr Flussbett eingräbt. Teilweise fließt sie nun mehrere Meter tiefer als in ihrem natürlichen Zustand. Dieser Absenkungsprozess, der als Sohlerosion bezeichnet wird, ist mit negativen Folgen verbunden; so tritt die Lippe nur noch alle paar Jahre über ihre Ufer und die ökologisch wertvollen Auenlebensräume gingen stark zurück. Als Gegenmaßnahme wird nun nicht nur die Uferbefestigung entlang der Lippe an vielen Stellen entfernt (siehe die drei übrigen Maßnahmenblöcke), sondern auch der Sohlerosion entgegengewirkt. Im Maßnahmenblock Schlagmersch ist auf einer Länge von rund 1.1km eine Sohlanhebung geplant, um die Lippe wieder auf ihr ursprüngliches Niveau anzuheben.

2. Laufverlängerung
Im Laufe des Lippeausbaus wurden nicht nur Ufer befestigt, sondern oft auch geschwungene Lippeschlingen durchstoßen, um die Lippe für die Schifffahrt gerader zu gestalten. Dadurch wurde der Lauf der Lippe verkürzt und ihre Fließgeschwindigkeit stieg an. Im westlichen Teil der Schlagmersch ist die Anlage von zwei neuen Lippeschleifen, die wie ein „S“ aufeinander folgen, geplant. Diese Laufverlängerung wird die Fließgeschwindigkeit der Lippe herabsetzen und somit die Erosionskraft der Lippe reduzieren. In Verbindung mit der Sohlanhebung kann die Lippe in der Schlagmersch somit wieder in ihren ursprünglichen Verlaufszustand zurückversetzt werden.

3. Anlegen und optimieren von Flutmulden
Flutmulden sind natürliche, struktur- und artenreiche Senken in der Landschaft, die das System Fluss-Aue bei hohen Wasserständen miteinander vernetzen. In den letzten Jahrhunderten wurden Flutmulden jedoch zur besseren Nutzung landwirtschaftlicher Flächen häufig verfüllt und eingeebnet – sie sind heute daher oft nur noch schwer erkennbar oder durch einen Blick auf historische Karten ermittelbar. Da Flutmulden aufgrund ihrer Auswirkungen auf den Wasserhaushalt von Fluss und Aue sehr wichtig sind (siehe Auenlebensräume) und vielen seltenen Arten (wie bestimmten Wasservögeln) einen Lebensraum bieten, ist im Maßnahmenblock Schlagmersch, wie auch in den anderen Maßnahmenblöcken, die Anlage einer Flutmulde geplant. Diese wird die Lippe bei hohen Wasserständen mit dem ehemaligen Altarm nördlich, also rechtsseitig der Fließrichtung, verbinden.

4. Umwandlung von Ackerfläche in Grünland und naturnahe der Bewirtschaftung
Im Maßnahmenblock Schlagmersch sind beidseitig der Lippe auf dem Großteil der Flächen eine naturschonende landwirtschaftliche Nutzung (Extensivierung) geplant. Dabei werden Grünflächen entweder schonend beweidet oder zur Mahd genutzt. Gerade Feuchtwiesen und baumfreie Flächen bieten vielen bodenbrütenden Vögeln einen Lebensraum. Eine schonende Beweidung von Grünland durch große Huftiere hält die Flächen frei von hochwachsender Vegetation. Die aktuell noch verbleibende Ackerfläche soll im Laufe des LIFE+ Projektes in eine Grünfläche überführt werden.

5. Entwicklung und Optimierung von Auwald
In einer natürlichen Aue kommen auch Baumbestände vor, der sogenannte Auwald (siehe Auenlebensräume). Diese Waldart unterscheidet sich von anderen durch die Anpassung an die Beeinflussung durch das Flusswasser. Auwaldbäume vertragen es gut, wenn sie bei Hochwasser über einen längeren Zeitraum im Wasser stehen. Je nach Überflutungsdauer des Waldes unterscheidet man zwischen „Weich-„ und „Hartholzauenwald“. Typische Baumarten der Hartholzaue sind: Stieleiche, Esche, Ahorn, Ulme und Traubenkirsche; typische Straucharten sind z. B. Weißdorn, Schwarzdorn, Roter Hartriegel, Pfaffenhütchen, Haselnuss oder Gewöhnlicher Schneeball. Der Auwald musste in der Lippeaue schon früh der Inanspruchnahme des Menschen weichen, er wurde zur Nutzung von Weiden und Ackerflächen gerodet, sodass im Projektgebiet aktuell nur noch ein sehr kleiner Anteil an Auwald vorkommt. Im Maßnahmenblock Schlagmersch südlich der Lippe wurden bereits erste Pflanzungen von typischen Auwaldbaumarten lange vor Beginn des LIFE+ Projektes durchgeführt. Dieser Baumbestand soll nun entsprechend durch einen Anschluss an das Wasserregime der Lippe optimiert und um eine am Ufer gegenüber liegende Fläche erweitert werden.

Bildnachweis

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Foto: © Hans Blossey