25.11.2014

Maßnahmenblock Mühlenlaar

Der Maßnahmenblock Mühlenlaar umfasst nördlich der Lippe gelegene Flächen um Schloss Oberwerries. Dieser Maßnahmenblock ist der kleinste des LIFE+ Projektes und liegt in unmittelbarer Nähe des Maßnahmenblocks C des bereits abgeschlossenen LIFE-Projektes mit seinem informativen Lippeauenpfad. Im Herbst 2011 wurden die Maßnahmen im Maßnahmenblock Mühlenlaar und damit die ersten im laufenden LIFE+ Projekt umgesetzt. 

Hier können Sie sich im Detail über die umgesetzten Maßnahmen informieren:

Detailplan Mühlenlaar

Die Bildergalerie gibt einen Überblick über die Durchführung der Umbaumaßnahmen:

Bildergalerie zu den Umbaumaßnahmen im Mühlenlaar

Im fortlaufenden Text werden einige der geplanten Maßnahmen näher erläutert.
Auf der linken Seite können Sie sich auch über die weiteren drei Maßnahmenblöcke informieren.

Im Maßnahmenblock Mühlenlaar wurden folgende Maßnahmen umgesetzt:

1. Uferentfesselung

Im östlichen Teil des Maßnahmenblocks wurde die Lippe rechtsseitig zur Fließrichtung „entfesselt“. Das heißt, die vorhandene Steinschüttung, die zur Uferbefestigung dient, wurde entfernt. Diese „Rückbau-Maßnahme“ dient dazu, der Lippe ihre Bewegungsfreiheit und damit ihre natürliche Dynamik zurückzugeben. Als positive Folge dieser Entfesselung ist es sehr wahrscheinlich, dass sich im Laufe der Zeit ein Steilufer bilden wird, welches zum Beispiel für Uferschwalben und Eisvögel attraktive Brutmöglichkeiten bietet. Übrigens: auf der gegenüber liegenden Seite ist das Ufer ebenfalls bereits entfesselt.

2. Anlegen und optimieren von Flutmulden

Flutmulden sind natürliche, struktur- und artenreiche Senken in der Landschaft, die das System Fluss-Aue bei hohen Wasserständen miteinander vernetzen. In den letzten Jahrhunderten wurden Flutmulden jedoch zur besseren Nutzung landwirtschaftlicher Flächen häufig verfüllt und eingeebnet – sie sind heute daher oft nur noch schwer erkennbar oder durch einen Blick auf historische Karten ermittelbar. Da Flutmulden aufgrund ihrer Auswirkungen auf den Wasserhaushalt von Fluss und Aue sehr wichtig sind (siehe Auenlebensräume) und vielen seltenen Arten, wie z.B. verschiedenen Wasservögeln, einen Lebensraum bieten, wurde im Maßnahmenblock Mühlenlaar eine „neue“ Flutmulde angelegt. Diese wird die Lippe zukünftig bei hohen Wasserständen mit dem ehemaligen Mühlteich östlich von Schloss Oberwerries verbinden. Zusätzlich wurde der Westhusener Bach aufgeweitet und ebenfalls als Flutmulde umstrukturiert.

3. Naturschonende landwirtschaftliche Nutzung

Wie auch in den übrigen drei Maßnahmenblöcken geplant, wurde im Mühlenlaar eine naturschonende landwirtschaftliche Nutzung (Extensivierung) umgesetzt. Dabei werden die Grünflächen entweder schonend beweidet oder zur Mahd genutzt. Gerade Feuchtwiesen und baumfreie Flächen bieten vielen bodenbrütenden Vögeln einen Lebensraum. Eine schonende Beweidung von Grünland durch große Huftiere hält die Flächen frei von hochwachsender Vegetation.

4. Entwicklung und Optimierung von Auwald

In einer natürlichen Aue kommen auch Baumbestände vor, der sogenannte Auwald (siehe Auenlebensräume). Diese Waldart unterscheidet sich von anderen durch die Anpassung an die Beeinflussung durch das Flusswasser. Auwaldbäume vertragen es gut, wenn sie bei Hochwasser über einen längeren Zeitraum im Wasser stehen. Je nach Überflutungsdauer des Waldes unterscheidet man zwischen „Weich-“ und „Hartholzauenwald“. Typische Baumarten der Hartholzaue sind: Stieleiche, Esche, Ahorn, Ulme und Traubenkirsche; typische Straucharten sind z. B. Weißdorn, Schwarzdorn, Roter Hartriegel, Pfaffenhütchen, Haselnuss oder Gewöhnlicher Schneeball. Der Auwald musste in der Lippeaue schon früh der Inanspruchnahme des Menschen weichen, er wurde zur Nutzung von Weiden und Ackerflächen gerodet, sodass im Projektgebiet aktuell nur noch ein sehr kleiner Anteil an Auwald vorkommt.
Im Maßnahmenblock Mühlenlaar wurden bereits erste Pflanzungen von typischen Auwaldbaumarten lange vor Beginn des LIFE+ Projektes durchgeführt. Dieser Baumbestand wurde nun entsprechend durch einen Anschluss an das Wasserregime der Lippe optimiert und durch weitere Anpflanzungen erweitert. In Zusammenarbeit mit dem Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald und der Zukunftsfabrik Hamm wurde im Rahmen des Projektes eine fast verschwundene Baumart unserer Auenlandschaft wieder angepflanzt - die Schwarzpappel (Populus nigra) (siehe Auenpost Nr. 19).

5. Besucherlenkung

In einem Naturschutzgebiet stellt der Mensch häufig unwissentlich einen Störfaktor für viele empfindliche Tier- und Pflanzenarten dar. Um gerade das besonders erhaltenswerte FFH-Gebiet „Lippeaue zwischen Hangfort und Hamm“ mit all seinen stark schützenswerten Arten dennoch für Bürgerinnen und Bürger zugänglich zu machen, ist eine gezielte Besucherlenkung von entscheidender Bedeutung. In Schlossnähe ist die Anlage einer Lippequerung in Form einer mit Muskelkraft zu betreibenden Fähre, auf der auch Fahrräder Platz finden, geplant. Die Lippefähre ist am 25. April 2013 in Betrieb gegangen. Weitere Informationen zur Lippefähre finden Sie hier Lippefähre.

Bildnachweis

Bildergalerie rechte Spalte oben:
Foto: © Hans Blossey