Maßnahmenblock Mühlenlaar
Der Maßnahmenblock Mühlenlaar umfasst nördlich der Lippe gelegene Flächen um Schloss Oberwerries. Dieser Maßnahmenblock ist der kleinste des LIFE+ Projektes und liegt in unmittelbarer Nähe des Maßnahmenblocks C des ehemaligen LIFE-Projektes mit seinem informativen Lippeauen-Pfad. Anfang August wurde mit den Umsetzungen im Maßnahmenblock Mühlenlaar begonnen. Somit werden in diesem Maßnahmenblock die ersten Baumaßnahmen des LIFE+ Projektes umgesetzt.
Hier können Sie sich im Detail über die geplanten Maßnahmen informieren:
Im fortlaufenden Text werden einige der geplanten Maßnahmen näher erläutert.
Auf der linken Seite können Sie sich auch über die übrigen drei Maßnahmenblöcke näher informieren.
Im Maßnahmenblock Mühlenlaar ist die Umsetzung folgender Maßnahmen geplant:
1. Uferentfesselung
Im östlichen Teil des Maßnahmenblocks wird die Lippe rechtsseitig zur Fließrichtung „entfesselt“. Das heißt, die vorhandene Steinschüttung, die zur Uferbefestigung dient, wird entfernt. Diese „Rückbau-Maßnahme“ dient dazu, der Lippe ihre Bewegungsfreiheit und damit ihre natürliche Dynamik zurückzugeben. Als positive Folge dieser Entfesselung ist es sehr wahrscheinlich, dass sich im Laufe der Zeit ein Steilufer bilden wird, welches zum Beispiel für Uferschwalben und Eisvögel attraktive Brutmöglichkeiten bietet. Übrigens: auf der gegenüber liegenden Seite ist das Ufer bereits entfesselt.
2. Anlegen und optimieren von Flutmulden
Flutmulden sind natürliche, struktur- und artenreiche Senken in der Landschaft, die das System Fluss-Aue bei hohen Wasserständen miteinander vernetzen. In den letzten Jahrhunderten wurden Flutmulden jedoch zur besseren Nutzung landwirtschaftlicher Flächen häufig verfüllt und eingeebnet – sie sind heute daher oft nur noch schwer erkennbar oder durch einen Blick auf historische Karten ermittelbar. Da Flutmulden aufgrund ihrer Auswirkungen auf den Wasserhaushalt von Fluss und Aue sehr wichtig sind (siehe Auenlebensräume) und vielen seltenen Arten (wie bestimmten Wasservögeln) einen Lebensraum bieten, ist im Maßnahmenblock Mühlenlaar das Anlegen einer „neuen“ Flutmulde geplant. Dieser wird die Lippe zukünftig bei hohen Wasserständen mit dem ehemaligen Mühlteich östlich von Schloss Oberwerries verbindet. Zusätzlich ist geplant, den Westhusener Bach aufzuweiten und ebenfalls als Flutmulde umzustrukturieren.
3. Naturschonende landwirtschaftliche Nutzung
Wie auch in den übrigen drei Maßnahmenblöcken ist im Mühlenlaar eine naturschonende landwirtschaftliche Nutzung (Extensivierung) geplant. Dabei werden Grünflächen entweder schonend beweidet oder zur Mahd genutzt. Gerade Feuchtwiesen und baumfreie Flächen bieten vielen bodenbrütenden Vögeln einen Lebensraum. Eine schonende Beweidung von Grünland durch große Huftiere hält die Flächen frei von hochwachsender Vegetation.
4. Entwicklung und Optimierung von Auwald
In einer natürlichen Aue kommen auch Baumbestände vor, der sogenannte Auwald (siehe Auenlebensräume). Diese Waldart unterscheidet sich von anderen durch die Anpassung an die Beeinflussung durch das Flusswasser. Auwaldbäume vertragen es gut, wenn sie bei Hochwasser über einen längeren Zeitraum im Wasser stehen. Je nach Überflutungsdauer des Waldes unterscheidet man zwischen „Weich-“ und „Hartholzauenwald“. Typische Baumarten der Hartholzaue sind: Stieleiche, Esche, Ahorn, Ulme und Traubenkirsche; typische Straucharten sind z. B. Weißdorn, Schwarzdorn, Roter Hartriegel, Pfaffenhütchen, Haselnuss oder Gewöhnlicher Schneeball. Der Auwald musste in der Lippeaue schon früh der Inanspruchnahme des Menschen weichen, er wurde zur Nutzung von Weiden und Ackerflächen gerodet, sodass im Projektgebiet aktuell nur noch ein sehr kleiner Anteil an Auwald vorkommt.
Im Maßnahmenblock Mühlenlaar wurden bereits erste Pflanzungen von typischen Auwaldbaumarten lange vor Beginn des LIFE+ Projektes durchgeführt. Dieser Baumbestand soll nun entsprechend durch einen Anschluss an das Wasserregime der Lippe optimiert und erweitert werden.
5. Besucherlenkung
In einem Naturschutzgebiet stellt der Mensch häufig unwissentlich einen Störfaktor für viele empfindliche Tier- und Pflanzenarten dar. Um gerade das besonders erhaltenswerte FFH-Gebiet „Lippeaue zwischen Hangfort und Hamm“ mit all seinen stark schützenswerten Arten dennoch für Bürgerinnen und Bürger zugänglich zu machen, ist eine gezielte Besucherlenkung von entscheidender Bedeutung. In Schlossnähe ist die Anlage einer Lippequerung in Form einer mit Muskelkraft zu betreibenden Fähre, auf der auch Fahrräder Platz finden, geplant.
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Foto: © Hans Blossey


