02.07.2014

Maßnahmenblock Heidemühle

Der Maßnahmenblock „Heidemühle“ ist der östlichste der vier Maßnahmenblöcke und bildet gleichzeitig das östliche Ende des FFH-Gebietes „Lippeaue zwischen Hangfort und Hamm“. Der Maßnahmenblock lässt sich in seinen nördlichen Teilbereich (rechtsseitig der Fließrichtung der Lippe), und seinen südlichen Teilbereich (linksseitig der Fließrichtung der Lippe) unterteilen.
Aktuell ist noch nicht mit der Umsetzung im Maßnahmenblock Heidemühle begonnen worden.
Auf der linken Seite können Sie sich auch über die übrigen drei Maßnahmenblöcke näher informieren.

Im Maßnahmenblock Heidemühle ist die Umsetzung folgender Maßnahmen geplant:

1. Uferentfesselung
Über eine Strecke von mehreren hundert Metern wird die Lippe hier „entfesselt“, das heißt, die vorhandene Steinschüttung, die zur Uferbefestigung dient, wird entfernt. Diese „Rückbau-Maßnahme“ dient dazu, der Lippe ihre Bewegungsfreiheit und damit ihre natürliche Dynamik zurückzugeben. Als positive Folge dieser Entfesselung werden sich im Laufe der Zeit Steilufer und Flachwasserzonen bilden, die im Gegensatz zu den bisher gleichförmigen Böschungen sehr strukturreiche Lebensräume darstellen.

2. Anlegen und optimieren von Flutmulden
Flutmulden sind natürliche, struktur- und artenreiche Senken in der Landschaft, die das System Fluss-Aue bei hohen Wasserständen miteinander vernetzen. In den letzten Jahrhunderten wurden Flutmulden jedoch zur besseren Nutzung landwirtschaftlicher Flächen häufig verfüllt und eingeebnet – sie sind heute daher oft nur noch schwer erkennbar oder durch einen Blick auf historische Karten ermittelbar. Da Flutmulden aufgrund ihrer Auswirkungen auf den Wasserhaushalt von Fluss und Aue sehr wichtig sind (siehe Auenlebensräume) und vielen seltenen Arten (wie bestimmten Wasservögeln) einen Lebensraum bieten, ist im südlichen Teilbereich des Maßnahmenblocks das Anlegen einer „neuen“ Flutmulde geplant.

3. Anlegen von Stillgewässern und Blänken
Stillgewässer sind Bestandteile der ehemals natürlichen Aue und dienen verschiedenen Amphibien, Libellen, Fischen und Vögeln als Lebensraum (siehe Auenlebensräume). Stillgewässer sind tiefer als Blänken und trocknen daher nicht aus. Das heißt sie sind ganzjährig mit Wasser befüllt und bieten sogenannten „Stillwasserarten“, das sind Arten, die keine Strömung mögen, einen idealen Lebensraum. Blänken bieten insbesondere vielen kleinen Tieren einen sicheren Lebensraum, da sie aufgrund des periodischen Trockenfallens keine Fische enthalten und Amphibien und Insektenlarven somit weniger Räuber zu fürchten haben.
Auch viele Stillgewässer und Blänken wurden im Laufe der Nutzbarmachung landwirtschaftlicher Flächen verfüllt und somit dauerhaft „trocken gelegt“. Viele ökologisch wichtige Lebensräume gingen dadurch verloren.
Im südlichen Teilbereich des Maßnahmenblockes, voraussichtlich im Bereich Hammersch, ist die Anlage eines Stillgewässers als auch mindestens einer Blänke geplant.

4. Wiedervernässung und Randsumpfentwicklung
Ehemals waren die Grünlandflächen der Aue feucht und standen besonders im Winter häufig mehrere Wochen unter Wasser. Die Wiesen der Aue verwandelten sich so zeitweise in große Wasserflächen, welche vor allem für Wasservögel einen attraktiven Aufenthaltsort bieten. Auch für Frösche, Molche und andere Amphibien sind solche Orte ideale Lebensräume.
In Randsümpfen bilden sich oft große Röhrichte, welche insbesondere Libellen und schilfliebenden Vogelarten, wie den Rohrsängern, attraktive Brutgebiete mit einem reichen Nahrungsangebot bieten.
Die Aufweitung und der Anstau von bestehenden Entwässerungsgräben soll zur Wiedervernässung der Wiesen und Weiden im nördlichen Teilbereich des Maßnahmenblocks Heidemühle beitragen. Auch im südlichen Teilbereich des Maßnahmenblocks (im Bereich des Mühlenbachs) sind Wiedervernässungen durch die Anlage eines Randsumpfgebietes geplant. Insgesamt sind im Maßnahmenblock Heidemühle bodennahe Wiedervernässungsmaßnahmen auf rund 5.2 ha Fläche geplant.

5. Grabenverlegung
Viele Entwässerungsgräben entlang der Lippe münden nicht mehr in die Lippe selbst. Dadurch ist ein Austausch des Grabenwassers mit Flusswasser nicht möglich und für viele kleine Tiere wird die Wanderung in die Lippe entlang des Grabens erheblich erschwert. Im nördlichen Bereich des Maßnahmenblocks Heidemühle, im Bereich der Totenmersch, ist daher die Verlegung eines Entwässerungsgrabens geplant. Dieser steht aktuell nicht im Kontakt mit der Lippe und soll nach Abschluss der Baumaßnahme direkt in einer Lippeschleife münden. Die Länge dieser Grabenverlegung beträgt rund 300m.

6. Naturschonende landwirtschaftliche Nutzung
Im gesamten Maßnahmenblock Heidemühle ist eine naturschonende landwirtschaftliche Nutzung (Extensivierung) geplant. Dabei werden Grünflächen entweder schonend beweidet oder zur Mahd genutzt. Gerade Feuchtwiesen und baumfreie Flächen bieten vielen bodenbrütenden Vögeln einen Lebensraum. Eine schonende Beweidung von Grünland durch große Huftiere hält die Flächen frei von hochwachsender Vegetation.

Bildnachweis

Bildergalerie rechte Spalte oben:
Foto: © Hans Blossey