26.02.2015

Das Leitbild Bürgerkommune Hamm

Die aktuelle Diskussion um das bürgerschaftliche Engagement und seine Stärkung ist Ausdruck tiefgreifender sozialer Wandlungsprozesse. Der wachsenden Komplexität und Anonymität demokratischer Gesellschaften setzen immer mehr Menschen den Wunsch nach persönlicher Mitwirkung, nach aktiver Gestaltung der eigenen Lebensverhältnisse entgegen. Demokratie lebt vom freiwilligen Engagement der Bürgerinnen und Bürger - dies gilt für die Gesellschaft insgesamt, dies gilt in besonderer Weise für die „Demokratie vor der Haustür”, die kommunale Selbstverwaltung, in der soziale und kulturelle Entwicklungen unmittelbar erlebt und erfahren werden.

Wer die Kommunen nur als „verlängerten Arm” staatlicher Einflüsse missversteht oder als bürokratische Veranstaltung fern der Lebenswirklichkeit der Menschen, der verhindert - gewollt oder ungewollt - die Entfaltung bürgerschaftlichen Engagements. Unter dem Leitbild der Bürgerkommune fügt die Stadt Hamm verschiedenste Einzelprojekte zu einem Zukunfts- und Modernisierungskonzept zusammen, das als wesentliches Element die Herstellung einer örtlichen Verantwortungsgemeinschaft von Politik, Verwaltung und Bürgerschaft beinhaltet.

Die viel diskutierte Rückbesinnung auf das Lokale, die Aufwertung des Örtlichen, die Wiederbelebung der kommunalen Selbstverwaltung als soziale und politische Ressource - dies erfordert neue und unkonventionelle Kooperationsformen zwischen aktiven, engagierten Bürgerinnen und Bürgern auf der einen und einer bürgerorientierten Politik und Verwaltung auf der anderen Seite. Die Bürgergesellschaft ist keine Selbstverständlichkeit; sie bedarf im Gegenteil eines oft langwierigen, mitunter schwierigen Lernprozesses aller Beteiligten. Will die Verwaltung „Maßarbeit” im Sinne einer bürgerorientierten Kommune betreiben, dann muss einiges verändert und weiter entwickelt werden: Arbeitsmethoden, Aufgabenprofile, Sichtweisen, organisatorische Verfahren, Rollenzuweisungen usw.

Ein erster, notwendiger Schritt auf diesem Wege war die Umwandlung der „klassischen Behörde” in ein modernes Dienstleistungsunternehmen, der Übergang vom Bürokratiemodell traditioneller Prägung zum Neuen Steuerungsmodell. Aber so notwendig bedarfsgerechte, „passgenaue” Verwaltungsstrukturen und -abläufe auch sind: In der weiteren Entwicklung muss es darum gehen, die Bürger als Mitgestalter, als Produzenten oder Koproduzenten der örtlichen Gemeinschaft zu akzeptieren, zu fordern und zu fördern, d. h., entsprechende Rahmenbedingungen und ein geeignetes Umfeld für bürgerschaftliches Engagement zu schaffen.
Es geht um nichts Geringeres als einen umfassenden Perspektiv-Wechsel: Nicht die Verwaltungssicht eines Problemes, sondern das Bürgerinteresse hat im Zentrum des Verwaltungshandelns zu stehen. Von der Verwaltungslogik zur Bürgerlogik ließe sich diese Entwicklung auf eine griffige Formel bringen. Allerdings ist hier einem möglichen Missverständnis vorzubeugen: Bürgerschaftliche Selbstorganisation bedeutet nicht automatisch den vollständigen Rückzug der Verwaltung – dies würde im Gegenteil die Arbeit vieler Initiativen und Organisationen unmöglich machen. Umgekehrt darf die ehrenamtliche Tätigkeit nicht „ins Behördliche” übernommen und damit ihres eigentlichen Charakters beraubt werden. Es wird deshalb darauf ankommen, ein kommunales Klima zu schaffen, das bürgerschaftliches ehrenamtliches Engagement begünstigt, motiviert und bestärkt.

Das Leitbild der „Bürgerkommune Hamm”:
Ein neues Partnerschaftsmodell, eine neue Form des kommunalen Miteinanders, die geübt und gepflegt werden muss!