26.01.2012

"Ja" zur Einbürgerung

Die Zahl der Einbürgerungen steigt in Hamm seit drei Jahren deutlich. In diesem Jahr möchte das Hammer Bürgeramt für Migration und Integration mit einer Kampagne noch einmal massiv für die Einbürgerung werben. Im Interview erklärt Günter Schwibbe, Integrationsbeauftragter der Stadt Hamm, die Situation in Hamm – und warum Stadt und Migranten deutlich von Einbürgerungen profitieren.  

Newsletter: Herr Schwibbe, warum sollten sich Migranten einbürgern lassen?

Schwibbe: Es ist  die einzige Möglichkeit, die gleichen Rechte wie alle Bürgerinnen und Bürger zu bekommen. In vielen Punkten sind Migranten ohne deutschen Pass benachteiligt. Das fängt bei Grundrechten wie der eingeschränkten Versammlungsfreiheit an, über gewisse Einschränkungen bei der Berufsfreiheit, bei der Wahl des Aufenthaltsortes ebenso wie bei der Reisefreiheit und geht bis zum fehlenden Wahlrecht auf allen politischen Ebenen. Im Leben von Migranten ohne deutschen Pass schlägt sich das so nieder, das viele Behördengänge anstehen, die Mühe, Aufwand und Zeit kosten.  
Newsletter: Und warum ist es für die Stadt Hamm wichtig, dass sich möglichst viele Migranten einbürgern lassen?

Schwibbe: Zunächst einmal ist es ein Bekenntnis zu unserer freiheitlichen Grundordnung des Grundgesetzes. Sie zeigen damit außerdem ihre Verbundenheit mit ihrem Lebensmittelpunkt, mit Hamm. Bewusst ist bei uns die Einbürgerung ein feierlicher Akt im Rathaus, mit Oberbürgermeister und Singen der Nationalhymne – und kein bloßer Verwaltungsakt. Es soll auch ein „Willkommen“ in der Gesellschaft signalisieren. Wir haben festgestellt, dass die Einbürgerung vielfach als Integrationsschub wirkt. Eingebürgerte strengen sich wesentlich mehr an, sich zu integrieren. Auch die Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement steigt. Deshalb werben wir dafür, sich sofort einbürgern zu lassen, wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen.

Newsletter: Wie sind denn die Einbürgerungszahlen in Hamm?

Schwibbe: Wir sind auf einem guten Weg. In den vergangenen drei Jahren konnten wir einen deutlichen Zuwachs verzeichnen. Von 2009 auf 2010 konnten wir uns um 80 Einbürgerungen, also genau ein Drittel auf 317 Einbürgerungen steigern. Im vergangen Jahr konnten wir noch einmal ein Plus von 22 Prozent verzeichnen, auf 387 Einbürgerungen. Wir gehen nach Schätzungen allerdings davon aus, dass noch bis zu 10.000 Menschen in Hamm die Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllen würden. In diesem Jahr wollen wir deshalb mit einer eigenen Einbürgerungskampagne noch weiter in die Offensive gehen.

Newsletter: Wie sollten Migranten vorgehen, die mit dem Gedanken spielen, sich einbürgern zu lassen?

Schwibbe: Sie sollten direkt zu einem Beratungsgespräch ins Bürgeramt für Migration und Integration kommen. Wir beraten Sie persönlich, vertraulich, kostenlos und unverbindlich und helfen Ihnen gerne bei allen dafür zu erledigenden Aufgaben. Ein Einbürgerungsanspruch besteht unter anderen, wenn ein Migrant sich seit acht Jahren rechtmäßig und gewöhnlich in der Bundesrepublik Deutschland aufhält und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt. Es gibt aber auch noch andere Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen. Nach einem Beratungsgespräch können wir sagen, ob die Voraussetzungen vorliegen. Wir raten davon ab, sich im Internet die Antragsformulare zu besorgen und direkt ohne Beratung einen Antrag zu stellen.  

Newsletter: Warum?

Schwibbe: Die Gebühr für die Einbürgerung beträgt für jeden Antragsteller  255 Euro. Der Großteil der Gebühr muss leider auch gezahlt werden, wenn der Antrag abgelehnt wird. Das ist natürlich sehr ärgerlich für den Betroffenen. Durch unsere Beratung können wir das vermeiden. Wer von uns im Beratungsgespräch signalisiert bekommt, dass er die Voraussetzungen erfüllt, dessen Antrag wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erfolgreich sein. Es sei denn, es verändern sich während des Verfahrens die Voraussetzungen, zum Beispiel durch eine Straftat.

Newsletter: Wie sind die Rückmeldungen zu den Beratungsleistungen?

Schwibbe: Bei zwei Kundenbefragungen in den vergangen fünf Jahren bekam das Bürgeramt für Migration und Integration in allen Bereichen gute bis sehr gute Noten – auch bei der Beratung zur Einbürgerung.