01.12.2016

Förderantrag „Erlebensraum Lippeaue“:

Naturnahe Erholung, Aue und Lippestrand

143 Seiten lang ist das Integrierte Handlungskonzept zum Projekt „Erlebensraum Lippe“, mit dem sich die Stadt Hamm um Fördermittel für das große Natur- und Stadtentwicklungsprojekt im Herzen der Hammer Innenstadt beworben hat.

Es verbindet Freizeit-Attraktionen wie den Lippestrand mit ökologischen und sozialen Zielen.
Die Pläne zum „Erlebensraum Lippeaue“ wurden den zuständigen Fachgremien bereits in einer Sondersitzung am 29. November vorgestellt. Am 1. Dezember wurde das Konzept dann dem Düsseldorfer Umweltministerium übergeben, das über die Fördermittel aus dem Sonderprogramm „Grüne Infrastruktur“ entscheidet. „Ich bin sehr stolz darauf, dass es innerhalb weniger Wochen gelungen ist, dieses Konzept zusammenzuschreiben. Das war uns nur deshalb möglich, weil die Verantwortlichen die letzten Wochenenden durchgearbeitet haben: Dafür möchte ich an dieser Stelle nicht nur den Mitarbeitern meines Hauses ein herzliches Dankeschön sagen, sondern auch dem Lippeverband und der Bezirksregierung, die uns bei der Erstellung dieser Planung maßgeblich unterstützt haben“, betonte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann. „Wir haben dem Ministerium ein Konzept vorgelegt, das Hand und Fuß hat und unter den Aspekten des Natur- und Umweltschutzes genauso attraktiv ist wie unter städtebaulichen Aspekten. Wenn wir alles so hinbekommen, wie es geplant ist, dann wird dieses Projekt ein Aushängeschild für die gesamte Region.“

Über Straße, Kanal und Lippe hinweg?
Spektakulärste Projekt-Idee ist der Bau einer Seilbahn, die über Kanal und Lippe direkt in den Kernbereich (zwischen Fährstraße und Münsterstraße) führen soll. „Wir haben an dieser Stelle den Mut zu einer ungewöhnlichen Planung gezeigt: Stand heute kann niemand sagen, inwieweit diese Ideen tatsächlich förderfähig sind. Das wäre die Voraussetzung, um die Pläne überhaupt weiterzudenken“, betonte Hunsteger-Petermann. Gleichzeitig erklärte der Oberbürgermeister, dass die Seilbahn nicht nur eine besondere Attraktion im Rahmen des Gesamtkonzeptes sei, sondern auch ein wesentliches Problem löse: „Das Gesamtkonzept macht nur Sinn, wenn es uns gelingt, die Menschen zum Wasser zu bringen. Der sensible Bereich rund um Lippe und Kanal lässt nicht alle Planungen zu, die grundsätzlich denkbar sind. Die Seilbahn wäre in jedem Fall die eleganteste Lösung - und zudem die schonendste.“

Blick aus der Strandarena mit dem Auenpark und der Seilbahn im Hintergrund

Lippestrand und weitere Lippeschlinge
Im Auenpark zwischen Fährstraße und Münsterstraße sollen Gastronomie, Spielmöglichkeiten für Kinder und weitere Freizeitangebote entstehen. Ein „Lippestrand“ sieht den direkten Zugang zum Wasser vor. „Wir haben bei der Planung größten Wert darauf gelegt, dass sämtliche Ideen im Einklang mit dem Natur- und Umweltschutz stehen: Schließlich soll dieses Projekt in die Natur führen und für die Natur begeistern“, betonte Jörg Mösgen als zuständiger Umweltdezernent. Zu den weiteren Planungen sagte Mösgen, dass der Mitteldamm im Zuge des Projektes verlegt und in Teilen neu geplant werden müsse: „Das ist schon deshalb notwendig, weil wir über den Mitteldamm einen Anschluss an den geplanten Radschnellweg schaffen wollen. Überhaupt kommt dem Fahrrad beim Gesamtprojekt große Bedeutung zu – so wie bei den ersten beiden Life-Projekten auch.“ Projektleiter Dr. Oliver Schmidt-Formann vom städtischen Umweltamt erklärte, dass die Planung über die städtebaulichen Elemente hinaus zahlreiche Maßnahmen zum Natur- und Umweltschutz vorsehe: Unter anderem soll eine weitere „Lippeschlinge“ angelegt werden, um den Lauf des Flusses um 800 Meter zu verlängern. „Wir wollen mit dieser Maßnahme den natürlichen Verlauf wieder herstellen – und zudem wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen schaffen“, sagt Dr. Oliver Schmidt-Formann zum Hintergrund der Maßnahme.

Blick aus der Luft auf den Bereich mit der neuen anzulegenden Lippeschlinge. Am Rand ist eine Herde der angedachten Wanderschäferei (Teil des Erlebnisbauernhofs) zu sehen

Ökologische und soziale Zielrichtung: der Erlebnisbauernhof
Neben den genannten Aspekten sehen die Kriterien des Förderprogramms „Grüne Infrastruktur“ auch soziale Aspekte vor: Diesen Kriterien möchte die Stadt Hamm mit einem „Erlebnisbauernhof“ entsprechend, der unter anderem die Einbindung benachteiligter Gruppen vorsieht. „Neben einem kleinen Café ist im Rahmen dieses Bauernhofes auch ein Laden vorstellbar, in dem die eigenen Produkte direkt verkauft werden. Neben dem landwirtschaftlichen Betrieb soll es auf dem Gelände aber auch umweltpädagogische Angebote zum Lernen und Erleben geben“, erklärte Ulf Rosenbaum als stellvertretender Leiter des Umweltamtes. Außerhalb des Bauernhofes könnten verschiedene Teile des Projektgebietes für die Beweidung mit Ziegen genutzt werden.

Stadtbaurätin Rita Schulze Böing betonte, dass das Projekt „Erlebensraum Lippe“ im direkten Zusammenhang mit der Planung der Kanalkante stehe: „Im Idealfall entstehen diesseits und jenseits von Lippe und Kanal zwei tolle Projekte, die wie Puzzleteile direkt ineinandergreifen. Bevor wir den Wettbewerb für die Gestaltung der Kanalkante ausloben, werden wir erst einmal abwarten, welche Maßnahmen aus dem anderen Projekt gefördert werden.“