04.08.2017

Mehr als 550 Besucher

Feierlicher Startschuss für den Abriss

Spätestens in der knapp 60 Quadratmeter großen Wohnung im dritten Stock ist für Bärbel und Hans Philipp klar: „Hier kann doch keiner wohnen, das ist ja schrecklich.“ So wie dem Ehepaar aus Hamms Norden ging es am Samstagvormittag vielen Bürgern, die letztmalig das „Gammel-Hochhaus“ in der Heessener Straße/ Ecke Münsterstraße besichtigt haben, das in den kommenden Wochen abgerissen wird.

Das Interesse an der „Abrissparty“ der Stadt war riesig: Mehr als 550 Besucherinnen und Besucher waren den Vormittag über der Einladung der Stadt gefolgt – und haben sich selbst ein Bild vom Hochhaus-Komplex an der Heessener Straße gemacht. „Ich war in den letzten Tagen einige Male im Hochhaus und jedes Mal aufs Neue schockiert. Von außen ist es schon hässlich, aber innen wird es richtig unangenehm. Auch wenn das Haus jetzt leer ist, darf man eines nicht vergessen: Hier wohnten noch vor wenigen Monaten viele Menschen – und das nicht gerade günstig. Ich bin froh, dass wir heute deutlich machen konnten, warum wir als Stadt handeln mussten und diese Gebäude abreißen werden“, betont Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann. Bezirksvorsteherin Erzina Brennecke hob in ihrer Rede die städtebauliche Entwicklung am markanten Eingangstor des Hammer Nordens hervor: „Wir können positiv nach vorne schauen. Es ist hier eine schöne Lage, die aufgewertet wird. Ich freue mich darauf, was hier in Zukunft entsteht.“ Nach den offiziellen Reden folgte ein weiteres Highlight: Eine spektakuläre Klettershow an der Fassade des maroden Hochhauses.

Von den „schlimmen Zuständen“, die der OB erwähnt, haben sich viele Bürger selbst überzeugt. Ab 10 Uhr morgens gab es Führungen durch das Gebäude: vorbei an zerbrochenen Fenstern, dreckigen Böden, beschmierten Fluren und schimmeligen Wänden. „Die Zustände hier sind verheerend, man traut sich gar nicht, irgendetwas anzufangen. Die Menschen, die hier gelebt haben, können einem leidtun – zum Glück ist damit bald Schluss“, sagt Bärbel Philipp. Deshalb sind die Tage des „Gammel-Hochhauses“ gezählt: Bereits in der kommenden Woche werden die Schadstoffsanierung und Entkernung des Gebäudes beginnen. Voraussichtlich vier Wochen wird es dauern, um Fenster und Türen auszubauen und Fassadenplatten zu entfernen. Wenn dann nur noch der Beton-Rohbau steht, rollen ab Ende August die Bagger an: Der Abbruch des Gebäudes erfolgt mit einem speziellen Longfront-Bagger und wird rund vier Wochen dauern. Momentan läuft der Wettbewerb zur Nachnutzung des mehr als 2.500 Quadratmeter großen Geländes. Am 31. August wird eine Jury den Wettbewerbssieger bestimmen. Dieser Siegerentwurf soll dann voraussichtlich ab Mitte kommenden Jahres umgesetzt werden.