19.10.2017

Musikpavillon

Der höher gesetzte, oval ausgebildete Pavillon mit seiner auf acht Betonsäulen ruhenden markanten Haube bildet das Herzstück des Ostrings. Das symmetrisch gestaltete Bauwerk wird mit jeweils acht Säulen zu beiden Seiten mit aufgelegter hölzerner Pergola zu einer harmonischen Einheit komplettiert. Insbesondere aus Richtung des Pendants Bärenbrunnen betrachtet, entfaltet sich die volle Wirkung als „Point de vue“, also als bewusst inszenierter Blickfang am Ende einer Sichtachse. Mit seinen Brüstungsmauern aus verputztem Eisenbeton und den beiden flankierenden Freitreppen wächst das Bauwerk aus der tiefer gelegenen Gartenseite empor. Unterhalb des Pavillons luden bereits in der ursprünglichen Gestaltung Parkbänke zum Verweilen ein. Von hier aus hatte man einen schönen Blick auf den Bärenbrunnen und den dahinter liegenden Otto-Krafft-Platz. In den Wochen nach der Einweihung fanden sonntags im Musikpavillon Promenadenkonzerte statt. Der Westfälischer Anzeiger berichtet einen Tag nach der Eröffnung des Ostrings: „Den herrlichen Genuß, in den schönen Anlagen bei den Klängen guter Musik zu promenieren, teilten sich erfreulicherweise alle Stände unserer Bevölkerung.“

Eine Ansicht des Musikpavillons aus dem Jahre 1920  

Der Erste Weltkrieg setzte bereits kurz nach Fertigstellung der Anlage dem unbeschwerten Dasein ein Ende. Die in den Kriegsjahren unterlassene Pflege ging an den Ringanlagen nicht spurlos vorüber. Die Kupferabdeckung des Musikpavillons musste für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Eine schlichte Abklebung mit Dachpappe schützte den Pavillon vor der Witterung. Wohl aus Kostengründen wurde später eine Schieferdeckung aufgebracht, ein Material, das jedoch nie so recht zu der leichten und beschwingten Form des Daches passen wollte.

Das einzigartige Gartendenkmal steht seit 1986 unter Schutz. 2011 wurden im Zuge einer umfassenden Sanierung die Kunststeinbauteile des Pavillons aufgearbeitet und die Kuppel rekonstruiert. Die stark geschädigten Doppelalleen mussten komplett erneuert werden.

Ringanlagen

Am 14. Juni 1914 wurde der Ostring, eine gärtnerisch gestaltete Freifläche im Bereich der ehemaligen Stadtbefestigung von Hamm, feierlich eröffnet. Vorausgegangen war die Verlegung von Lippe und Ahse im Zusammenhang mit dem Bau des heutigen Datteln-Hamm-Kanals 1910 bis 1914. Oberbürgermeister Richard Matthaei unterstützte die Initiative des Stadtbaurats Otto Krafft, anstelle der Flussläufe und Stadtgräben die Ringanlagen zu schaffen. Zur Gestaltung des Grüngürtels wurde 1912 ein Wettbewerb durchgeführt.

Den ersten Preis des Wettbewerbs zur Gestaltung der Ringanlagen bekam im April 1912 der Entwurf "Bürgersinn schmücke die Stadt mit des Ringwalls grünendem Kranze" des Regierungsbaumeisters a.D. Dr. Ing. Jakob Dondorff aus Hamm, des Architekten Hermann Neuhaus und der Gartenarchitekten Reinhardt und Rausch aus Köln. Dieser Entwurf nutzt die bestehenden geographischen Verhältnisse mit dem Ziel, die Ringpromenade in das Städtebild einzufügen. Architektonische Strenge und gärtnerische Gestaltung der Flächen wechseln sich ab, um so eine Vielfalt zu erzeugen. Die veranschlagten Ausgaben für die Verlegung der Ahse und die Anlage der Ringpromenade beliefen sich auf 1 900 000 Mark (heute 8.930.000 €uro).

Prägende Elemente der Anlage sind neben dem Musikpavillon und dem Bärenbrunnen das Tiefparterre mit den begleitenden Alleen und den dazwischen liegenden profilierten Rasenflächen. war als Teilstück und Abgrenzung des geplanten Rathausplatzes gedacht. Der Gesamtentwurf wurde zum Teil umgesetzt. Anstelle der "kleinen Ahse", der Terrasse vor dem geplanten Museumsneubau und der Roseninsel am Nordentor, wurden eine vorgelagerte Terrasse und dahinter ein Rosengarten angelegt. Die im Entwurf vorgesehenen, an den Otto-Krafft-Platz angrenzenden öffentlichen Gebäude wurden später an anderer Stelle errichtet. Die Ringanlagen erhielten aus Anlass des Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelm II. den Namen Kaiser-Wilhelm-Ring. Um 1922 wurden die einzelnen Abschnitte in Ost-, Nord-, West- und Südring umbenannt.