Musikpavillon

Der höher gesetzte, oval ausgebildete Pavillon mit seiner auf acht Betonsäulen ruhenden markanten Haube bildet das Herzstück des Ostrings. Das symmetrisch gestaltete Bauwerk wird mit jeweils acht Säulen zu beiden Seiten mit aufgelegter hölzerner Pergola zu einer harmonischen Einheit komplettiert. Insbesondere aus Richtung des Pendants Bärenbrunnen betrachtet, entfaltet sich die volle Wirkung als „Point de vue“, also als bewusst inszenierter Blickfang am Ende einer Sichtachse. Mit seinen Brüstungsmauern aus verputztem Eisenbeton und den beiden flankierenden Freitreppen wächst das Bauwerk aus der tiefer gelegenen Gartenseite empor. Unterhalb des Pavillons luden bereits in der ursprünglichen Gestaltung Parkbänke zum Verweilen ein. Von hier aus hatte man einen schönen Blick auf den Bärenbrunnen und den dahinter liegenden Otto-Krafft-Platz.

Musikpavillon
Quelle: Stadtarchiv Hamm
Historische Ansicht des Musikpavillons
Quelle: Privatbesitz Tobias Klicker
Historische Ansicht des Musikpavillons
Quelle: Stadtarchiv Hamm
Der Musikpavillon im Ostring
© Thorsten Hübner

Gut zu wissen

Portraitaufnahme von Stadtbaurat Otto Krafft

Die Ringanlagen

Am 14. Juni 1914 wurde der Ostring, eine gärtnerisch gestaltete Freifläche im Bereich der ehemaligen Stadtbefestigung von Hamm, feierlich eröffnet. Vorausgegangen war die Verlegung von Lippe und Ahse im Zusammenhang mit dem Bau des heutigen Datteln-Hamm-Kanals 1910 bis 1914. Oberbürgermeister Richard Matthaei unterstützte die Initiative des Stadtbaurats Otto Krafft, anstelle der Flussläufe und Stadtgräben die Ringanlagen zu schaffen. Zur Gestaltung des Grüngürtels wurde 1912 ein Wettbewerb durchgeführt.

Promenadenkonzerte

In den Wochen nach der Einweihung fanden sonntags im Musikpavillon Promenadenkonzerte statt. Der Westfälischer Anzeiger berichtet einen Tag nach der Eröffnung des Ostrings: „Den herrlichen Genuß, in den schönen Anlagen bei den Klängen guter Musik zu promenieren, teilten sich erfreulicherweise alle Stände unserer Bevölkerung.“

Seit 1986 unter Denkmalschutz

Der Erste Weltkrieg setzte bereits kurz nach Fertigstellung der Anlage dem unbeschwerten Dasein ein Ende. Die in den Kriegsjahren unterlassene Pflege ging an den Ringanlagen nicht spurlos vorüber. Die Kupferabdeckung des Musikpavillons musste für Rüstungszwecke abgeliefert werden. Eine schlichte Abklebung mit Dachpappe schützte den Pavillon vor der Witterung. Wohl aus Kostengründen wurde später eine Schieferdeckung aufgebracht, ein Material, das jedoch nie so recht zu der leichten und beschwingten Form des Daches passen wollte.

Das einzigartige Gartendenkmal steht seit 1986 unter Schutz. 2011 wurden im Zuge einer umfassenden Sanierung die Kunststeinbauteile des Pavillons aufgearbeitet und die Kuppel rekonstruiert. Die stark geschädigten Doppelalleen mussten komplett erneuert werden.

Literaturhinweis

Hamm – Stadt zwischen Lippe und Ahse.
Historischer Rückblick von den Anfängen bis etwa 1930. Bearbeitet nach alten Karten, Plänen, Fotos, Zeitungsartikeln und Berichten von Karl Wulf. Hamm 1999

Die historischen Ringanlagen von Hamm.
Mit Bildern aus der Sammlung von Ilsemarie von Scheven. Hamm 2006