Stadt Hamm

Kultur

PAPANOIA

Foto: Dietrich Faber und Martin Guth mit einem Spielzeugroboter

In ihrem sechsten Bühnenprogramm überzeugen Dietrich Faber und Martin Guth am 16. Oktober im Kurhaus Bad Hamm mit skurrilen Figuren, bissiger Gesellschaftskritik und intelligentem Klamauk, mit spritzigen Dialogen, rasanten Szenenwechseln, gekonnter Musikcomedy und Parodie.

Dietrich Faber und Martin Guth bieten eine Themenvielfalt, die ihresgleichen sucht: da tritt das Kasperle-Ensemble in den Streik, gibt es eine umstrittene "Neusprechreform" (Worte wie beispielsweise "Urinstinkt" können sehr verschieden klingen…) oder den berufsvorbereitenden Kindergarten, der das Abitur in acht Jahren zum Ziel hat. Politiker sind mit einem Mal beliebt, fünftklassige Opernsänger wittern Morgenluft und ihr rauschendes Comeback und in einer Mozart-Arie werden Angstzustände in der IKEA-Markthalle thematisiert.

Bis jetzt klingt das alles noch nach einem ganz typischen Kleinkunst-Abend. Doch es gibt da ein "kleines" Problem – im wahrsten Sinne des Wortes: Faber und Guth sind nämlich nicht nur Kabarettisten, sondern auch Väter. Sie werden "papanoid"! Zweierbeziehungen mit Kind zählen nicht gerade zu den Dingen im Leben, die sich einfach mal so nebenbei regeln lassen. So hat Faber keinen Babysitter bekommen und musste seinen fünfjährigen Sohn Hilmar mit auf Tournee nehmen, da seine Lebensgefährtin derzeit in einem See in Fränkisch Tibet sitzt und an einer Mondscheinsitzmeditation teilnimmt. Und während der Papa auf der Bühne steht, wartet Klein-Hilmar dann in der Garderobe. Diese Probleme hat Bühnenpartner Guth zwar nicht, hat er sich doch erst kürzlich zusammen mit seinen Eltern, seiner Frau und den drei gemeinsamen Kindern eine Doppelhaushälfte auf das Dach seiner Schwiegereltern gebaut. Doch trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb?) entflieht er der häuslichen Idylle nur zu gern, um wieder auf Tour zu gehen. Dass Faber mit seiner Lebensgefährtin täglich mehrstündigen, tantrischen Sex praktiziert, während Guth nur so häufig Sex hatte wie die Anzahl seiner Kinder, sind weitere private Details, die den Zuschauer eigentlich nichts angehen – aber trotzdem zur Sprache kommen.
Deutschlands "bestes Kabarettduo" (Westdeutsche Zeitung) hat sich in der Schule kennengelernt, im Deutsch-Leistungskurs kam es bei Weihnachtsfeiern zu den ersten ungestümen Duo-Auftritten, bis heute stehen mehr als 1.300 Auftritte im deutschsprachigen Raum für sie zu Buche. Neben Bühnenauftritten sind sie auch gerngesehene Gäste im Fernsehen und beim Radio. Seit 2001 veranstalten sie in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Gießen die "Gießener Satirewochen".

Dass sie ihr Handwerk verstehen, beweisen zahlreiche namhafte Kabarettpreise wie die "St. Ingberter Pfanne", der vom SDR verliehene "Stuttgarter Besen" oder auch der "Kölner Comedy Cup".